LGT Private Banking House View

Juli 2026 - das Wichtigste in Kürze

Manchmal ist das wichtigste Marktsignal nicht dort zu finden, wo der Druck am grössten ist, sondern dort, wo sich die Widerstandsfähigkeit als am stärksten erweist. Nun, da sich das erste Halbjahr 2026 dem Ende zuneigt, hat die Weltwirtschaft den Energieschock besser verkraftet, als viele befürchtet hatten. Insbesondere die US-Wirt­schaft zeigt weiterhin überraschende Stärke, wobei die Unternehmen zunehmend die Wachstumsführung übernehmen, während Europa durch eine schwächere Stimmung, eine straffere Geldpolitik und sinkende Kaufkraft gebremst wird. Was sich abzeichnet, ist kein breit angelegter globaler Abschwung, sondern ein ungleichmässigeres Bild, das von regionalen Unterschieden und einem Zinsumfeld geprägt ist, in dem die Zin­sen länger auf einem höheren Niveau bleiben. 

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

House View Juli 2026
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Das macht das Umfeld für Anlegerinnen und Anleger nicht gerade einfach. Die Märk­te haben bereits grosszügig auf die jüngsten konstruktiven Schlagzeilen reagiert, wäh­rend die saisonale Sommerflaute, die nachlassende Gewinndynamik und die nach wie vor hohe Unsicherheit gegen eine wesentliche Erhöhung des Risikos sprechen. Vor diesem Hintergrund behalten wir eine ausgewogene, aber konstruktive Haltung bei: Aktien bleiben "Neutral", festverzinsliche Wertpapiere "Untergewichtet", alternative Anlagen "Übergewichtet" und Liquidität "Neutral" im Verhältnis zur strategischen Allokation. Innerhalb der Portfolios bevorzugen wir weiterhin US-Aktien gegenüber Aktien aus der Eurozone, bleiben bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen vor­sichtig und sehen Gold als wichtiges stabilisierendes Element. 

In dieser House View-Ausgabe zeigen wir, wie wir dieses Spannungsfeld zwischen einer sich verbessernden Marktstimmung und einem nach wie vor anspruchsvollen makroökonomischen Umfeld einschätzen - von den divergierenden Wachstumspfa­den in den USA und Europa bis hin zur taktischen Positionierung in Aktien, festver­zinslichen Wertpapieren, Währungen und Edelmetallen.

Makroökonomisches Umfeld

Die Weltwirtschaft hat den Energiepreisschock erstaunlich gut verarbeitet - getragen von einer robusten US-Konjunktur, in der Unternehmen den Wachstumsstab vom Konsumenten übernommen haben. Die Eurozone hingegen bleibt im Schlick stecken: schwache Stimmung, EZB-Zinsschritte und schrump­fende Kaufkraft belasten das Wachstum. Für die Anlagealloka­tion heisst das ein Zinsumfeld, das länger hoch bleibt, bei breiter abgestützter US-Erholung - ein erneutes Kapitel des US-Exzep­tionalismus.

Anlagestrategie

Das Investmentkomitee hält an einer ausgewogenen, aber konstruktiven Risikohaltung fest. Aktien bleiben taktisch neut­ral, festverzinsliche Anlagen untergewichtet, alternative Anla­gen übergewichtet und Liquidität neutral im Vergleich zur stra­tegischen Gewichtung. Die Märkte haben die jüngsten positiven Nachrichten aus Sicht des Komitees bereits weitgehend einge­preist, während anhaltende Unsicherheit, saisonale Sommerri­siken und eine nachlassende Gewinndynamik gegen eine höhe­re Risikobereitschaft sprechen. Innerhalb der Positionierung wird weiterhin US-Aktien gegenüber Aktien aus dem Euroraum der Vorzug gegeben, Investment-Grade-Unternehmensanlei­hen bleiben untergewichtet und Gold übergewichtet.

Aktienstrategie

Die globalen Aktienmärkte haben ihren Aufwärtstrend trotz eines kurzen Rückschlags Anfang Juni, ausgelöst durch steigen­de Zinsen und Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des KI-getriebenen Wachstums, fortgesetzt. Gewinne waren insbe­sondere zu beobachten bei "Large-Cap"-IT-Aktien. Der Rückschlag erwies sich aber als kurzlebig und letztlich "gesund". Hoffnungen auf eine Einigung im Nahostkonflikt unterstützten eine erneute Markterholung, insbesondere angeführt von IT- und zyklischen Sektoren wie Industrie, Finanzen oder Rohstof­fen. Der Euroraum bleibt anfälliger für die Folgen der Nahost­krise, da das Wachstum nachlässt, die Inflation hoch bleibt und davon ausgegangen wird, dass die EZB die Zinsen erneut an­hebt. Dennoch erwarten Anlegerinnen und Anleger in diesem Jahr weiterhin ein Gewinnwachstum je Aktie von 12%, was angesichts des sich verschlechternden Hintergrunds zu optimis­tisch sein könnte. Wir halten daher an unserer Einschätzung "Unattraktiv" fest. In den USA bleibt die wirtschaftliche Aktivi­tät solide, und laufende KI-bezogene Investitionen stützen wei­terhin das starke Gewinnwachstum. Wir behalten daher dies­bezüglich unsere Einschätzung mit "Attraktiv" bei.

Anleihenstrategie

Trotz historisch attraktiver Realrenditen bei Nominalwerten von 4.5% in den USA und 3.0% in Deutschland ist bei einer massiven Ausweitung der Portfolioduration derzeit Vorsicht ge­boten. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh bricht mit der gewohnten "Forward Guidance", was die Unsicherheit an den Märkten erhöht und im Zusammenspiel mit einem forcierteren Bilanzabbau sowie hohen US-Defiziten die Laufzeitprämien strukturell nach oben treibt. Da flache Renditekurven dieses er­höhte Kursrisiko am langen Ende kaum kompensieren und ver­meintlich sichere Staatsanleihen in inflationären Phasen, wie jüngst beim Irankonflikt Anfang März, ihre Schutzwirkung als sicherer Hafen temporär einbüssen können, bleibt die Durati­onspositionierung für US Dollar und Euro unverändert auf "Neu­tral". Das bevorzugte Terrain ist das mittlere Laufzeitensegment von fünf bis sieben Jahren, welches attraktive Realerträge ohne übermässige Risiken am langen Ende sichert.

Währungsstrategie

Unsere Devisenprognose geht mittelfristig weiterhin von ei­ner allmählichen Abschwächung des US-Dollars aus, auch wenn der kurzfristige Handel aufgrund geopolitischer Spannungen, hoher Energiepreise und zeitweise auftretender Risikoaversion wahrscheinlich volatil bleiben wird. Allerdings scheint die jüngs­te Widerstandsfähigkeit des Greenbacks eher vorübergehender Natur zu sein, da die wichtigsten Stützfaktoren für eine breite Dollarstärke voraussichtlich mit der Zeit nachlassen werden. Da sich die relativen Zinsdifferenzen allmählich verringern, dürfte der EUR/USD-Kurs einen moderaten Aufwärtstrend beibehal­ten, mit aktualisierten Kurszielen von 1.17 über sechs Monate und 1.18 über zwölf Monate. Dementsprechend passen wir auch unsere USD/CHF-Kursziele an: Aufgrund des relativ starken konjunkturellen Umfelds in den USA liegt unser Sechsmonats-Ziel bei 0.76 und unser 12-Monats-Ziel bei 0.75.

Edelmetalle

Gold steht aufgrund starker US-Daten, höherer Zinsen, einer nachlassenden technischen Dynamik und leicht negativer ETF-Zuflüsse unter kurzfristigem Druck, doch der allgemeine Ausblick bleibt positiv. Vor diesem Hintergrund spiegelt unser neues Sechs­monats-Ziel von USD 5000 unser Vertrauen in ein deutliches Auf­wärtspotenzial wider, sobald der Gegenwind nachlässt. Auch Silber profitiert dank starker industrieller Nachfrage und eines strukturellen Defizits weiter von einem günstigen mittelfristigen Umfeld, doch angesichts seiner grösseren Konjunkturabhängig­keit scheint uns vorerst eine eher neutrale Haltung angebracht.