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Zentralbanken pausieren und Risikobereitschaft nimmt ab

Die grossen Zentralbanken haben ihre geldpolitischen Einstellungen am Donnerstag unverändert gelassen: Die Europäische Zentralbank und die Bank of England beliessen ihre Leitzinsen unverändert, und auch die Reserve Bank of India legte nach den Senkungen im vergangenen Jahr eine Pause ein. Die Aktienmärkte gaben nach den Entscheiden nach: US- und europäische Aktien verzeichneten Verluste angesichts erneuter Sorgen über hohe Bewertungen im Technologiesektor, schwächerer US-Arbeitsmarktdaten und anhaltenden Drucks auf Kryptowährungen, während Tech-Aktien-lastige Indizes in Asien am Freitag mehrheitlich tiefer notierten. Edelmetalle trugen zur Marktvolatilität bei: Die Silberpreise setzten ihre heftigen Ausschläge fort, fielen zunächst um fast 10% und erholten sich anschliessend wieder, und auch Gold schwankte kräftig nach oben – ein Zeichen für Nervosität selbst in traditionellen sicheren Häfen. Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben leicht nach, während Anlegerinnen und Anleger die Serie schwächerer Beschäftigungsindikatoren verdauten.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

© Shutterstock

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren wichtigsten Leitzins am Donnerstag, an ihrer ersten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr, bei 2% belassen. Die EZB verfolgt weiterhin einen datenabhängigen Kurs, während die Inflation um das 2%-Ziel schwankt, aber Abwärtsrisiken bestehen bleiben. Die Zentralbank betonte, dass das robuste Wachstum, gestützt durch niedrige Arbeitslosigkeit, solide private Bilanzen, höhere Staatsausgaben und frühere Zinssenkungen sowie durch Unsicherheiten im Zusammenhang mit globalen Handelskonflikten und geopolitischen Spannungen relativiert wird. Die jüngste Aufwertung des Euro, der im vergangenen Jahr fast 14% gegenüber dem US-Dollar zugelegt hat, sorgt in einer Phase für zusätzlichen Disinflationsdruck, in der die Inflation im Euroraum im Januar auf 1.7% zurückgegangen ist. Dies veranlasst die EZB, die Auswirkungen der Währung auf die Preise genau zu beobachten. Die Märkte erwarten mehrheitlich, dass die Zinsen im Euroraum bis 2026 unverändert bleiben. Am Donnerstag fiel der Euro Stoxx 50 um 0.7%, während der deutsche DAX 0.5% verlor und der französische CAC 40 sowie der Schweizer Swiss Market Index jeweils 0.3% nachgaben.

Bank of England bleibt in Wartestellung

Die britische Notenbank beliess ihren wichtigsten Leitzins am Donnerstag bei 3.75%, wobei das geldpolitische Komitee mit einer knappen Mehrheit von 5 zu 4 Stimmen für eine Pause nach der Zinssenkung im Dezember votierte. Die Inflation lag im Dezember bei 3.4%, und die jüngsten Wachstumsdaten fielen besser aus als erwartet. Die Zentralbank bekräftigte, dass die Geldpolitik darauf ausgerichtet ist, die Inflation in Grossbritannien nachhaltig auf das 2%-Ziel zurückzuführen und dort zu halten, und signalisierte, dass weitere Lockerungsschritte wahrscheinlich sind. Umfang und Zeitpunkt werden jedoch davon abhängen, wie sich der Inflationsausblick entwickelt; die Verantwortlichen rechnen ab April mit einer Teuerung nahe am Zielwert. Gouverneur Andrew Bailey erklärte, er sehe Spielraum für zusätzliche Zinssenkungen, werde aber von Sitzung zu Sitzung entscheiden, während der Markt für 2026 mit zwei bis drei weiteren Senkungen rechnet.

Asiatische Technologiewerte geben nach

Die indische Zentralbank beliess ihren wichtigsten Leitzins am Freitag bei 5.25% und unterbrach damit ihren Lockerungszyklus, nachdem sie den Referenzzins im vergangenen Jahr insgesamt um 125 Basispunkte gesenkt hatte. Der indische Aktienmarkt hielt sich am Freitag im Vergleich zu den meisten Börsen im asiatisch-pazifischen Raum relativ gut, der Nifty 50 notierte praktisch unverändert. Andere asiatische Aktienmärkte gerieten hingegen unter Druck, nachdem ein technologiegetriebener Ausverkauf den südkoreanischen KOSPI um 1.5% nach unten zog, wobei die Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix Kursverluste verzeichneten. Indonesische Vermögenswerte waren besonders schwach, nachdem Moody's den Ausblick für das Kreditrating des Landes am Donnerstag herabgesetzt hatte: Der Jakarta Composite Index fiel um mehr als 2%, und die Rupiah rutschte auf den tiefsten Stand seit Ende Januar ab. In Australien lag der S&P/ASX 200 um 2% im Minus, während der Hang Seng Index in Hongkong um 1.2% nachgab und der chinesische Festlandindex CSI 300 0.2% schwächer notierte. Japans Nikkei 225 bildete eine Ausnahme und lag 0.8% im Plus.

Technologiewerte belasten die Wall Street

Die US-Aktienmärkte schlossen am Donnerstag im Minus, da die erneute Schwäche von Technologiewerten, Sorgen rund um Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und ein deutlicher Rückgang des Bitcoin die Märkte verunsicherten. Der Dow Jones Industrial Average verlor 1.2%, nachdem er am Dienstag ein Rekordhoch erreicht hatte, während der S&P 500 1.2% einbüsste und der Nasdaq 100 um 1.4% auf den tiefsten Stand seit November fiel. Händlerinnen und Händler reagierten zudem auf überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten aus der Vorwoche. Die Alphabet-Aktie, die nach der Ankündigung geplanter Investitionen von bis zu USD 185 Milliarden – vor allem in Rechenzentren zur Unterstützung von Anwendungen im Bereich KI – zeitweise um 8% gefallen war, schloss nur 0.5% tiefer. Dennoch hielten sich Befürchtungen, welche Unternehmen letztlich von den hohen KI-Investitionen profitieren oder durch die Kosten belastet werden dürften. Diese Sorgen liessen die Amazon-Aktie im späten US-Handel am Donnerstag um mehr als 10% fallen, nachdem der Onlinehändler und Cloud-Anbieter gemischte Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt und seine Investitionsausgabenprognose für 2026 deutlich auf USD 200 Milliarden angehoben hatte. Kryptobezogene Titel wie Strategy und Coinbase gaben im Gleichschritt mit dem Rückgang von Bitcoin deutlich nach. Die grösste Kryptowährung war zeitweise knapp über USD 60'000 gehandelt worden, bevor sie sich am Freitag wieder auf nahezu USD 66'000 erholte.

US-Staatsanleiherenditen nach schwächeren Arbeitsmarktdaten tiefer

Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben am Donnerstag nach, da eine Reihe von Arbeitsmarktindikatoren auf eine Abschwächung der Beschäftigungsdynamik hindeutete: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel auf unter 4.2%, diejenige zweijähriger Papiere auf unter 3.5%. Die jüngsten JOLTS-Daten zeigten, dass die Zahl der offenen Stellen im Dezember von revidiert 6.93 Millionen auf 6.54 Millionen zurückging – den tiefsten Stand seit September 2020. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der Woche bis Samstag um 22'000 auf 231'000 und übertrafen damit die Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen. Weitere Berichte bestätigten den weicheren Ton: Die Personalberatung Challenger, Gray & Christmas meldete die höchste Zahl von Stellenabbauankündigungen in einem Januar seit 2009 und die schwächsten geplanten Einstellungen für diesen Monat seit jenem Jahr. Gleichzeitig zeigte die ADP-Erhebung, dass das Beschäftigungswachstum im privaten Sektor im Januar auf 22'000 Stellen gegenüber 37'000 im Dezember zurückging. Einige Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer argumentierten, dass die sich häufenden Signale einer Abschwächung am Arbeitsmarkt die US-Notenbank dazu veranlassen könnten, in diesem Jahr mehr Zinssenkungen vorzunehmen, als an den Märkten derzeit eingepreist sind. Im Fokus der Anlegerinnen und Anleger steht nun der für nächsten Mittwoch erwartete – und zuvor verschobene – offizielle Arbeitsmarktbericht für Januar, der weitere Hinweise liefern dürfte.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG