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Innovation und Trends

Wie Quantencomputer die Finanzwelt herausfordern

Was wäre, wenn Computer künftig Aufgaben lösen könnten, an denen auch heutige Supercomputer scheitern? Quantencomputer machen dieses Szenario greifbar. Für Banken eröffnet das Chancen - und stellt zugleich die Sicherheit heutiger Verschlüsselung auf den Prüfstand.

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Ein Quantencomputer könnte künftig Aufgaben lösen, an denen heutige Supercomputer scheitern. Damit wird er auch zum Risiko für heutige Verschlüsselungsverfahren. © IBM.com

Sie erinnern an eigenwillige Genies: Die derzeit in Entwicklung befindlichen Quantencomputer sollen so leistungsfähig werden, dass sie aktuelle Supercomputer deutlich in den Schatten stellen. Bei alltäglichen Aufgaben dürften sie aber langsam und fehleranfällig sein. Quantencomputer lieben es anspruchsvoll: Sie glänzen zum Beispiel bei Molekülsimulationen, der Optimierung von Logistikprozessen oder bei bestimmten Aufgaben rund um künstliche Intelligenz. Anwendungsmöglichkeiten gäbe es offensichtlich genug. Das bestätigt auch der jüngste Quantum Technology Monitor von McKinsey. Die Technologie könnte laut Einschätzung der Unternehmens- und Strategieberatung bis 2035 weltweit zwischen USD 1.3 und USD 2.7 Billionen an wirtschaftlichem Wert generieren.

Doch neben den Chancen gilt es für Unternehmen auch abzuschätzen, welche Risiken bestehen könnten: "Quantum Computing wird die Cybersicherheit in den kommenden Jahren grundlegend verändern", ist sich Marco Brenner, Quantum Safe Program Executive bei IBM, sicher. Dies bestätigt LGT Sicherheitsexperte Christian Pfister und wird konkret: "Quantencomputer greifen genau die mathematischen Probleme an, auf denen heute fast alle wichtigen Sicherheitsmechanismen im Internet und im Finanzsektor beruhen."

Noch ist offen, wann leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sein werden. Die LGT stellt ihre Verschlüsselung trotzdem schon heute auf "Quantum Safe" um. © Thomas Niedermüller/Getty Images

Vom Potential der Quantencomputer

Konventionelle Computer rechnen mit null oder eins (sogenannte Bits) als kleinster Dateneinheit, da sie im Prozessor elektrische Energie durch kleinste Leiterbahnen mit Milliarden von Schaltern schicken. Die Aufgaben werden dabei linear, also nacheinander, abgearbeitet.

Quantencomputer verwenden Elementarteilchen wie Ionen für ihre Berechnungen. Den Gesetzmässigkeiten der Quantenmechanik folgend, können diese Teilchen neben null und eins auch eine «Superposition» einnehmen, also beides zugleich sein. Ausserdem lässt sich der Status von Elementarteilchen miteinander verschränken; soll heissen: der Status eines Teilchens kann von dem eines anderen abhängen. Beide Phänomene werde in Quantencomputern dazu genutzt, sehr viele Berechnungen gleichzeitig zu bearbeiten.

Während Cybersicherheit heute Gefahren wie Betrug, Schadsoftware oder Angriffe auf Systeme abwehrt, muss "Quantum Safe" einen entscheidenden Schritt weiterdenken.  

Leistungsfähige Quantencomputer könnten künftig heute verbreitete kryptografische Verfahren gefährden. Derzeit sicher verschlüsselte Informationen könnten von Dritten bereits heute gespeichert und später mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsselt werden - Fachleute sprechen von "harvest now, decrypt later". Besonders betroffen sind damit Daten, die über lange Zeit vertraulich bleiben müssen.

Innovationsmanagement und Cyber-Sicherheit: Mission "Quantum Safe"

Quantenrisiko: Für LGT Sicherheitsexperte Christian Pfister ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu handeln.

"Quantum Safe" bezeichnet den Schutz von Daten und Systemen vor Risiken durch künftige Quantencomputer. IT-Sicherheitsexperten kennen diese Situation grundsätzlich, passen sie ihre Schutzkonzepte stets dem technologischen Fortschritt an. Das Quantenrisiko ist dennoch besonders, ist auch LGT Sicherheitsexperte Christian Pfister überzeugt: "Es ist keine völlig neue Art von Risiko, aber es hat eine neue Dimension in Tiefe und Breite." Niemand könne eine belastbare Aussage über die generelle Verfügbarkeit von leistungsfähigen Quantencomputer abseits von Laboren und Universitäten treffen. Dennoch sei es Zeit zu handeln: "Es gibt genügend Unsicherheit über den Zeitpunkt, aber genügend Sicherheit über die Notwendigkeit, jetzt mit strukturierter Vorbereitung zu beginnen."

Partnerschaft mit IBM

2021 startete die LGT "als eine der ersten Kundinnen", so IBM-Partner Brenner, eine Kooperation mit IBM Research. Ziel war es, die Transformation der LGT hin zu "Quantum Safe" langfristig voranzutreiben. Davon profitierten über die Jahre beide Partner: "Die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der LGT lieferten nicht nur wertvolle Erkenntnisse für unsere Forschung, sondern auch wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unserer Methoden", so Marco Brenner von IBM Research. "Gleichzeitig profitierte die LGT als Early Adopter von direktem Austausch mit IBM Research und frühzeitigem Zugang zu neuesten Erkenntnissen und Entwicklungen im Bereich quantensicherer Kryptografie."

Die Teams vom LGT Quantum Safe Competence Center und von IBM Research arbeiteten ab 2021 eng zusammen.

Forschung trifft Umsetzung

Anfangs der Kooperation wurde analysiert, wo und wie Verschlüsselung in der komplexen IT-Landschaft der LGT eingesetzt wird und welche Daten und Systeme langfristig besonders geschützt werden müssen. Darauf aufbauend formulierte die LGT ein Zielbild für die Umstellung auf quantensichere Verschlüsselung und definierte den Weg dorthin. 

Ziel Crypto Agility: Sicherungsmechanismen sollen bei neuen Risiken zügig und kontrolliert angepasst werden können. © istock/da-kuk

Mittlerweile wurde die Partnerschaft mit IBM erfolgreich abgeschlossen und die LGT verfügt über die Fähigkeiten und Strukturen, den Weg hin zu Quantum Safe eigenständig weiterzugehen. Bestehende IT-Systeme werden schrittweise modernisiert, neue Standards für Algorithmen, Protokolle, Zertifikate und das Schlüsselmanagement eingeführt. Für neue Eigenentwicklungen und Lösungen von Lieferanten gelten Quantum-Safe-Anforderungen.

Die Massnahmen werden von einem internen Kompetenzzentrum für Quantum Cryptography konzipiert und gesteuert. Das Projekt befindet sich derzeit in der Umsetzungsphase und geht voraussichtlich 2029 in den Regelbetrieb über.

Im Ergebnis wird Verschlüsselung bei der LGT nicht einfach komplexer. Ziel ist Crypto-Agility: die Fähigkeit, digitale Kommunikation, Zertifikate und das Schlüsselmanagement bei neuen Risiken zügig und kontrolliert anzupassen - mit möglichst geringen Auswirkungen auf den Betrieb. Die LGT gewinnt damit für die kommenden Jahre und darüber hinaus an Handlungsfähigkeit bei der Sicherung ihrer technologischen Infrastruktur. Das vorausschauende Handeln rund um Quantum Computing hat sich so für die LGT und ihre Kundinnen und Kunden positiv ausgewirkt, unabhängig davon, wann und wie das Szenario um Quantencomputer tatsächlich Realität wird.

Aufsichtsbehörden erkennen Handlungsbedarf

Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma) befragte zwischen November 2025 und Januar 2026 60 Schweizer Finanzinstitute zu Chancen und Risiken von Quantum Computing. Laut ihrer Mitteilung vom Juli 2026 beobachten die Institute die Technologie, und sie sind sich der Cyberrisiken bewusst. Die FINMA mahnte in der Mitteilung aber auch an, dass in der Branche meist eine klare Roadmap und eine ausreichend weit vorausschauende Planung für die Migration zu quantensicherer Verschlüsselung fehle.

Nicht nur in der Schweiz ist Quantum Safe ein Thema: Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Deutschland haben zum Beispiel erste Regeln verabschiedet - und auch die EU wurde bereits tätig.

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