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Anlagestrategien

Globale Märkte 2026: Aufbruch in ein neues Zeitalter

Was können Anlegerinnen und Anleger im Jahr 2026 erwarten? Mika Kastenholz, LGT Global Head Investment Solutions, teilt seine Einschätzungen zu den globalen Märkten: Eine höhere strukturelle Inflation, zunehmende staatliche Verschuldung und potenzielle Kapitalkontrollen verändern die Marktlandschaft grundlegend.

  • von Laura Gianesi, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 5 Minuten

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Früher bestimmten klassische Konjunktursignale die Volatilität, die Risikoprämien und die Korrelationen zwischen Anlageklassen. Das ist heute nicht mehr der Fall, argumentiert LGT Head Investment Solutions Mika Kastenholz. Wie positionieren sich Anlegerinnen und Anleger am besten in einem solchen Umfeld? © LGT

Mika Kastenholz, die globalen Märkte wirken trotz zahlreicher Störfaktoren bemerkenswert widerstandsfähig - zumindest lassen dies die jüngsten Schlagzeilen rund um die Welt vermuten. Sie sprechen jedoch von einer Phase des "punktuellen Gleichgewichts". Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Wir befinden uns in einer Phase, in der die Märkte oberflächlich betrachtet tatsächlich stabil erscheinen - etwa wenn man die globalen Aktienmärkte als Indikator heranzieht. Doch dieser Eindruck täuscht. Verschiedene zugrunde liegende Spannungen können jederzeit einen kritischen Punkt erreichen. Ich verwende den Begriff des "punktuellen Gleichgewichts" in Anlehnung an die Evolutionstheorie, wonach Systeme über längere Zeit stabil wirken, bis die akkumulierten Spannungen einen Umschwung auslösen - oft in Form überraschend schneller struktureller Veränderungen.

Das klingt nach dem Ende eines Zeitalters.

Was wir derzeit erleben, ist in der Tat das Ende einer Ära: Für mehr als ein Jahrzehnt nach der globalen Finanzkrise profitierten die Märkte von niedrigen Zinsen, reichlich Liquidität, klaren geopolitischen Allianzen und Effizienzgewinnen durch die Globalisierung. Dieses Umfeld ist Geschichte.

Wie macht sich das bemerkbar?

Die Spanne wirtschaftlicher und marktbezogener Entwicklungen wird sich im Jahr 2026 voraussichtlich deutlich vergrössern. Dies betrifft geld- und fiskalpolitische Rahmenbedingungen ebenso wie geopolitische und technologische Faktoren - auch wenn die Aktienmärkte diese Veränderungen bislang nur teilweise widerspiegeln.

Mika Kastenholz

Mika Kastenholz ist Global Head Investment Solutions bei LGT Private Banking. Mit einem akademischen Hintergrund in Wissenschaft und Technologie verfügt er über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Kapitalmärkte, Handel und Anlageprodukte, einschliesslich anlageklassenübergreifender Derivate. Er ist ausserdem Autor eines Buches über den Handel mit Derivaten und Mitbegründer eines Fintech-Unternehmens, das sich auf Private Banking und Wealthtech-Lösungen spezialisiert hat.

Was treibt diesen Wandel an?

Drei zentrale Kräfte bestimmen die Neuausrichtung der globalen Wirtschaft: eine höhere strukturelle Inflation, eine zunehmende Staatsverschuldung und potenzielle Kapitalkontrollen. Parallel dazu werden Lieferketten neu gestaltet - nicht nur aus kommerziellen Überlegungen, sondern auch aufgrund sicherheitspolitischer Erwägungen, wirtschaftsnationalistischer Tendenzen und industriepolitischer Prioritäten.

Sie beschreiben eine Welt im Umbruch.

"Umbruch" ist ein starkes Wort. Dennoch sind traditionelle makroökonomische und politische Beziehungen heute weniger verlässlich. Schocks können schneller eintreten, als es die jüngste Vergangenheit vermuten lässt.

Investieren im Jahr 2026: Worauf Sie achten sollten

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Wie wirkt sich diese Unsicherheit auf die Portfoliozusammensetzung aus?

Die Bandbreite möglicher Ergebnisse hat sich deutlich vergrössert. Früher bestimmten klassische Konjunktursignale die Volatilität, die Risikoprämien und die Korrelationen zwischen Anlageklassen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Diese Faktoren werden zunehmend von geopolitischen Entwicklungen, politischen Signalen, der globalen Liquidität und der Dynamik internationaler Kapitalströme geprägt. Für die Vermögensallokation bedeutet das: Szenarioanalysen, Liquiditätsmanagement und Agilität gewinnen weiter an Bedeutung. Die Annahme, dass Märkte stets zu ihrem früheren Gleichgewicht zurückkehren, wird zunehmend unzuverlässig.

Der Privathandel und passive Kapitalflüsse haben den Markt in den letzten Jahren stark gestützt. Wird sich das fortsetzen?

Nicht zwingend. Der provisionsfreie Privathandel, die zunehmende Verzahnung von Technologie und Finanzialisierung sowie stetige Zuflüsse in passive Anlageinstrumente haben ein relativ enges Segment der Aktienmärkte angetrieben. Ob diese Kräfte auch künftig tragen, ist jedoch offen. Denn irgendwann werden sich Preis und Wert wieder annähern - und diese Anpassung kann plötzlich und volatil ausfallen, insbesondere wenn über Derivate ein zusätzlicher Hebeleffekt im Spiel ist.

Die Welt bleibt weiterhin eng verflochten

Mika Kastenholz, LGT Global Head Investment Solutions

Wechseln wir kurz vom Portfoliomanagement zu thematischen Anlagestrategien: Welche Anlagethemen werden Ihrer Ansicht nach 2026 relevant sein?

Es beginnt - und endet - eindeutig mit Energie, sowohl hinsichtlich der Preise als auch der Bereitstellung. Darüber hinaus sehen wir drei weitere zentrale Anlagethemen für 2026. Erstens: KI-Infrastruktur. Wir bevorzugen Engagements in zwei Bereichen - kurzfristig in KI-Enabler entlang der Wertschöpfungskette von Rechenzentren und langfristig in KI-Adopter der neuen Technologien. Zweitens: digitale Vermögenswerte. Angesichts politischer Entwicklungen und wachsender Marktkapitalisierung müssen wir diesen Bereich im Auge behalten. Da Bitcoin bei grossen institutionellen Anlegern zunehmend Akzeptanz findet, kann er ein Baustein diversifizierter Portfolios werden - wobei die Positionsgrössen aufgrund der hohen Preisvolatilität digitaler Vermögenswerte weiterhin vorsichtig gewählt werden müssen. Drittens: Wasserknappheit. Die Süsswasservorräte geraten durch die weltweit steigende Nachfrage immer stärker unter Druck, während die verfügbaren Ressourcen begrenzt bleiben.

Diese drei Themen sind global relevant. Gleichzeitig warnen Schlagzeilen vor einem anhaltenden Rückgang der Globalisierung. Wird die Welt zunehmend fragmentiert?

Die klassische Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte - etwa in Form konsequenten Offshorings - verliert tatsächlich an Bedeutung. Dennoch bleibt die Welt weiterhin eng verflochten. Wirtschaftsblöcke treten klarer hervor, doch Kapital, Technologie, geopolitische Einflüsse und Risiken bewegen sich weiterhin über Grenzen hinweg - oft schneller und weniger vorhersehbar als früher. Das Verständnis dieser gegenläufigen Strömungen ist essentiell für fundierte Entscheidungen.

Wie ist LGT Private Banking positioniert, um Kundinnen und Kunden in diesem Umfeld zu begleiten?

LGT Private Banking ist für eine solche Welt gemacht. Unsere globale Investment-Solutions-Plattform, unsere langfristige Eigentümerstruktur, unser langfristiger Ansatz sowie unsere Präsenz über verschiedene Rechtsräume hinweg verschaffen uns die analytische Tiefe, die Interessengleichheit und die operative Stärke, die wir benötigen, um unsere Kundinnen und Kunden auf eine sich wandelnde globale Weltordnung vorzubereiten. In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit sind disziplinierte Analysen und eine wirklich globale Perspektive nicht bloss eine Option, sondern unverzichtbar - und auf diese Stärke können unsere Kundinnen und Kunden bauen.

Neben der Energiewende sieht die LGT drei zentrale Anlagethemen für 2026: KI-Infrastruktur, digitale Vermögenswerte und Wasserknappheit. © Shutterstock/ssguy

 

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