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Anlagestrategien

Investieren in KI? Darauf sollten Sie achten

Rechenzentren schiessen aus dem Boden, KI findet man in nahezu jeder Technologie: Die Aussichten stehen gut für jene Unternehmen, die das KI-Wachstum heute ermöglichen und für diejenigen, die es in Zukunft vorantreiben.

  • von Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 4 Minuten

Anlegerinnen und Anleger sollten bei KI-Investments nicht nur auf Chips und Server blicken - entscheidend ist, ob sich die Infrastruktur auch rentabel nutzen lässt, so Patrick Huber von LGT Private Banking. © Narumon Bowonkitwanchai/Getty Images

Zusammenfassung

  • Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Schlüsselthema unserer Zeit - mit Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
  • Eine Hantel-Strategie kombiniert Investments in Infrastruktur ("KI-Enabler") und zukunftsgerichtete Anwendungen ("KI-Adopter").
  • Rechenzentren, Chips und Cloud-Lösungen bleiben gefragt - trotz Risiken wie Überkapazitäten und Finanzierungsdruck bei Start-ups.
  • Agentische und physische KI-Technologien erweitern das Einsatzspektrum - von autonomem Handeln bis zur Interaktion mit der realen Welt.
  • Wer differenziert investiert, kann vom Wachstum heute und morgen profitieren - bei gleichzeitigem Blick auf Risiken und Bewertungen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist das zentrale Anlagethema unserer Zeit. Kaum eine Branche wird erwähnt, ohne dass darauf hingewiesen wird, wie KI sie in Zukunft beeinflussen wird. Diese Informationsflut kann Anlegerinnen und Anleger verunsichern, wie sie die KI-Welle am besten nutzen können?

Das disruptive Potenzial der KI hat bereits erhebliche Investitionen in die Technologie ausgelöst, wobei grosse Summen in die Infrastruktur fliessen. Diese Unternehmen - wir bezeichnen sie als "KI-Enabler" - ermöglichen den Aufbau von Rechenzentren, welche die rechenintensive Arbeit des Trainings grosser KI-Modelle unterstützen.

Gleichzeitig entwickelt sich die KI selbst rasant weiter. Aufkommende Technologien treiben die Grenzen der KI-Leistungsfähigkeit voran. Dazu gehören sowohl "Agentic AI" oder "Agentische KI", die als autonomer "Agent" agieren und komplexe, mehrstufige Aufgaben mit minimaler menschlicher Intervention ausführen kann, als auch physische KI, die Maschinen befähigt, mithilfe von Sensordaten mit der realen Welt zu interagieren. Unternehmen, die diese Technologien nutzen, gelten als "KI-Adopter".

KI heute - und in Zukunft

Angesichts der vielfältigen Anlagemöglichkeiten bietet die "Barbell"-Strategie (zu Deutsch: eine sogenannten Hantel-Strategie) einen möglichen Ansatz. Diese umfasst Investitionen sowohl in KI-Enabler die derzeit vom Ausbau der Infrastruktur profitieren als auch in KI-Adopter, die langfristig in neu entstehenden Bereichen tätig sind.

Dennoch ist ein sorgfältiger Auswahlprozess erforderlich. Bei Investments in die KI-Infrastruktur stellen sich zentrale Fragen: Wie viel davon wird benötigt, wie viel kann realisiert werden und - entscheidend - wie viel lässt sich wirtschaftlich nutzen, ohne das Risiko von Überkapazitäten einzugehen? 

Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking

Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking

Patrick Huber leitet alle Investment-Bereiche für LGT Kundinnen und Kunden in Europa; darunter Vermögensverwaltung, Beratung, Research, Strategie und nachhaltige Anlagen. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Investment Banking und Asset Management sowie über tiefgehende Expertise im Risikomanagement und im Bereich erneuerbarer Energien.

Die Anpassung der Kapazitäten an die künftige Nachfrage ist naturgemäss herausfordernd. Häufig kommt es zu einem Wettrüsten, um bestehende Kapazitäten zu schützen, selbst wenn diese veralten. Bisher gehörten Hyperscaler - Unternehmen, die Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten für die KI-Entwicklung bereitstellen - zu den grössten Investoren in die KI-Infrastruktur. Ihre Investitionsausgaben werden von ihren operativen Cashflows gut gedeckt, und die Nachfrage nach Rechenleistung übersteigt weiterhin das Angebot.

In jüngerer Zeit haben Start-ups wie OpenAI versucht, sich künftige Kapazitäten durch mehrjährige Partnerschaften mit Chipentwicklern und Cloud-Anbietern zu sichern, um den Rechenbedarf ihrer ehrgeizigen Wachstumspläne abzudecken. Start-ups verfügen jedoch selten über ausreichenden Zugang zu Kapital, um diese Expansion zu finanzieren, und sind daher auf externe Finanzierung angewiesen - was eine zusätzliche Risikodimension mit sich bringt.

Warum Investitionsausgaben so wichtig sind

Wir erwarten weiterhin ein Wachstum der Investitionsausgaben, wobei sich die Finanzierung von ausschliesslich internen Quellen hin zu einem breiteren Mix aus Fremdkapital und Risikominimierungsstrukturen verlagert. Auch wenn diese Entwicklungen einer sorgfältigen Beobachtung bedürfen, werden Anlegerinnen und Anleger weiterhin Chancen bei KI-Enablern entlang der Wertschöpfungskette von Rechenzentren finden.

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Aufstrebende KI-Technologien eröffnen ebenfalls neue Anlagechancen. Künftig wird KI in die unterschiedlichsten Produkte integriert sein. Die Frage ist natürlich, wann diese Möglichkeiten Realität werden. Zwei Bereiche, in denen KI bereits bemerkenswerte Fortschritte ermöglicht, sind Agentische und physische KI.

Die Zukunftstechnologien der KI verstehen

Agentische KI ermöglicht Entscheidungsfindung und die Ausführung von Aufgaben mit minimaler menschlicher Intervention, um ein definiertes Ziel zu erreichen. Unternehmen können damit beispielsweise Backoffice-Prozesse automatisieren - ein deutlicher Schritt in Richtung digitaler Belegschaften. Agentische KI hat Befürchtungen über mögliche Disruptionen und Neubewertungen im Softwaresektor ausgelöst, selbst wenn viele Anbieter ebenfalls bereits Agentische Lösungen integrieren und über wertvolle Datenbestände verfügen.

Zu viel Infrastruktur kann ebenso riskant sein wie zu wenig.

Physische KI bezeichnet den Einsatz von KI, um mit der realen Welt zu interagieren. Die rasche Weiterentwicklung von KI-Modellen und Rechenleistung hat auch zu bedeutenden Fortschritten in der Robotik und im autonomen Fahren geführt, wie der weltweite Aufstieg von Robotertaxis zeigt.

Während Unternehmen erhebliche Investitionen in KI-Infrastruktur für Anwendungen tätigen, bleibt unklar, wie sich diese Nutzungen monetarisieren lassen. Dies stellt - neben teilweise sehr ambitionierten Bewertungen - ein spezifisches Risiko für Investitionen in diesem Sektor dar. Auch wenn jede Aktienanlage mit Verlustrisiken verbunden ist, kann ein "Barbell"-Ansatz bei KI-Investitionen Anlegerinnen und Anlegern ermöglichen, sowohl von der aktuellen als auch von den künftigen Entwicklungsphasen dieser wichtigen Technologie zu profitieren.

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