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Finanzwissen

Sechs Finfluencers, die man kennen sollte

Von Wall-Street-Insidern bis hin zu Selfmade-Investorinnen - der Einfluss von Finfluencers wächst. Doch in einer digitalen Welt voller Hype und Fehlinformationen ist Glaubwürdigkeit mittlerweile genauso wertvoll wie Finanzwissen.

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  • Lesezeit 6 Minuten

Wer verdient wirklich Vertrauen in der Welt der TikTok-Finanztipps? Wir stellen sechs Finfluencers vor, die den Unterschied machen. © Shutterstock/Photoroyalty

Finanzberatung basiert traditionell auf diskreten Beziehungen zwischen professionell gekleideten Fachleuten - meistens mit zahlreichen Titeln hinter dem Namen - und ihren Kundinnen und Kunden. Wie in so vielen Branchen hat Social Media dieses Paradigma jedoch aufgebrochen. Und damit den Weg geebnet für eine neue Generation von Influencerinnen und Influencern.

Der rasant wachsende "Finfluencer-Markt" birgt allerdings grosse Risiken, wenn Ratschläge ungeprüft, verzerrt oder mit illegalen Finanzwerbungen verknüpft sind. Betrug ist allgegenwärtig, und die Finanzaufsichtsbehörden haben Mühe, ihren Einfluss geltend zu machen.

Auch wenn unseriöse Akteure ihr Unwesen treiben, haben sich glaubwürdige und wohlmeinende Influencer - darunter die sechs unten vorgestellten - auf Plattformen wie YouTube, Instagram und TikTok etabliert, mit einem gemeinsamen Ziel: ihr Publikum über das Thema Finanzen aufzuklären.

Wir stellen sechs inspirierende Beispiele vor.

Vivian Tu, USA: Your Rich BFF

Als junge Traderin bei einer grossen Wall-Street-Investmentbank klackerten Vivian Tus lange Nägel über ihre Tastatur - und nervten ihren Vorgesetzten, der auch ihren bunten Modegeschmack nicht mochte. Tu, die Tochter chinesischer Einwanderer in Washington D.C., kündigte, um einen Job im Medienvertrieb anzunehmen, wo sie bald besser verdiente. Und gerade in dieser neuen Rolle entdeckte sie eine Marktlücke: Da ihre jungen Kolleginnen und Kollegen von ihrem früheren Job in der Finanzbranche wussten, fragten sie sie immer wieder nach Anlagetipps.

Die Amerikanerin Vivian Tu wendet sich an ein jüngeres Publikum, dem es typischerweise an finanziellem Know-how mangelt. © Julia Beverly/WireImage/Getty Images

Es dauerte nicht lange, bis Tu, die mittlerweile Anfang 30 ist, rasante, beliebte Finanzratgeber-Videos auf TikTok hochlud. Unter dem Pseudonym "Your Rich BFF" (deine reiche beste Freundin für immer) hat sie mittlerweile mehr als 2.7 Millionen Followers, dazu kommen Tausende weitere auf anderen Social-Media-Plattformen sowie ein Podcast - "Networth and Chill" -, der in seiner ersten Staffel zwei Millionen Downloads verzeichnete.

Sie richtet sich an ein überwiegend jüngeres Publikum, dem es typischerweise an finanziellem Know-how mangelt, und verspricht: "Keine trockenen Wirtschaftslektionen, obwohl ich euch etwas über Wirtschaft beibringen werde." Zu ihren TikTok-Videos gehören Titel wie "Wie du deine Altersvorsorge mit zunehmendem Alter anpasst!!" sowie Lifestyle-Tipps und gelegentliche persönliche Beiträge.

"Niemand hat mit diesen Zielgruppen über Geld gesprochen. Und schon gar nicht mit dieser Generation", sagte Tu 2024 gegenüber der New York Times in einem Porträt, das ihr eigenes Vermögen detailliert beschrieb: Zwischen Sponsoringverträgen und Buchverträgen verdiente sie damals USD 7 Millionen pro Jahr. Und hatte damit definitiv das letzte Lachen.

Laura Whateley, Grossbritannien: Millennial Money

Als Konsumenten-Reporterin bei der Londoner Zeitung "The Times" lernte Laura Whateley die finanziellen Fallstricke des modernen Lebens aus erster Hand kennen. Bald schrieb sie eine regelmässige Kolumne namens "Millennial Money", in der sie persönliche Finanzen zugänglicher machen wollte. Im Jahr 2018 - sie war in ihren Dreissigern - veröffentlichte sie das Buch "Money: A User’s Guide", in dem sie ihre Erkenntnisse aus den zehn Jahren nach der Finanzkrise zusammenfasste.

Wurde berühmt mit ihrer Kolumne "Millennial Money": Journalistin Laura Whateley. © Shamil Tanna

Das Buch war in Grossbritannien und darüber hinaus ein Erfolg und bot in einfacher Sprache Tipps zu allen Themen, von der Altersvorsorge über Aktien bis hin zu ethischen Investitionen. "Ich habe es für mein jüngeres Ich geschrieben, das keine Ahnung hatte, basierend auf dem, was ich mir in meinen Zwanzigern gewünscht hätte zu wissen", sagte sie damals.

Fast ein weiteres Jahrzehnt später hat die mittlerweile 41-jährige Whateley "Home Economics" lanciert, einen Substack mit Schwerpunkt auf persönlichen Finanzen. In der Zwischenzeit haben Finanztipps in den sozialen Medien parallel zur Lebenshaltungs-Kostenkrise explosionsartig zugenommen. Sie versucht, das Praktische von "zu schön, um wahr zu sein"-Versprechen zu trennen - mit Ratschlägen zu allem, von grundlegender Finanzkompetenz über Investitionen bis hin zur Geldpsychologie, einschliesslich unserer Risikofähigkeit.

Chris Chong, Singapur: Honey Money

Im Jahr 2021 begann Chris Chong, ein ehemaliger Wirtschaftsprüfer aus Singapur, mit seinem Plan: Er wollte finanzielle Unabhängigkeit erlangen und so früh wie möglich in den Ruhestand gehen - eine in Singapur geläufige Bewegung, bekannt als FIRE. Als er begann, auf sein Ziel von mehr als USD 1 Million in seinem Anlageportfolio hinzuarbeiten, entschied er sich, seine grössten Erkenntnisse und Fehler zu teilen.

Begeistert als "HoneyMoneySG" junge Anlegerinnen und Anleger in Singapur: Chris Chong. © Chris Chong

Unter dem Pseudonym "HoneyMoneySG" hat sich Chong zu einer der lautesten Stimmen in der lebhaften Finfluencer-Szene Singapurs entwickelt. Laut einer Studie von MoneySmart, einem singapurischen Marktplatz für persönliche Finanzen, nutzen mittlerweile über die Hälfte (51 %) der Erwachsenen in der Inselrepublik soziale Medien, um sich finanziell beraten zu lassen, und 44 % gaben an, dass soziale Medien ihnen geholfen hätten, ihr Finanzwissen zu erweitern.

Chong hat mittlerweile fast 50’000 Abonnements auf YouTube, seiner Hauptplattform, wo seine Videos neben Tipps zum Geldsparen im Alltag auch Überlegungen zu den jeweiligen Vorzügen von Dollar-Cost-Averaging und Einmalanlagen enthalten.

Queenie Tan, Australien: Die "Fun Finance Formula"

Als Kind schämte sich Queenie Tan für die Sparsamkeit ihres alleinerziehenden Vaters. Der malaysisch-chinesische Einwanderer fuhr ein klappriges altes Auto, machte nie Ferien und zerschnitt alte T-Shirts zu Putzlappen. Doch als sie erwachsen wurde, begann Tan, die heute Anfang 30 und selbst Mutter ist, die Lektionen zu schätzen, die sie gelernt hatte - gleichzeitig war sie entschlossen, das Leben zu geniessen, statt sich um jeden Cent zu sorgen.

"Dieser Kampf um die richtige Balance hat mich jahrelang begleitet", schrieb sie letztes Jahr. "Schliesslich wurde mir klar, dass sich so viele andere dieselben Fragen stellten wie ich: Wie kann man das Leben jetzt geniessen, ohne seine Zukunft zu opfern?"

Auf der Suche nach der Balance zwischen Ausgaben und Sparsamkeit: Queenie Tan. © Queenie Tan

Heute ist Tan eine der grössten "Finfluencerinnen" in Australien, wo alle, die Finanzberatung anbieten - selbst in den sozialen Medien -, über eine staatliche Lizenz verfügen müssen (Tan besitzt ihre seit 2023). Mit fast 175’000 Followern auf Instagram und Tausenden weiteren auf YouTube und anderen Plattformen schildert Tan ihren eigenen Aufstieg von fast nichts auf ein Anlagevermögen von AUSD 1 Million und teilt dabei die Lektionen, die sie gelernt hat - vom Geldsparen bis hin zu Anlageempfehlungen.

Letztes Jahr veröffentlichte Tan, die mit ihrer jungen Familie in Sydney lebt, "The Fun Finance Formula", eine Mischung aus Memoiren und praktischem Ratgeber, die sich an ein ähnliches Publikum richtet. Zu Beginn ihrer Reise merkte sie, dass sie ihrem Vater nacheiferte. "Heute bin ich nicht mehr ganz so sparsam, aber da mein Geld für mich arbeitet, muss ich es auch nicht sein", sagte sie letztes Jahr.

Rotimi Merriman-Johnson, Grossbritannien: Mr MoneyJar

Als "Mr MoneyJar" hat Rotimi Merriman-Johnson jede Menge Ratschläge für seine Tausenden von Followern (mehr als 65’000 auf Instagram). Doch die wahre Leidenschaft des diplomierten Finanzberaters gilt der Bildung und der Chancengleichheit in einem Bereich, der nicht immer genug getan hat, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen.

Anfang dieses Jahres gab er eine Vereinbarung über die Erstellung von drei Arbeitsheften zur Finanzkompetenz bekannt, die von der Oxford University Press als Teil einer Reihe für Schulkinder weltweit veröffentlicht werden sollen. Die Bücher konzentrieren sich darauf, jungen Menschen grundlegende Finanzkompetenzen zu vermitteln; darunter Budgetplanung, Sparen, Anlegen und Unternehmertum.

Der in Grossbritannien lebende Merriman-Johnson, der auch bereits im Bereich der Finanzbildung mit der britischen Regierung, der Bank of England und der Financial Conduct Authority zusammengearbeitet hat, hat einige deutliche Ratschläge für die Finanzberatungsbranche selbst. An einer von der Personal Finance Society organisierten Veranstaltung sagte er, der einzige Weg, jüngere Zielgruppen richtig anzusprechen, bestehe darin, "die Menschen dort abzuholen, wo sie sind - und für Millennials und die Generation Z bedeutet das Plattformen wie Instagram, TikTok und LinkedIn".

Marcello Ascani

Es wäre zu einfach, Marcello Ascani nur als Finfluencer zu bezeichnen. Anstatt sich ausschliesslich auf persönliche Finanzberatung zu konzentrieren, ist der noch in seinen Zwanzigern befindliche Ascani eher ein inspirierender Unternehmer, der um die Welt reist, grosse Persönlichkeiten aus der Geschäftswelt interviewt und seine eigene, in Mailand ansässige Kreativagentur "Flatmates" leitet.

Mit seiner charismatischen Ausstrahlung vor der Kamera und mehr als einer Million Abonnements verfügt der YouTuber über eine beachtliche Anziehungskraft. Ende letzten Jahres wandte sich die Europäische Zentralbank an ihn mit der Bitte, ihre Präsidentin Christine Lagarde zu interviewen.

Das 16-minütige Video hat mehr als 100’000 Aufrufe und erreicht ein Publikum, das Zentralbanken über traditionelle Wege nur schwer erschliessen könnten. Er hat ausserdem den Ferrari-CEO Benettto Vigna und den Logitech-Mitbegründer Pierluigi Zappacosta interviewt.

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