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Juni 2026 - das Wichtigste in Kürze

Grundsätzlich folgt der Ölpreis vor allem der globalen Konjunktur und der daraus resultierenden Ölnachfrage; die deutlich stärkeren Auswirkungen bei Verwerfungen entstehen jedoch dann, wenn das Angebot zum preisbestimmenden Faktor wird. Dies geschieht zurzeit durch die anhaltende Blockade der Strasse von Hormus, die hat den Inflationsdruck weltweit spürbar erhöht und die Prognostizierbarkeit von Märkten erschwert: höheres Preisniveau, vorsichtigeres Sentiment, weniger Hoffnung auf baldige geldpolitische Entlastung. Und doch zeigt sich die Weltwirtschaft bislang widerstandsfähiger, als es die Schlagzeilen vermuten lassen - allen voran die US-Wirtschaft, wo Konsum, Arbeitsmarkt und Unternehmensgewinne erstaunlich robust bleiben.

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

Küste
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Noch ist das aber kein komfortables Umfeld für die Finanzmärkte, aber auch kein klassisches Krisenszenario. Die Risiken sind derzeit breit gestreut und regional sehr unterschiedlich: Die Eurozone leidet stärker unter dem Energieschock, während die USA strukturell besser positioniert sind. Vor diesem Hintergrund halten wir an einer ausgewogenen Risikoausrichtung fest: Aktien bleiben "Neutral", Anleihen "Untergewichtet", alternative Anlagen "Übergewichtet" und Liquidität "Neutral" relativ zur strategischen Allokation. Innerhalb der Aktien bevorzugen wir weiterhin die USA gegenüber Europa, während Gold seine Rolle als strategischer Stabilisator unterstreicht.

Gleichzeitig richten wir den Blick in dieser Ausgabe bewusst auch weiter nach vorne mit einer Doppelseite zu unserer Strategischen Vermögensallokation 2026. Sie zeigt, wie wir unser langfristiges Portfoliofundament in einem Umfeld höherer makroökonomischer Unsicherheit, veränderter Zinsregime und geopolitischer Brüche weiterentwickeln - mit mehr Liquidität, einer verfeinerten regionalen Aktiengewichtung sowie einem grösseren Fokus auf Gold und versicherungsbasierte Anlagen.

Makroökonomisches Umfeld

Der Energiepreisschock nach der Schliessung der Strasse von Hormus hat den globalen Inflationsdruck deutlich erhöht und den Wachstums-Inflationsmix stagflationär verschoben. Trotz stark eingetrübter Stimmung bleiben die wirtschaftlichen Vitalwerte bislang erstaunlich robust - Konsum, Arbeitsmarkt und Industrieaktivität halten insbesondere in den USA stand. Auch wenn geldpolitischer Rückenwind im 2026 wohl ausbleibt, diagnostizieren wir aktuell keine schwere Erkrankung der Weltwirtschaft.

Anlagestrategie

Trotz eines uneinheitlichen makroökonomischen Umfelds und eines zunehmenden Inflationsdrucks aufgrund höherer Energiepreise schätzen wir die Marktrisiken insgesamt als ausgewogen ein. Dies wird durch eine robuste Unternehmensentwicklung und solide Gewinne gestützt. Wir behalten daher unsere ausgewogene Risikobereitschaft bei und lassen unsere taktische Gesamtpositionierung unverändert. Auf der obersten Ebene bleiben Aktien "Neutral", festverzinsliche Wertpapiere "Untergewichtet", alternative Anlagen "Übergewichtet" und Liquidität im Verhältnis zur strategischen Gewichtung "Neutral".

Aktienstrategie

Der Aktienmarkt erholte sich nach dem Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA kräftig und legte weiter zu, obwohl die Strasse von Hormus weiterhin gesperrt ist, die Energiekosten hoch bleiben und die Inflation steigt. Die Gründe dafür sind erstens die anhaltende Zuversicht, dass die Krise im Nahen Osten eher früher als später gelöst wird, und zweitens eine sehr starke Berichtssaison. Die Risiken bleiben jedoch hoch, insbesondere wenn die Zinsen weiter steigen. Der starke Zinsanstieg Mitte Mai, der teilweise durch erhöhte Inflationsdaten getrieben war, führte zu einem Rückgang der Aktienkurse. In einem derart symmetrischen Risikoumfeld behalten wir eine ausgewogenere Risikobereitschaft bei und konzentrieren uns auf defensivere, weniger zyklische Regionen und Sektoren. Die USA bleiben unsere bevorzugte Region, gestützt durch ein starkes Gewinnwachstum, das von der KI und zunehmend auch von anderen Sektoren sowie durch eine geringere Energieabhängigkeit vom Nahen Osten getrieben wird. Der Euroraum hingegen bleibt aufgrund seines höheren Engagements in zyklischen Sektoren und höherer Energiekosten unsere am wenigsten bevorzugte Region.

Anleihenstrategie

Die globalen Staatsanleihemärkte verzeichnen einen synchronisierten Renditeanstieg, der die Zinsen am ultralangen Ende der Kurve im Zuge einer weltweiten Neubewertung von Laufzeitrisiken auf Mehrjahreshöchststände getrieben hat. Neben dem geopolitischen Ölpreisschock belasten eine chronisch expansive Fiskalpolitik und die eingeschränkte Visibilität der Zentralbanken infolge einer fehlenden Forward Guidance die Kurvenstrukturen. Was die beiden grossen Wirtschaftsräume fundamental unterscheidet, sind die Wachstumsaussichten: Während die US-Konjunktur robust bleibt und damit die Renditen am langen Ende stützt, mehren sich in Europa rezessive Signale. Für 10-jährige US-Treasuries bleibt das Potenzial für tiefere Zinsen mittelfristig daher limitiert. Aufgrund der hohen binären Unsicherheit im Nahostkonflikt zwischen Diplomatie und Eskalation wird die neutrale Durationspositionierung konsequent beibehalten. Ein klares Signal für eine Durationsveränderung ist zum aktuellen Zeitpunkt weder aus den Inflationserwartungen noch aus dem diplomatischen Prozess erkennbar.

Währungsstrategie

Der Devisenausblick deutet mittelfristig weiterhin auf eine moderate Abschwächung des US-Dollars hin, auch wenn die kurzfristigen Kursbewegungen aufgrund der Spannungen im Nahen Osten, der Energiepreise und der Unsicherheit hinsichtlich des globalen Wachstums volatil bleiben dürften. EUR/USD bleibt konstruktiv, wobei der Dollar voraussichtlich an Unterstützung verlieren wird, da sich der Zinsvorteil der USA verringert, während sich der Yen nur allmählich erholen dürfte, da die japanischen Behörden weiterhin darauf bedacht sind, eine übermässige Schwäche zu begrenzen. 

Alternative Anlagen

Gold bleibt im aktuellen Umfeld das bevorzugte Edelmetall, da der Ausverkauf offenbar hauptsächlich durch Liquiditätsdruck, Schuldenabbau und Positionsanpassungen getrieben war und nicht durch eine Verschlechterung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten. Die Nachfrage ist stabil geblieben, gestützt durch starke Käufe von Barren und Münzen, anhaltende Zentralkaufkäufe und die fortschreitende Diversifizierung der Reserven, auch wenn die Nachfrage nach Schmuck nachgelassen hat. Im Gegensatz dazu bietet Silber weiterhin Aufwärtspotenzial, doch seine stärkere Abhängigkeit von der industriellen Nachfrage und die höhere Volatilität sorgen für ein ausgeglicheneres Risiko-Ertrags-Verhältnis, was eine "Neutrale" Haltung rechtfertigt.