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Anlagestrategien

Haben digitale Vermögenswerte den Durchbruch geschafft?

Einst belächelt, gehören Kryptowährungen heute zum Instrumentarium der Vermögensanlage. Ist jetzt der Moment gekommen, in dem selbst skeptische Anlegerinnen und Anleger digitale Vermögenswerte neu beurteilen sollten?

  • von Nicolas Cohen-Addad, Head Investment Solutions APAC & Head Portfolio Management, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 4 Minuten

Volatil, unkonventionell - und zunehmend vertrauenswürdig: Digitale Vermögenswerte fordern ein Umdenken, so Nicolas Cohen-Addad von LGT Private Banking. © stock/primeimages

Zusammenfassung

  • Digitale Vermögenswerte gelten zunehmend als Bestandteil der Vermögensallokation, auch wenn sie keine laufenden Erträge generieren
  • Neue regulatorische Rahmenbedingungen und institutionelle Nachfrage haben dazu beigetragen, sie im Finanzmainstream zu verankern
  • Trotz reduzierter Schwankungen bleibt ihre Volatilität ein zentrales Risiko
  • Eine kleine Beimischung kann die Diversifikation verbessern - ist jedoch nicht für jedes Risikoprofil geeignet

Im Mai 2025 erreichte die Marktkapitalisierung von Bitcoin, der bekanntesten digitalen Währung, einen neuen Meilenstein von USD 2 Billionen. Zur Einordnung: Der gesamte Bestand an physischem US-Bargeld, der heute im Umlauf ist, beläuft sich ebenfalls auf rund USD 2 Billionen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Bitcoin - den wir hier stellvertretend für alle Kryptowährungen betrachten - und der US-Dollar austauschbar sind. Alltägliche Ausgaben von Haushalten, Unternehmen und staatlichen Stellen in den USA werden weiterhin in US-Dollars und nicht in Bitcoins getätigt. Doch jede Währung erfüllt Funktionen, die über die reine Zahlungsmittelfunktion hinausgehen.

Daher stellt sich die Frage: Sind Bitcoin und andere digitale Währungen auch ein gutes Mittel für den Werterhalt? Und kann Bitcoin als Anlage in Portfolios eingesetzt werden, um bessere Renditen zu erzielen und gleichzeitig die Portfolio-Volatilität zu reduzieren?

Im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen

Obwohl Bitcoin die erste Kryptowährung war, ist er im Vergleich zu globalen Währungen ein relativer Neuling. Dennoch sind wir der Ansicht, dass Bitcoin zunehmend ein legitimes Mittel zur Wertaufbewahrung darstellt, das in der Vermögensallokation berücksichtigt werden kann - und sollte.

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Natürlich gibt es zahlreiche Einschränkungen. Bitcoin und andere Kryptoanlagen eignen sich nicht für jede Anlegerin oder jeden Anleger, und ihre Berücksichtigung hängt stets von der Risikotoleranz innerhalb eines diversifizierten Portfolios ab.

Eine wertschöpfende Anlage kann sehr unterschiedlich aussehen. Der Einfachheit halber unterteilen wir alle Vermögenswerte in zwei Gruppen: solche, die Cashflows in Form von Dividenden oder Zinszahlungen generieren, und solche, die dies nicht tun. Bitcoin, physische Währungen und Gold werfen keine laufenden Erträge ab, während Anleihen und Aktien solche Erträge bieten können.

Der "Fair Value" von Bitcoin

In der Anlage-Analyse werden etablierte mathematische Modelle genutzt, um den theoretisch fairen Wert ("Fair Value") von Vermögenswerten mit laufenden Erträgen zu bestimmen. Bei Anlagen ohne Ertragskomponente ist dies deutlich schwieriger. Zwar sind Fair-Value-Berechnungen oft umstritten, dennoch dienen sie als Orientierung zur Bestimmung des Vermögenswerts - und damit als Basis für die Etablierung eines Mittels zur Wertaufbewahrung.

Volatil, unkonventionell - und doch nicht mehr zu ignorieren

Unserer Ansicht nach erfüllt Bitcoin zunehmend die Kriterien eines solchen Wertaufbewahrungsmittels. Dieser Wandel vollzieht sich erst seit Kurzem und ist auf neue gesetzliche Regelwerke in wichtigen Finanzmärkten wie den USA zurückzuführen. Sie haben dazu beigetragen, Bitcoin aus dem Schatten herauszuführen und stärker im Mainstream zu verankern.

Nicolas Cohen-Addad, Head Investment Solutions APAC & Head Portfolio, LGT Private Banking

Nicolas Cohen-Addad

Nicolas Cohen-Addad ist Regionalleiter von Global Investment Solutions (GIS) im asiatisch-pazifischen Raum für LGT Private Banking. In dieser Funktion ist er für die Anlageberatung von Kunden im asiatisch-pazifischen Raum zuständig. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Handel mit Aktienderivaten, im Risikomanagement und in der Vermögensstrukturierung in Asien. Nicolas Cohen-Addad ist Mitglied des vierköpfigen GIS-Führungsteams.

Gleichzeitig sollten sich Anlegerinnen und Anleger der starken historischen Volatilität von Bitcoin bewusst sein - namentlich sah Bitcoin bereits Verluste von der Grösse des vorherigen Höchststands. In jüngerer Zeit haben sich diese Schwankungen jedoch verringert, was Bitcoin als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios attraktiver machen könnte. Ein Grund dafür dürfte der Markteintritt grösserer institutioneller Investoren sowie die Einführung börsengehandelter Fonds (ETFs) auf Bitcoin sein, die den Zugang zu dieser Anlageklasse erleichtern.

Würze im Portfolio

Es ist zudem bemerkenswert, dass Bitcoin inzwischen ausreichend verbreitet ist, um in klassischen Portfolio-Analysen berücksichtigt zu werden. Eine entsprechende Studie kam zu dem Ergebnis, dass bereits eine geringe Beimischung von Bitcoin die Rendite eines diversifizierten Portfolios erhöhen kann.

Digitale Vermögenswerte wie Bitcoin werden in absehbarer Zeit kaum das Rückgrat von Portfolios bilden. Dennoch entwickelt sich diese Anlageklasse rasant und könnte Investorinnen und Investoren mit entsprechender Risikoneigung interessante Chancen eröffnen.

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