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Market View & Insights
Von klassischer Philanthropie bis zu Transition Investing: Wie Anlegerinnen und Anleger finanzielle Ziele zunehmend mit gesellschaftlicher und ökologischer Wirkung verbinden. Eine Übersicht.
Anlegerinnen und Anleger, die nach Möglichkeiten suchen, ihre Investments mit ihren Werten zu vereinen, haben die Qual der Wahl: Vor uns entfaltet sich ein reichhaltiges Spektrum an Ansätzen, die Elemente konventioneller Wohltätigkeit und traditioneller wirtschaftlicher Anlagen miteinander verbinden. Doch wo beginnen?
Vor dem Hintergrund zahlreicher, sich oft überlappender möglicher Strategien lassen sich vier breit gefächerte Ansätze skizzieren - jeder mit einer individuellen Struktur und eigenen Zielen.
Die klassische Form umfangreicher Spenden für wohltätige Zwecke war schon immer zentraler Bestandteil der Leben wohlhabender Menschen, von den alten Griechen bis hin zu den modernen Geeks im Silicon Valley.
Sei es die Gates Foundation, welche die Verteilung von Impfstoffen in Ländern mit geringem Einkommen finanziert, der Wellcome Trust, der biomedizinische Forschung ohne absehbare kommerzielle Anwendung unterstützt, oder ein Family Office, das für ein lokales Kunstzentrum oder die örtliche Tafel spendet - Philanthropie ist immer mit der Bereitstellung privater Ressourcen (Geld, Zeit, Know‑how, Vermögenswerte) ohne Erwartung einer finanziellen Rendite verbunden, um gesellschaftliche, ökologische, wissenschaftliche, kulturelle oder humanitäre Ziele zu fördern.
"Die meisten Philanthropinnen und Philanthropen bevorzugen es, greifbare, konkrete Dinge zu finanzieren - zum Beispiel Impfstoffe oder Stipendien -, statt sich für längerfristige, komplexere Anliegen wie die Stärkung des Gesundheits- oder Bildungssystems zu engagieren", erklärt Silvia Bastante de Unverhau, Leiterin von LGT Philanthropy Advisory. Während traditionelle Wohltätigkeit immer ihren Platz haben wird, fördert ihr Team strategische und kooperative Philanthropie sowie längerfristige, systemorientierte Philanthropie.
Zur reinen Philanthropie gesellt sich eine wachsende Anzahl möglicher Alternativen.
Das Konzept der "Venture Philanthropy" (VP) fügt dem reinen Philanthropie-Modell eine Ebene an Komplexität - und potenziellen Vorteilen - hinzu. Der Begriff wurde erstmals 1969 von John D. Rockefeller III verwendet. Er gewann in den 1990er‑ und frühen 2000er-Jahren an Breite, als eine neue Generation von Geberinnen und Gebern nach kreativeren Methoden suchte, stets mit einem klaren Fokus auf der Wirkung.
"Wir vertreten eine bewusste Form der Philanthropie, die Venture-Capital-Grundsätze zur Erreichung sozialer Ziele anwendet, indem sie starke, skalierbare soziale Organisationen aufbaut", erklärt Oliver Karius, Gründer und Partner von LGT Venture Philanthropy seit beinahe 20 Jahren.
Im Kern ist VP nicht auf einzelne Projekte, sondern auf Organisationen ausgerichtet, sodass diese anstelle von passiven Fördermitteln von einer aktiven, engagierten Investition profitieren und auf diese Weise erfolgversprechenden Organisationen geholfen werden kann, ihre Wirkung spürbar auszuweiten. Finanzielle Renditen stehen an zweiter Stelle gegenüber dem Hauptziel, positive Veränderungen zu bewirken.
"Der Vorteil, nicht auf finanzielle Renditen angewiesen zu sein, liegt darin, das grösstmögliche Risiko eingehen zu können, um die höchstmögliche Wirkung zu erzielen", fügt Karius hinzu. "Das ermöglicht uns, Dinge zu tun, die geläufige Anlagen - oder sogar Impact Investing - nicht leisten können." Venture-Philanthropinnen und -Philanthropen können langfristig denken und beispielsweise junge Organisationen ohne bewährte Geschäftsmodelle unterstützen, die es sonst schwer hätten, finanzielle Unterstützung von Regierungen oder anderen Investoren zu erhalten.
Karius beschreibt, wie LGT VP Portfolio-Organisation Educate Girls, eine 2007 in Indien gegründete Non‑Profit‑Organisation, langfristig unterstützt, als ein klassisches Beispiel für nachhaltige VP. Erste Fördermittel in Höhe von USD 250’000 im Jahr 2011 waren nur der Auftakt einer Partnerschaft, die seither mehr als USD 8.5 Millionen aktive Unterstützung umfasst und zu einem starken Anstieg der Zahl der Mädchen in den Zielregionen geführt hat, die eine Schule besuchen (von 3000 auf mehr als 360’000 Mädchen).
Seit der Partnerschaft mit LGT VP hat Educate Girls 1.56 Millionen nicht eingeschulte Mädchen für den Schulbesuch eingeschrieben, die Lernergebnisse von über 2.2 Millionen Kindern verbessert und erreicht inzwischen 40 % der schulpflichtigen, aber nicht eingeschulten Mädchen in Indien. Die neue "Strategie 3.0" zielt darauf ab, in den nächsten zehn Jahren 11.6 Millionen Mädchen zu erreichen. Im Jahr 2025 war Educate Girls die erste indische Organisation, die den Ramon-Magsaysay-Preis erhielt, Asiens renommierteste Auszeichnung. Der Preis würdigt aussergewöhnliche Integrität und transformative Führung und wird oft als "asiatischer Nobelpreis" bezeichnet.
Zweifellos erfordert VP von beiden Seiten ein starkes Engagement, ebenso wie einen hohen Zeitaufwand, Expertise und entsprechende personelle Kapazitäten. Das Resultat ist ein deutlich höherer Nutzen für das investierte Kapital, und laut Oliver Karius gibt es aktuell verstärkte Bemühungen, die Auswirkungen solcher Investitionen zu messen und zu verifizieren. Venture-Philanthropinnen und -Philanthropen agieren zudem zunehmend gemeinsam und bündeln ihre Expertise in VP-Kollektiven, um die soziale Rendite zu maximieren.
Impact Investing ist, wenn sich ein positiver sozialer oder ökologischer Nutzen zur finanziellen Rendite gesellt. Oder, wie es die Rockefeller Foundation 2007 definierte: Beim Impact Investing geht es darum, "eine gewinnorientierte Investition zu nutzen, um sozialen und ökologischen Nutzen für die Gesellschaft zu generieren".
Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Private-Equity-Fonds in netzunabhängige Solarunternehmen investiert, die Haushalte in den Subsahara-Ländern Afrikas versorgen, und sowohl den Zugang der Haushalte zu Energie als auch finanzielle Renditen anstrebt. Oder wenn eine von einer multinationalen Bank begebene grüne Anleihe, die an Projekte im Bereich erneuerbare Energien geknüpft ist "ring-fenced"), Anlegerinnen und Anlegern neben der nachweisbaren CO2-Reduktion auch eine feste Rendite bietet.
"Ökologische, gesellschaftliche und finanzielle Renditen können sich gegenseitig verstärken", sagt Fil Lekkas, Head Investment bei der LGT Partnerfirma Lightrock. "Unternehmen, die entscheidende Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen von Firmen und Gemeinschaften bereitstellen, sind zumeist führend in ökologischen und sozialen Leistungen, ziehen qualifiziertere Talente an, profitieren von einer höheren Kundenbindung und gewinnen resilienteres Kapital. All dies trägt zu einer langfristigen Wertschöpfung bei."
Lekkas erklärt, dass klimabezogene Investitionen stark zunehmen, wobei sie typischerweise entweder auf eine Minderung (Reduzierung der Treiber des Klimawandels) oder eine Anpassung (an bereits eintretende Veränderungen) abzielen, sogenannte "Climate Adaption" oder "Klima-Anpassung". "Beide sind wichtig, aber Investitionen, die sich auf Anpassung beziehen, sind nach wie vor deutlich unterfinanziert", sagt er.
Als Beispiel für die Bemühungen, diese Lücke zu schliessen, investiert Lightrock in AiDash, das Satelliten-Geodaten und Wetterüberwachungssysteme bereitstellt, um die Auswirkungen von Waldbränden und extremen Wetterereignissen auf kritische Infrastrukturen zu verringern.
Das Modell erwirtschaftet Renditen und kann mehr Türen öffnen als andere; zugleich bietet es einen Anreiz für grössere Innovationen, insbesondere im Bereich technologischer Lösungen. Es ist jedoch auch mit Herausforderungen verbunden, darunter die Notwendigkeit, die Wirkung genau zu messen, um den wiederholten Vorwurf - in diesem Fall - des "Impact Washing" zu vermeiden.
Die jüngste und zugleich pragmatischste Ergänzung im Werkzeugkasten des nachhaltigen Investierens umfasst Strategien, die gezielt darauf ausgelegt sind, die Umwandlung von CO2-intensiven oder anderweitig nicht nachhaltigen Branchen in CO2-arme Alternativen voranzutreiben.
"Unser Hauptfokus liegt auf der Richtung, in die sich eine Firma bewegt", erklärt Lekkas. "Das Unternehmen, in das investiert wird, muss nicht bereits "grün sein" oder positive Auswirkungen erzielen, es muss sich aber glaubwürdig und messbar in diese Richtung bewegen. Anlegerinnen und Anleger setzen Kapital ein, um diese Entwicklung zu ermöglichen und zu beschleunigen und gleichzeitig eine finanzielle Rendite zu generieren." Wie beim Impact Investing bleibt die Messung und Verifizierung der Auswirkungen (des "Impact") eine Herausforderung.
Lightrock ist zwar selbst kein "Transition Investor", jedoch unterstützen viele der Portfoliounternehmen andere Unternehmen dabei, den Wechsel zu einer CO2-armen Wirtschaft zu vollziehen. So ist Lightrock beispielsweise ein bedeutender Anleger in Liqid, einen Hersteller von Hard- und Software, der seinen Blue‑Chip‑Kunden ermöglicht, den Wasser- und Energieverbrauch ihrer Rechenzentren mithilfe seiner Produkte zu senken.
Weitere Beispiele könnten Vermögensanlagen in Massnahmen zur Dekarbonisierung von Industrien umfassen, in denen sich diese nur schwer durchsetzen lässt und die zusammen den Hauptanteil der globalen Emissionen ausmachen, jedoch nicht über Nacht durch saubere Alternativen ersetzt werden können. Ein Staatsfonds könnte beispielsweise in ein Zementunternehmen investieren, das über einen glaubwürdigen Netto-null-Transitionsplan verfügt, der verbindliche Investitionen in die CO₂‑Abscheidung vorsieht.
Auch zukunftsorientierte Unternehmen - einschliesslich Start-ups - in Luftfahrt, Schifffahrt und Bergbau könnten von Anlegerinnen und Anlegern im Bereich Transition Investments ins Visier genommen werden. Thomas Hassl, Senior Portfolio Manager bei der LGT, ergänzt: "Ohne Aluminium oder Kupfer gäbe es keine Solar- oder Windkraftbranche. Daher können diese Unternehmen in einem Transition-Portfolio enthalten sein. Ja, sie erhöhen zwar die Basisemissionen und den Wasser-Fussabdruck des Portfolios - doch versierte Transition-Investoren müssen die Lieferkette und die Unternehmen betrachten, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeits-Zielen notwendig sind. Wir bei der LGT wissen, dass der Wandel ohne diese Unternehmen nicht möglich ist."
Die anspruchsvollsten Akteure der neuen Philanthropie könnten all diese Ansätze kombinieren: Sie verbinden Spenden mit Impact-Investitionen, nutzen Venture Philanthropy für den Abbau von Risiken in Organisationen, bevor diese kommerzielles Kapital anziehen, und mithilfe von Transition Investments den Wandel in den besonders anspruchsvollen Sektoren vorantreiben. Silvia Bastante de Unverhau, Leiterin von LGT Philanthropy Advisory, erklärt: "Alle Arten der Finanzierung spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Herausforderungen in verschiedenen Bereichen - man kann nicht alle Probleme ausschliesslich mit einem einzigen Finanzierungsansatz lösen."
Ein wiederkehrendes Thema, das Karius nach fast 20 Jahren in dieser Branche beobachtet hat, ist ein sich wandelndes Anlegerverhalten. Anlegerinnen und Anleger stellen zunehmend die Wirkung über das gesellschaftliche Ansehen, das traditionell mit klassischer Philanthropie verbunden ist. Er ergänzt: "Die jüngeren Generationen sind zudem technisch versierter und experimentieren im gesamten Spektrum, um Wirkung zu erzielen."