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Aktien steigen in der erneuten Hoffnung auf einen Waffenstillstand

Die Aktienmärkte in der Asien-Pazifik-Region und an der Wall Street legten zu, gestützt von der Aussicht auf einen möglichen Waffenstillstand im Iran-Konflikt. Medienberichten zufolge erwägt US-Präsident Trump, den Krieg im Iran zu beenden, ohne die Strasse von Hormus vollständig wieder zu öffnen. Die mögliche Deeskalation folgt auf die faktische Schliessung der zentralen Ölschifffahrtsroute, die den Brent-Ölpreis von rund USD 70 auf fast USD 115 je Barrel nach oben getrieben hat. In der Folge stiegen die Benzinpreise in den USA auf über USD 4 pro Gallone, was weltweit neue Inflationssorgen schürt.

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  • Autor Alessandro Fezzi, Content & Publications
  • Lesezeit 5 Minuten

Mittlerer Osten Finanzmärkte
© Shutterstock

Die Börsen in der Asien-Pazifik-Region legten am Mittwoch kräftig zu, nachdem Äusserungen von US-Präsident Donald Trump und Berichte über eine mögliche Bereitschaft Irans zur Beendigung des Kriegs die Risikobereitschaft der Anlegerinnen und Anleger angefacht hatten. In Südkorea führte der Kospi die Kursgewinne in der Region an und kletterte um 8.9%, nachdem die südkoreanischen Exporte im März im Jahresvergleich um 48.3% gestiegen waren – nach einem geringeren Zuwachs im Vorjahr. Der technologielastige Kosdaq gewann 5.4%. Der japanische Nikkei 225 stieg um 4.9%, der breiter gefasste Topix legte um 3.8% zu. Die Tankan-Umfrage der Bank of Japan für das erste Quartal zeigte, dass sich die Stimmung unter den grossen Herstellern auf 17 nach 15 Punkten verbessert hat – den höchsten Stand seit Ende 2021 –, während die Stimmung bei den grossen Dienstleistern mit 36 Punkten robust blieb. Der Hang Seng Index in Hongkong legte um 2.2% zu, der CSI 300 auf dem chinesischen Festland gewann 1.5%, obwohl der privat erhobene Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Februar auf 50.8 nach 52.1 im Januar zurückging. Der australische S&P/ASX 200 und Indiens Nifty 50 schlossen ebenfalls im Plus.

US-Aktien legen deutlich zu

Die US-Börsen setzten ihren Erholungskurs am Dienstag fort, gestützt von der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs und einem geringeren Ölpreis, was die jüngsten Inflationssorgen etwas dämpfte. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 2.5% auf 46'341.51 Punkte und verzeichnete damit den stärksten Tagesgewinn seit einer Rally im Mai des vergangenen Jahres. Damit entfernte sich der Leitindex weiter von der psychologisch wichtigen Marke von 45'000 Punkten, auch wenn der Dow den Monat dennoch mit einem Minus von 5.4% beschloss – dem höchsten Monatsverlust seit September 2022. Der breit gefasste S&P 500 legte um 2.9% auf 6528.52 Punkte zu, während der technologielastige Nasdaq 100 um 3.4% auf 23'740.19 Punkte kletterte, unterstützt von kräftigen Kursgewinnen ausgewählter Pharma-, Biotech- und Chippapiere.

Der S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex verzeichnete im Februar einen Preisanstieg von 1.2% in den 20 grössten US-Metropolregionen, nach 1.4% im Vormonat und unter den Erwartungen von 1.4%. Der geringere Zuwachs deutet auf eine leichte Abkühlung des US-Immobilienmarkts hin.

Inflation in der Eurozone steigt wegen Ölpreisschub

Die Verbraucherpreisinflation im Eurogebiet ist im März von 1.9% auf 2.5% gestiegen und liegt damit über dem Inflationsziel der EZB von 2%. Die Teuerung wurde von einem Anstieg der Energiekosten um 4.9% angetrieben. Hintergrund sind Öl- und Gaspreise, die sich im Zuge des Iran-Kriegs nahezu verdoppelt haben. Dennoch fiel der Anstieg etwas geringer aus als von Ökonominnen und Ökonomen erwartet. Die Kernteuerung ohne Energie und Nahrungsmittel ging von 2.4% auf 2.3% zurück, die Dienstleistungsinflation sank von 3.4% auf 3.2%. An den Märkten ist derzeit umstritten, ob die EZB den möglicherweise vorübergehenden Angebotsschock ignorieren oder die Zinsen anheben soll, um zu verhindern, dass höhere Energiekosten in Löhne und die allgemeine Preisbildung durchschlagen. EZB-Präsidentin Lagarde und Bundesbankchef Nagel haben signalisiert, dass sie im Falle sogenannter Zweitrundeneffekte bereit wären zu handeln. Die Märkte preisen derzeit drei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein, wobei der erste Schritt entweder im April oder im Juni erwartet wird.

Deutsche Forschungsinstitute senken Wachstumsprognosen

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf 0.6% für 2026 und 0.9% für 2027 gesenkt, nach zuvor 1.3% beziehungsweise 1.4%. Zur Begründung verweisen sie auf die Belastungen durch den Iran-Krieg. Für die Inflation in Deutschland erwarten die Institute nun jeweils 2.8% in den Jahren 2026 und 2027, nach bisherigen Schätzungen von 2.0% und 2.3%. Höhere Energiepreise dürften sich zunehmend in den Verbraucherpreisen niederschlagen; die Gesamtinflation lag im März bereits bei 2.8%.

Einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts zufolge rechnen 90% der deutschen Industrieunternehmen damit, dass der Iran-Konflikt ihr Geschäft belasten wird. Dies unterstreicht die fragile Verfassung der grössten Volkswirtschaft Europas.

Europäische Aktien setzen vorsichtige Erholung fort

Die wichtigsten europäischen Börsenindizes setzten ihre Erholung am Dienstag verhalten fort. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs half den Märkten, sich ein Stück weit von den jüngsten Verlusten zu lösen, auch wenn die Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen hoher Energiepreise weiter präsent blieben. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone stieg um 0.5% auf 5569.73 Punkte, schloss den Monat jedoch mit einem Minus von 9.3% ab – dem stärksten Rückgang seit März 2020, als die Corona-Pandemie einen massiven Ausverkauf ausgelöst hatte. Der Schweizer Leitindex SMI gewann 0.9% auf 12'776.79 Punkte.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG