LGT Navigator

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Ölpreise setzten zu Wochenbeginn ihre Aufwärtsbewegung fort, angetrieben durch den Konflikt im Golf und die Sorge, dass eine anhaltende Störung in der Strasse von Hormus die Versorgung längerfristig beeinträchtigen könnte, während die Aktienmärkte in der Defensive blieben. Anlegerinnen und Anleger bewerteten Äusserungen von US-Präsident Trump, wonach Washington mit einem "vernünftigeren Regime" im Iran über ein Kriegsende verhandelt, er zugleich aber erneut damit drohte, die iranische Energie-Infrastruktur anzugreifen, falls die wichtige Schifffahrtsroute geschlossen bleibt. Unterdessen betonte Fed-Chef Jerome Powell, dass die letztendlichen wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs äusserst unvorhersehbar seien.

  • Datum
  • Autor Alessandro Fezzi, Content & Publications
  • Lesezeit 5 Minuten

Investor
© Shutterstock

Die Aktienmärkte im Asien-Pazifik-Raum zeigten sich am Dienstag volatil, nachdem die Ölpreise nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder nachgaben. Auslöser war ein Bericht, wonach US-Präsident Trump bereit sein soll, die Militäroperationen gegen den Iran zu beenden, selbst wenn die Strasse von Hormus weitgehend geschlossen bleibt. Die West Texas Intermediate (WTI) Futures zur Lieferung im Mai gaben um 0.7% nach, während die Brent-Futures für Mai nach vorherigen Gewinnen um 1% fielen, was die Sorge vor einem energiegetriebenen Inflationsschub etwas dämpfte. Der Konflikt mit dem Iran geht mittlerweile in die fünfte Woche und Analystinnen und Analysten verweisen darauf, dass Washington zunehmend bestrebt scheint, die Dauer des Kriegs zu begrenzen, während Teheran den asymmetrischen Druck aufrechterhält. Die Kursbewegungen an den Aktienmärkten spiegelten die Unsicherheit wider: Südkoreas Kospi fiel um 2.2%, der japanische Nikkei 225 verlor 0.1%, der Hang Seng Index in Hongkong gab 0.3% nach, während der australische S&P/ASX 200 um 0.9% zulegte.

US-Aktien durch Iran-Sorgen belastet

Die US-Börsen beendeten den Handel am Montag in einem von Schwankungen geprägten Umfeld uneinheitlich: Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 0.8% auf 22'953.38 Punkte, der breite S&P 500 gab um 0.4% auf 6343.72 Punkte nach, während der Dow Jones Industrial Average um 0.1% auf 45'216.14 Punkte zulegte, nachdem er im Tagesverlauf den tiefsten Stand seit September des Vorjahres markiert hatte. Die Stimmung blieb fragil, nachdem Präsident Trump erklärt hatte, die USA führten "ernsthafte Gespräche" mit einer von ihm als moderater bezeichneten iranischen Regierung über ein Ende der Militäroperation, zugleich jedoch massive Angriffe auf die Energie-Infrastruktur des Landes androhte, falls keine Einigung über ein Ende der Kämpfe und die Wiederöffnung der Strasse von Hormus erzielt werde.

Powell signalisiert Geduld angesichts Iran-Schock

US-Notenbankchef Jerome Powell erklärte am Montag, die US-Geldpolitik sei gut positioniert, um zunächst abzuwarten, wie sich der jüngste, mit dem Konflikt im Nahen Osten verbundene Ölpreisschub auf Inflation und Wachstum auswirkt. Powell bekräftigte, dass die Zinsinstrumente in erster Linie die Nachfrage beeinflussen und kurzfristig nur begrenzte Wirkung bei angebotsbedingten Energieschocks entfalten, und warnte, dass eine Straffung der Geldpolitik als Reaktion auf einen temporären Ölpreisanstieg die Konjunktur später unnötig belasten könnte. Die Fed hatte die Leitzinsen Anfang des Monats unverändert gelassen und ihre Prognose für mindestens eine Zinssenkung in diesem Jahr bestätigt, obwohl die jüngsten Projektionen von etwas höherer Kern-PCE-Inflation ausgehen und die Fed auf eine ungewöhnlich hohe Unsicherheit im Ausblick verwies. Powell betonte erneut, dass die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs äusserst unvorhersehbar seien; die Fed wisse noch nicht, ob der Schock letztlich stärker oder schwächer ausfallen werde als derzeit angenommen.

EZB-Vertreter dämpfen Erwartungen an schnelle Zinserhöhung

Mitglieder des EZB-Rats traten Spekulationen über eine rasche Zinserhöhung infolge des jüngsten Ölpreisschocks und höherer Inflation entgegen. Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau erklärte in einem am Montag veröffentlichten Interview, Markterwartungen an einen schnellen Zinsschritt seien verfrüht; die Anlegerinnen und Anleger hätten die jüngsten Entwicklungen überinterpretiert. Der Gouverneur der Banque de France betonte, die EZB sei bereit zu handeln, falls dies notwendig werde, um die Inflationserwartungen um ihr mittelfristiges Ziel von 2% verankert zu halten. Zuvor hatten einzelne Notenbankerinnen und Notenbanker die Möglichkeit eines schnellen Zinsschritts bereits an der Sitzung im April ins Spiel gebracht. Sowohl Villeroy als auch das Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel haben zuletzt jedoch einen vorsichtigeren Ton angeschlagen und gewarnt, die EZB dürfe ihre Reaktion auf den Iran-Krieg nicht übereilen. Schnabel sagte am Freitag in Zürich, die EZB habe Zeit, die eingehenden Daten zu prüfen und zu bewerten, ob der aktuelle Inflationsschock Gefahr laufe, sich in den Erwartungen und im Lohnwachstum zu verfestigen.

Stimmung in der Eurozone leidet unter Iran-Krieg

Das Wirtschaftsklima im Euroraum hat sich im März eingetrübt. Der von der Europäischen Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator fiel von 98.2 im Februar auf 96.6, wie am Montag veröffentlichte Daten zeigen. Der Rückgang war deutlicher als von Ökonominnen und Ökonomen erwartet und drückte den zusammengesetzten Indikator für Unternehmen und Haushalte weiter unter seinen langfristigen Durchschnitt von 100. Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Krieg im Iran die ohnehin fragile Stimmung bei Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbrauchern im Währungsraum zusätzlich belastet.

Schweizer KOF-Indikator signalisiert Wachstumsdelle

Die Schweizer Konjunkturaussichten haben sich im März deutlich eingetrübt. Der Konjunkturindikator KOF der ETH Zürich fiel um 7.7 Punkte auf 96.1. Der Indikator, der nach dem durch den Zollschock bedingten Rückgang im August und September des Vorjahres letztmals unter seinen langfristigen Durchschnitt von 100 gefallen war, unterschritt diese Schwelle erneut und überraschte Fachleute, die Werte zwischen 100 und 104 erwartet hatten. Die Abschwächung ist breit abgestützt: Sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Indikatorgruppen signalisieren eingetrübte Perspektiven, besonders ausgeprägt sind die Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe und bei den Komponenten zur Auslandsnachfrage. Als vorlaufender, auf einer breiten Datenbasis beruhender Sammelindikator, deutet das KOF-Barometer nun auf ein unterdurchschnittliches Schweizer Wachstum in der näheren Zukunft hin.

Unternehmens- und Wirtschaftskalender

Unternehmensnachrichten im Fokus: Es stehen heute keine wichtigen Unternehmensnachrichten an.

Konjunkturdaten im Fokus: Einkaufsmanagerindex China (03:30), Bruttoinlandsprodukt Grossbritannien (08:00), Detailhandelsumsätze Deutschland (08:00), Verbraucherpreisindex Frankreich (08:45), Arbeitslosenquote Deutschland (09:55), Verbraucherpreisindex Eurozone (11:00), Verbraucherpreisindex Italien (11:00), Bruttoinlandsprodukt Kanada (14:30), JOLTS-Arbeitsmarktbericht USA (16:00) und Conference Board Verbrauchervertrauen USA (16:00).

Treffen Sie fundierte Anlageentscheide mit LGT

Globale Markt- und Wirtschaftsentwicklungen auf einen Blick

Folgen Sie uns auch auf Facebook oder LinkedIn – oder besuchen Sie Insights und entdecken Sie spannende Hintergrundartikel. Bei Fragen steht Ihnen ein Berater der Bank gerne zur Verfügung.

Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG