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Market View & Insights
Handelskonflikte und ein langanhaltender Regierungs-Shutdown haben die jüngsten US-Konjunkturdaten verzerrt. Im kommenden Jahr könnte sich das reale BIP-Wachstum in den USA beschleunigen, ein mögliches Signal für den Beginn eines neuen Konjunkturzyklus. Gründe dafür sind das Abklingen der Zollturbulenzen, breiter gefächerte Investitionen und eine Lockerung der Geldpolitik.
Die jüngste Abschwächung der US-Wirtschaft sollte nicht als nachhaltige Trendwende missverstanden werden. Das Wachstum hat sich parallel zu den Wintertemperaturen abgekühlt - bedingt durch den Regierungs-Shutdown, bis anhin restriktive Zinsen und den anhaltenden Fokus auf Handelskonflikte. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass es sich hierbei nicht um den Beginn eines längerfristigen Trends handelt, sondern um einen vorübergehenden Rückschlag.
Wir erwarten, dass sich das reale BIP-Wachstum der USA von 1.7 % im vierten Quartal 2025 auf 2.1 % im gleichen Zeitraum 2026 beschleunigt. Gestützt wird diese Entwicklung durch steigende Investitionen, nachlassende Zollängste sowie potenzielle Konjunkturhilfen für Konsumentinnen und Konsumenten. Diese Faktoren dürften das Ausgabeverhalten von Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten anregen. Gleichzeitig werden Zölle die Güterpreise erhöht halten und - zusammen mit einer nur langsam nachlassenden Dienstleistungsinflation - den Konsumentenpreisindex das ganze Jahr über oberhalb von 2.5 % halten.
Trotz einer Inflation oberhalb des Zielwerts der US-Notenbank (Fed) von 2 % wird die Geldpolitik zwangsläufig lockerer werden. Die Führung der Fed wird sich ändern, wenn Jerome Powells Amtszeit als Vorsitzender im Mai 2026 endet. Wir gehen davon aus, dass die Fed dabei weitgehend unabhängig bleiben wird - und trotz des Drucks seitens des Weissen Hauses, die Zinsen zu senken, hierbei umsichtig vorgehen wird.
Viele Gegensätze, aber eine klare Richtung.
Der Offenmarktausschuss (FOMC), der über die Leitzinsen entscheidet, dürfte ein Zinsniveau anstreben, das er als umsichtig erachtet, das jedoch wahrscheinlich etwas niedriger sein wird, als es die wirtschaftlichen Bedingungen rechtfertigen würden. Dies birgt das Risiko einer Überstimulierung der Wirtschaft.
Am langen Ende der Zinskurve dürften hohe US-Haushaltsdefizite die Laufzeitprämie erhöhen, während das im Dezember beendete quantitative Tightening insgesamt auf strukturell tiefere Renditen hindeutet.
Tina Jessop ist Senior Economist im Makroökonomie-Team bei LGT Private Banking. Dort ist sie mitverantwortlich für den globalen Wirtschaftsausblick der Privatbank. Ihr Fokus liegt vor allem auf zyklischen und strukturellen wirtschaftlichen Trends und Veränderungen in den USA, im Euroraum und in der Schweiz. Dabei verbindet sie makroökonomische und geldpolitische Sichtweisen mit Entwicklungen auf der Mikroebene.
Auch die Kreditmärkte spiegeln gegenläufige Kräfte wider. Attraktive Gesamtrenditen stützen die Nachfrage. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass sich die derzeit sehr engen Risikoprämien etwas ausweiten, da der Ausbau der KI-Infrastruktur, wiederbelebte M&A-Aktivitäten und ein Rekordangebot an US-Staatsanleihen den Wettbewerb um Kapital verschärfen. Abseits der Mega-Caps im Technologiesektor bevorzugen wir qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen und legen bei schwächeren Bonitäten grösseren Wert auf Liquidität.
Die Weltwirtschaft befindet sich im Übergang zu einer neuen globalen Ordnung. Was sind die Folgen für Anlegerinnen und Anleger? Finden Sie es heraus - in unserem Ausblick 2026.
Gleichzeitig setzen sinkende Wachstums- und Realzinsdifferenzen zu anderen Währungen den US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken unter Druck. Wir rechnen mit einem allmählichen Abwärtstrend des US-Dollar, mit erhöhter Volatilität im Vorfeld der Zwischenwahlen, da ausländische Anlegerinnen und Anleger ihre Währungsabsicherung erhöhen, während Netzwerkeffekte die Rolle des Greenback als Reservewährung weiterhin stützen.
Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,1 für den S&P 500 sind die Bewertungen hoch, und unter den Erwartungen liegende Gewinne könnten zu fallenden Aktienkursen führen. Analysten gehen übereinstimmend davon aus, dass der Gewinn pro Aktie (EPS) für den US-Aktienmarkt im Jahr 2026 bei 16 % liegen wird, getrieben durch einen Anstieg von 36 % im Technologiesektor. Die Investitionen in Software und Datenverarbeitungsgeräte - unser Indikator für Kapitalausgaben im Bereich KI und digitale Infrastruktur - steigen derzeit in gemässigterem Tempo als auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms im Jahr 2000.
Die realen Ausgaben für IT-Infrastruktur bleiben hoch, da die Nachfrage nach zusätzlichen Rechenzentren weiterhin gross ist. Sollten diese Investitionen in Produktivitätsgewinne münden, könnte sich die Dynamik des Technologiesektors auf den breiteren Aktienmarkt ausweiten. Eine Pause bei den Aufträgen für KI-Infrastruktur oder neue politische Schocks könnten die aktuell hohen Bewertungen jedoch rasch unter Druck setzen.
Zusätzlich dürften eine zunehmende konjunkturelle Dynamik, steigende Investitionen in die heimische Produktion durch Onshoring, Deregulierung sowie die im Rahmen des "One Big Beautiful Bill" in Kraft getretene Sonderabschreibung bestimmte Marktsegmente begünstigen: Für Industriewerte wird ein Gewinnwachstum von 15 % erwartet, während Gewinne von Versorgern, die selten von zweistelligen Wachstumsraten profitieren, um 11 % zulegen dürften.
Das wirtschaftliche Gesamtbild in den USA bleibt widersprüchlich. Der übergeordnete Ausblick ist jedoch klar: Eine besondere Kombination von Kräften dürfte dazu führen, dass sich die Wirtschaft nur kurzzeitig abschwächt, bevor sie wieder an Dynamik gewinnt.