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Unternehmertum

Nachfolgeplanung im Familienunternehmen: So gelingt die Kommunikation zwischen den Generationen

In vielen Familienunternehmen steht die Regelung der Nachfolge an. Was aber, wenn die Senior-Generation das Thema meidet? Wie kann sich die jüngere Generation erfolgreich Gehör verschaffen und Kommunikationsfehler vermeiden?

  • Datum
  • Lesezeit 7 Minuten

Über die Nachfolge zu reden, ist für viele Unternehmerfamilien eine Herausforderung: Was, wenn die Senior-Generation den eigenen Bedeutungsverlust befürchtet, während sich die Next Generation mehr Verantwortung wünscht? Wie gelingt das erste, durchdachte Gespräch? © Oliver Rossi/Getty Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Warum ist die Nachfolgeplanung im Familienunternehmen oft so schwierig? - Die latente Angst der Senior-Generation vor Bedeutungslosigkeit kann dazu führen, dass das Thema vermieden wird.
  • Wie sollte die Next Generation das Thema Nachfolgeplanung erstmals ansprechen? - Fachpersonen empfehlen, nicht mit konkreten Forderungen zur Unternehmensübergabe zu starten, sondern mit ehrlichem Lerninteresse.
  • Welche Fehler sollte die Next Generation bei der Unternehmensübergabe vermeiden? - Der häufigste Kardinalfehler ist ein zu forderndes Auftreten, bevor die Senior-Generation emotional abgeholt wurde.
  • Welches Setting eignet sich für das erste Gespräch zur Nachfolgeregelung? - Bewährt hat sich ein Hotel mit einem gemeinsamen Abendessen am Vorabend, zwei reservierten Gesprächstagen und einer vorherigen Ankündigung der Themen - damit sich beide Generationen in Ruhe vorbereiten können.
  • Wann ist ein externer Berater bei der Nachfolgeplanung sinnvoll? - Für das erste Gespräch ist ein neutraler Dritter nicht zwingend erforderlich. Im weiteren Verlauf des Generationenwechsels kann jedoch eine externe Person helfen, die Struktur zu wahren, Gesprächszeiten zu moderieren und zwischenmenschliche Dynamiken objektiv zu begleiten.

Wie leicht Gespräche über die Nachfolge aus dem Ruder laufen können, erlebt Dietmar Arzner, Head Wealth Planning & Strategic Solutions bei der LGT in Liechtenstein, immer wieder. Ein Fall ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: Ein Sohn und eine Tochter wollten nur das Beste für ihr Familienunternehmen - und Klarheit, was die Nachfolge betrifft. Beide hatten ihr Studium absolviert, waren Mitte 30, hatten bereits in den Familienbetrieb hineingeschnuppert und auch Berufserfahrung gesammelt. Nun äusserten sie gegenüber dem Vater ihren Wunsch, bald in die Geschäftsführung einzutreten - und dass Vermögenswerte samt Unternehmen schnell übertragen werden.

Doch der Vorstoss der nachrückenden Generation kam gar nicht gut an. Der Nachfolgeprozess wurde auf Eis gelegt. Zwar haben sich die beiden Generationen im Nachhinein noch gefunden, aber wertvolle Jahre gingen verloren.

Die Erfahrung zeigt: Gerade, wenn die jüngere Generation von sich aus die oft heiklen Themen Nachfolge und Übergabe anspricht, lauert Konfliktpotenzial: Die ältere Generation plagt oft eine latente, unausgesprochene Angst, loszulassen. © Oliver Rossi/Getty Images

"Eigentlich wollten beide Generationen genau dasselbe, aber es war ein typisches Kommunikationsproblem", sagt Arzner. Gerade wenn die jüngere Generation von sich aus die oft heiklen Themen Nachfolge und Übergabe anspreche, lauere Konfliktpotenzial. "In diesem Fall trat die jüngere Generation zu forcierend auf. Und die ältere Generation war noch nicht so weit, obwohl der Wunsch und sogar ein Plan existierte, die nächste Generation nach und nach heranzuführen und Geschäftsführung sowie Gesellschaftsanteile sukzessiv zu übergeben."

Allein in Deutschland steht zwischen 2024 und 2027 laut einer Umfrage der Stiftung Familienunternehmen fast in der Hälfte der Familienunternehmen eine Unternehmens- oder Anteilsübertragung an. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung werden derzeit jährlich Vermögen im Wert von rund EUR 400 Milliarden vererbt oder verschenkt.

Dietmar Arzner is co-Head of Wealth Planning & Strategic Solutions at LGT Bank in Liechtenstein

Dietmar Arzner

Dietmar Arzner ist Bereichsleiter und Co-Head Wealth Planning & Strategic Solutions der LGT Bank in Liechtenstein. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört die ganzheitliche Beratung wohlhabender Familien, Stiftungen und Family Offices auf den Gebieten der strategischen Vermögensstrukturierung, der Vermögensplanung sowie der Asset-Allokation.

Wenn die Nachfolgeplanung im Familienunternehmen scheitert

Und eigentlich wäre es die Aufgabe der älteren Generation, dies anzustossen - doch oft tut sie es nicht. Wenn Arzner solche Übergabeprozesse initiiert, stellt er immer wieder fest: "Gerade in Familienbetrieben existiert bei der Senior Generation oft eine latente, unausgesprochene Angst loszulassen, den Staffelstab zu übergeben." Beim Thema Nachfolge geht es eben nicht nur um Geschäftliches, sondern auch um Emotionales. Die abgebende Generation, für die das Unternehmen Lebensinhalt und oft identitätsstiftend ist, weicht der Nachfolge-Diskussion nicht selten aus. "Es ist die Angst vor der Bedeutungslosigkeit, weil man vielleicht keine bedeutende Rolle mehr im Familienunternehmen hat, wenn man frühzeitig die Zügel loslässt", sagt Arzner.

Wenn das Gespräch über die Nachfolge erst einmal erfolgreich eröffnet wurde, herrscht oft schon bald Klarheit über die nächsten Schritte. © Oliver Rossi/Getty Images

Aber auch auf Seiten der jüngeren Generation herrscht oft eine generelle Unsicherheit. "Die Next Generation fürchtet, dass ihr vorgeworfen wird, zu früh die Führung übernehmen zu wollen, zu ungeduldig, zu gierig zu sein oder in irgendeiner Weise respektlos", sagt Robert Rowland Smith, der als Advisor on Wealth Dynamics in Grossbritannien und weltweit Familienunternehmen beim Thema "Managing Human Dynamics" berät.

Das Nachfolge-Thema berühre nicht nur geschäftliche Aspekte, sondern auch existenzielle. "In einer Familie sind die Menschen nicht nur geschäftlich, sondern auch durch Blutsverwandtschaft miteinander verbunden. Wenn man seinen Eltern oder der nächsten Generation mitteilt, dass man bereit ist, die Nachfolge anzutreten, ist das so, als würde man sagen: Jetzt sind wir an der Reihe."

Rowland Smith hat erlebt, wie erste Nachfolge-Gespräche zu Verwerfungen in Familien geführt haben. Vor einigen Jahren arbeitete er für ein US-amerikanisches Familienunternehmen. Die Familie hatte das Nachfolgegespräch beim Abendessen begonnen - es endete in einem Familienkrach. Ein Jahr lang sprach man nicht mehr miteinander. Der Grund? "Das Gespräch wurde sehr ungeschickt und emotional geführt, was zu persönlichen Vorwürfen führte und alte Missstände aus der Familiengeschichte wieder hochkommen liess."

Generationenwechsel ansprechen: So eröffnet die Next Generation das Gespräch

Wenn die ältere Generation sich vor dem Thema Nachfolge drückt - wie kann die Next Generation den ersten Schritt machen, ohne dass sie gleich in Fettnäpfchen tritt?

"Signalisieren Sie der Senior Generation zunächst einmal, lernen zu wollen von deren Erfahrungen", rät Dietmar Arzner. Wie haben Eltern oder Verwandte es geschafft, das Unternehmen erfolgreich zu machen? Wie hat die ältere Generation in der Vergangenheit strategische Entscheidungen getroffen? "Äussern Sie nicht gleich den Wunsch, das Ruder übernehmen zu wollen, sondern gehen Sie über den Weg des Lernprozesses."

Wenn die ältere Generation das Thema Nachfolge meidet - wie kann die Next Generation den ersten Schritt machen? © Oliver Rossi/Getty Images

Gerade wenn die möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolger einst andere Interessen oder Berufswünsche geäussert oder zunächst einen anderen Studiengang gewählt haben, und der Wunsch erst später entstanden ist, doch im Familienunternehmen eingebunden zu werden, gilt es zu zeigen: Ich bin bereit, ich habe Interesse, nun langsam zu lernen, ich möchte eigene Impulse setzen und Erfahrungen weitergeben, ich bitte um eine Einschätzung zu eigenen Ideen. "Wenn die Senior Generation mitbekommt, dass ein wirkliches Interesse da ist, kann der Funke schnell überspringen."

Mit Sätzen zu starten wie: "Ich brauche jetzt Einsicht in die Geschäftszahlen und Konten, ich möchte eine aktive Rolle im Unternehmen haben, ich möchte Entscheidungen treffen und mitgestalten, meine Meinung ist eine ganz andere" - lieber nicht. "Fordernd zu sein, ohne die Senior Generation abzuholen, ist ein Kardinalfehler", warnt Dietmar Arzner.

Auch Robert Rowland Smith rät, behutsam vorzugehen. "Der erste Schritt sollte darin bestehen, zunächst einmal das Terrain zu erkunden und herauszufinden, wo die Menschen stehen: Welche unterschiedlichen Wünsche, Absichten und Motivationen haben die einzelnen Personen? Stellen Sie also zunächst Fragen, statt gleich Vorschläge zu machen oder gar Lösungen zu präsentieren."

Das richtige Setting für die erste Nachfolgeregelung: Das Familiengespräch

Doch welches Setting ist hilfreich für ein erstes Gespräch, bei dem man Erwartungen und Meinungen austauscht? "Ich würde es nicht unbedingt am Weihnachtstisch machen, weil man denkt, da ist die Familie ja sowieso zusammen und man könnte das nun mal angehen", sagt Arzner.

Beim Thema Nachfolge geht es nicht nur um Geschäftliches, sondern auch um Emotionales. © Oliver Rossi/Getty Images

Lieber eine Zeit nutzen, in der es auch im Betrieb etwas entspannter läuft. Ein sicheres, geschütztes Umfeld wählen - "nicht unbedingt in der Firma, nicht unbedingt zuhause, vielleicht in einem Hotel mit einem Essen am Abend vor den Gesprächen" rät er. Zwei Tage dafür reservieren und die Senior Generation vorher wissen lassen, was man besprechen möchte, so dass auch sie sich im Vorfeld Gedanken machen und sich vorbereiten kann. Auch hier gilt: "Ein Gespräch ankündigen mit dem Ansatz, dass man lernen möchte, ehrliches Interesse für die Zukunft signalisieren und bei dem Treffen auch mal Respekt bekunden und die Lebensleistung der Senior Gen anerkennen."

Für solch ein erstes Gespräch ist nicht unbedingt gleich ein neutraler Dritter nötig. Doch eine externe Person ist im weiteren Verlauf manchmal sehr hilfreich: Das können Vertrauenspersonen sein, Fachpersonen von der Bank oder von anderen Beratungsinstituten, oder ein Moderator, der dem Gespräch Struktur gibt, auf Zeiten achtet oder darauf, dass eine Person nicht zu viel spricht und dass Wichtiges schriftlich festgehalten wird. "Es geht darum, dass diese Person als Mediator objektiv auf die Situation schaut und auch die zwischenmenschlichen Komponenten stark im Blick hat."

Wenn dann ein guter Anfang gemacht ist, herrscht oft schon Klarheit für die nächsten konkreten Nachfolge-Schritte - und Zufriedenheit bei beiden Generationen.

So gelingt der Next Generation das erste Gespräch über die Nachfolgeregelung:

  • Lernbereitschaft gegenüber der Senior-Generation signalisieren
  • Fragen über vergangene Entscheidungen und Unternehmensgeschichte stellen
  • Die Lebensleistung der vorherigen Generation ausdrücklich anerkennen
  • Interesse an der Zukunft zeigen, nicht an der sofortigen Übernahme

Diese Aussagen blockieren die Nachfolgeplanung:

  • "Ich brauche Einsicht in die Geschäftszahlen"
  • "Ich möchte eine aktive Rolle und Entscheidungen treffen"
  • "Ich möchte, dass Anteile schnell übertragen werden"

Vermögensplanung über Generationen hinweg

Von der Vermögensstrukturierung bis zur Nachfolgeplanung

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