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Market View & Insights
Die rasche Einführung neuer Technologien lässt China wirtschaftlich an seinen Wettbewerbern weltweit vorbeiziehen, während US-Zölle Gegenwind für die vielgerühmte integrierte Lieferkette erzeugen.
Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich gleichzeitig in zwei Richtungen. Im Jahr 2024 entfiel auf China ein beeindruckendes Drittel der weltweiten Automobilproduktion - mehr als 30 Millionen Fahrzeuge -, darunter etwa 7.7 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge. Das entspricht einer Verachtfachung gegenüber 2019. Diese breite Einführung neuer Technologien ist im gesamten Land sichtbar.
Gleichzeitig gehören die zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen zwei Jahrzehnte der Vergangenheit an. Ein nachhaltiges BIP-Wachstum von rund 5 % gilt heute als neue Normalität.
Chinas hellster Stern? Die Techbranche - und sie strahlt nach innen.
Tatsächlich beruhte Chinas integrierte Lieferkette - von der industriellen Fertigung bis zur Transport- und Schiffslogistik - auf einem breiten Netzwerk von Handelspartnern. Mit der Abkehr der Trump-Administration von dem nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangenen Bekenntnis zu Freihandel und Globalisierung geriet Chinas Exportsektor verstärkt unter Druck. Im Jahr 2024 machten Chinas Exporte in die USA knapp 15 % des gesamten Exportvolumens von USD 3.5 Billionen aus. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 gingen die US-Importe chinesischer Waren monatlich um rund 20 % zurück.
Diese Zahlen verdeutlichen die Auswirkungen der vom US-Staat verhängten Strafzölle. Gleichzeitig verfügt China über Alternativen. Europa ist mit einem Anteil von insgesamt 20 % Chinas wichtigster Handelspartner, während die Lieferungen in andere asiatische Länder zunehmen.
Die Weltwirtschaft befindet sich im Übergang zu einer neuen globalen Ordnung. Was sind die Folgen für Anlegerinnen und Anleger? Finden Sie es heraus - in unserem Ausblick 2026.
Wir erwarten, dass die USA und China den komplexen Dialog fortsetzen werden, was letztlich zu sinkenden Zöllen führen dürfte - allerdings nicht zu früheren Niveaus. Der Grund dafür liegt in Chinas Verhandlungsmacht, insbesondere bei Agrarimporten. US-Landwirte, die mehrheitlich republikanisch wählen, spüren die Folgen des chinesischen Importstopps für Sojabohnen seit dem vergangenen Jahr. Diese Spannung wirkt nach - zumal im November die Zwischenwahlen in den USA bevorstehen.
Während weiterhin über eine grundlegende Neubewertung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China diskutiert wird, bleibt der US-Konsumentenmarkt für China von zentraler Bedeutung. Umgekehrt sind die USA auf chinesische Lieferungen von Seltenen Erden, Hochleistungsmagneten und anderen Produkten angewiesen, für die es nur schwer alternative Anbieterinnen und Anbieter gibt.
Stefan Hofer ist Chief Investment Strategist für LGT Private Banking im asiatisch-pazifischen Raum. Er ist für die Kommunikation der globalen Wirtschafts- und Marktaussichten verantwortlich und hilft bei der Festlegung von übergeordneten Anlagestrategien und -themen. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Bereich Investment und Vermögensverwaltung.
Aus Anlegersicht ist der dynamisch wachsende Technologiesektor der klare Lichtblick. Die grossen E-Commerce- und Internetunternehmen erzielen den Grossteil ihrer Erträge im Inland und zählen zu den innovativsten Unternehmen weltweit. Bei der Ausrichtung auf Technologieengagements sollten Aktienanlegerinnen und -anleger Sektoren wie den Immobilienbereich meiden, in denen Überkapazitäten und eingeschränkte Profitabilität weiterhin eine Herausforderung darstellen.
Auf dem Weg zu einer vollständig digitalen Volkswirtschaft mit einem weltweit wettbewerbsfähigen High-End-Industriesektor profitiert Indien von der erfolgreichen Umsetzung gross angelegter Infrastrukturprojekte. Begünstigt durch tiefgreifende Wirtschaftsreformen der Modi-Regierung werden Unternehmen und Haushalte mit grösserer Reichweite, Intensität und Geschwindigkeit miteinander vernetzt. Das Ergebnis ist eine deutlich zunehmende wirtschaftliche Aktivität.
Auch wenn Indien beim Pro-Kopf-Einkommen weiterhin hinter China zurückliegt, ist der wirtschaftliche Wandel in vollem Gange. In den vergangenen zehn Jahren verzeichneten beide Länder ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommenswachstum von rund 5 %. Indien hat in diesem Zeitraum jedoch die Zahl seiner Flughäfen mehr als verdoppelt, die Stromerzeugung um 50 % ausgeweitet und massiv in die Verkehrsinfrastruktur investiert. Zudem hat sich Indien zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz Chinas in der globalen Industrieproduktion entwickelt - unter anderem aufgrund deutlich niedrigerer Arbeitskosten.
Der Ausblick auf 2026 ist positiv. Die Inflation liegt im Zielband der Zentralbank, was Spielraum für Zinssenkungen und eine Belebung der Binnenkreditvergabe schafft. Darüber hinaus setzt die Regierung ein Fiskalstimulusprogramm in Höhe von rund 2 % des BIP um, das bis 2028 läuft und den privaten Konsum stützen soll. Nicht zuletzt verbessern sich die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Indien, wodurch ein potenzieller Belastungsfaktor für den indischen Arbeitsmarkt entfällt.