- Home
-
Private Banking
-
Market View & Insights
Wie Kunstsammlerinnen und Kunstsammler den Geschmack ihrer Zeit prägten - und damit Kunstmärkte, Kreativität und Geschmack beeinflussten.
Die Preise waren hoch, die Verhandlungen intensiv, und die Kunstsammler trieb alles Mögliche an: von der Liebe zur Schönheit über Anlagen bis hin zu Status. Nein, dies ist keine Beschreibung der letzten Art Basel. Sondern von Antwerpen im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert.
Als Vorläufer der heutigen Kunstmessen war die niederländische Hafenstadt Heimat der sogenannten "panden" - Verkaufshallen, in denen sich Künstler, Händler und Sammler trafen, um Gemälde, Drucke und andere Objekte zu kaufen und zu verkaufen. "Man konnte einen Stand mieten und seine Kunstwerke zum Verkauf mitbringen. Es war eine Übergangsphase - ein spekulativer Ort für einen offenen Markt", sagt Christian Huemer, Experte für Kunstmarkt-Geschichte. Kunstmärkte, erklärt er, gibt es seit der Zeit des Antiken Roms.
Heute sind Sammlerinnen und Sammler Teil eines globalen Netzwerks aus Kunstmessen, Auktionen und Online-Verkäufen, wobei sich Geschmack und Preise von Saison zu Saison ändern. Die Sammler-Gemeinschaft wird zunehmend jünger, weiblicher und digital affiner.
Aber auch wenn sich der Kunstmarkt ständig verändert, bleibt doch eines gleich: das, was Sammlerinnen und Sammler antreibt. Für manche ist Kunst eine Anlage. Für andere dient es der Dekoration - sei es für die Wände einer römischen Villa oder die Flure einer Unternehmenszentrale. Und für wieder andere hat das Kunstsammeln einen sozialen Aspekt, das Kultiviertheit vermittelt und gleichzeitig Gesprächsstoff für einen intellektuellen Austausch liefert.
Europäische Kunstsammlungen werden in einer neuen Ausstellung in Wien untersucht: "Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts" zeigt Dutzende von Kunstwerken - darunter bedeutende Werke aus den Fürstlichen Sammlungen -, welche die europäischen Kunstmärkte vom alten Rom bis zum 19. Jahrhundert beleuchten. "Eine so lange Perspektive, von der Antike bis zur Moderne, hat zuvor noch keine Ausstellung eingenommen", so Christian Huemer, Herausgeber des Ausstellungskatalogs.
Am wichtigsten bleibt jedoch die Freude an der Kunst selbst, sagt Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen, und beschreibt die "tiefe Bereicherung" des Sammelns durch Kunst-Interpretation und Selbstreflektion. Der Kunstsammler und Industrielle John Paul Getty hätte dem zugestimmt. Sammeln, so seine berühmte Aussage, verleihe "dem gesamten Dasein eines Menschen Weite und Tiefe".
Die Geschichte des Sammelns beginnt im antiken Rom - mit Kriegsbeuten. Nach einer Reihe militärischer Siege über Griechenland eroberte griechische Kunst die Häuser Roms. Die Statuen demonstrierten nicht nur Macht und Reichtum, sondern verbanden ihre Besitzerinnen und Besitzer auch mit einer glorreichen Vergangenheit. Der Markt war hochentwickelt, sagt Koja: "Er wurde nicht nur von Sammlern und Kennern getrieben, die bereit waren, hohe Summen für den Erwerb der Objekte ihrer Begierde zu zahlen, sondern auch von einem ganzen Netzwerk von Lieferanten; darunter Agenten, Auktionatoren, Restauratoren - und sogar Fälscher."
Bei öffentlichen Kunstauktionen in Rom wurde der Konsum zur Schau gestellt, wobei heftige Bieterrunden zu extrem hohen Preisen führten. Der Dichter Plinius sah in diesen horrenden Preisen das Ende einer Zeit der Tugendhaftigkeit und den Beginn einer Ära, die vor allem nach Luxus strebte. Die Nachfrage nach griechischen Kunstwerken überstieg bald das Angebot, was römische Künstler dazu veranlasste, Kopien anzufertigen - ebenfalls sehr begehrte Sammlerstücke.
Auch Künstlerinnen und Künstler sammelten - und fanden oft Inspiration darin. So erging es beispielsweise dem grossen Rembrandt - mit ganzem Namen Rembrandt van Rijn -, dessen umfangreiche Sammlung Gemälde und Zeichnungen sowie Abgüsse griechischer und römischer Büsten umfasste. Und wenn er nicht kaufen konnte, was er wollte, machte er sich Skizzen davon.
Im Jahr 1639 war er bei der Nachlassauktion des flämischen Kaufmanns und Sammlers Lucas van Uffel von einem Porträt Baldassare Castigliones von Raffael beeindruckt. Das Gemälde wurde zu einem erstaunlich hohen Preis verkauft - aber nicht bevor Rembrandt eine Skizze davon angefertigt hatte. Später übernahm er die Pose des Porträtierten für eines seiner Selbstporträts.
Seit Jahrhunderten ist das Sammeln von Kunst mit Reisen verbunden. Und vielleicht verdeutlicht keine kulturelle Bewegung dies besser als die Grand Tour des 17. und 18. Jahrhunderts, als junge wohlhabende Briten ausgedehnte Reisen nach Europa unternahmen, um die Kunst, Architektur und Kultur des Kontinents zu erleben.
Sie kehrten stets mit einer Reihe von Souvenirs zurück - antiken oder reproduzierten Statuen, Vasen und Bronzen, aber auch "Capricci". Gemalt von Künstlern wie Giovanni Battista Piranesi und Giovanni Paolo Pannini, vereinen "Capricci" in imaginären Kompositionen Statuen, Gebäude und archäologische Ruinen, die nichts miteinander zu tun haben.
Ob durch den Kauf von Souvenirs oder die Bereicherung der Kunstmuseen weltweit mit ihren Vermächtnissen: Sammlerinnen und Sammler haben die Geschichte der Kunst mitgeprägt. Huemer und Koja fassen zusammen: "Händler, Agenten, Auktionatoren, Sammler, Kritiker und Wissenschaftler prägten den Ruf, lenkten den Geschmack und bestimmten, welche Werke erhalten blieben oder in Vergessenheit gerieten.", schreiben sie in ihrer Einleitung zum Ausstellungskatalog der Fürstlichen Sammlungen. "Ihre Entscheidungen beeinflussten nicht nur Preise und Karrieren, sondern auch die Bildung von Kanons und die Geschichtsschreibung der Kunst selbst."
In den letzten 500 Jahren hat das Fürstenhaus eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen mit Meisterwerken von der Frührenaissance bis zur österreichischen Romantik zusammengestellt - darunter Werke von Lucas Cranach dem Älteren, Frans Hals, Raffael, Rembrandt, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Rudolf von Alt, Friedrich von Amerling und Ferdinand Georg Waldmüller. Diese Meisterwerke sind im Gartenpalais Liechtenstein und im Stadtpalais Liechtenstein in Wien, aber auch in Ausstellungen vieler bedeutender Museen weltweit für die Öffentlichkeit zugänglich.