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Februar 2026 - das Wichtigste in Kürze

Zu Beginn des Jahres 2026 steht die Weltwirtschaft auf einem solideren Fundament, als viele vor einem Jahr erwartet hatten. Die Rezessionsängste haben sich nicht bewahrheitet, da sich der Konsum und die Investitionen - insbesondere in den Vereinigten Staaten - als widerstandsfähig erwiesen haben. Nachlassender Inflationsdruck, die Aussicht auf eine unterstützendere Geldpolitik und anhaltende fiskalische Impulse bieten ein konstruktives Umfeld, auch wenn geopolitische Spannungen und institutionelle Unsicherheiten weiterhin für Volatilität sorgen. Bislang haben diese Risiken jedoch relativ wenig dazu beigetragen, die zugrunde liegende realwirtschaftliche Dynamik zu beeinträchtigen.

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

Kompass
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Vor diesem Hintergrund behalten wir eine moderate Risikobereitschaft bei: Wir bevorzugen Aktien gegenüber Liquidität, sind gegenüber festverzinslichen Wertpapieren und alternativen Anlagen "Neutral" eingestellt und betrachten die jüngsten geopolitischen Turbulenzen eher als Auslöser für eine Konsolidierung als als Grund für eine Strategieänderung. Wir bleiben wachsam, beobachten die Lage aufmerksam und sind bereit, ad hoc zu reagieren, sollte sich die Situation verschärfen. Die Aktienmärkte sind positiv ins Jahr gestartet, wobei sich die Führungsrolle über eine kleine Gruppe grosser Technologieunternehmen hinaus ausweitet und sich die Gewinnerwartungen in allen Regionen, insbesondere in den Schwellenländern, verbessern. Wir bevorzugen weiterhin Schwellenländer, da ein schwächerer US-Dollar und niedrigere Zinsen unterstützend wirken, und behalten unsere positive Einschätzung für Sektoren wie Industrie und Gesundheitswesen bei, während wir gegenüber konsumnahen Sektoren vorsichtig bleiben.

Bei festverzinslichen Wertpapieren ist der Carry zum dominierenden Renditetreiber geworden, da die Massnahmen der Zentralbanken weitgehend eingepreist sind, wodurch Selektivität und Risikomanagement wichtiger denn je werden. Wir bleiben vorsichtig gegenüber Staatsanleihen aus Industrieländern und Investment-Grade-Anleihen, "Neutral" gegenüber Hochzinsanleihen und konstruktiv gegenüber Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern, wo der Carry und strukturelle Verbesserungen attraktiv sind.

Unsere Einschätzung zu Währungen und Edelmetallen spiegelt das zugrunde liegende Thema wider: eine Welt der allmählichen makroökonomischen Normalisierung, aber auch der anhaltenden geopolitischen Fragmentierung, in der eine robuste Portfoliodiversifizierung und umsichtige Absicherungsmassnahmen - unter anderem durch Vermögenswerte wie Gold - eine zunehmend zentrale Rolle spielen.

Makroökonomisches Umfeld

Die Weltwirtschaft beendete das Jahr 2025 widerstandsfähiger als erwartet, wobei sich Rezessionssorgen trotz erheblichen Gegenwinds als überzogen erwiesen. Konsum und Investitionen, insbesondere in den USA, zeigten eine bemerkenswerte Stabilität und bilden ein solides Fundament für den Jahresstart 2026. Vermutlich bald nachlassender Inflationsdruck, geldpolitischer Lockerungsspielraum sowie fiskalische Impulse unterstützen den Wachstumsausblick auch weiterhin. Geopolitische Risiken belasten zwar das Sentiment, ändern bislang jedoch wenig am konstruktiven realwirtschaftlichen Gesamtbild. 

Anlagestrategie

Das Anlagekomitee hält an einer moderaten Risikopositionierung fest und Risikoanlagen bleiben trotz zunehmender geopolitischer Spannungen weiterhin bevorzugt. Wir beobachten die Situation und sind bereit, bei Bedarf umgehend mit einer ad-hoc-Sitzung zu reagieren. Das solide Wachstum in den USA, der allmähliche Aufschwung in der Eurozone und die prognostizierte Erholung in der Schweiz stützen weiterhin das Marktumfeld. Aktien profitieren vom robusten Gewinnwachstum, während sich Gold als wirksames Diversifikationsinstrument in geopolitisch unsicheren Zeiten bewährt.

Aktienstrategie

Trotz erhöhter geopolitischer Risiken hatten die Aktienmärkte einen guten Start ins Jahr 2026, wobei die Schwellenländer und Japan führend waren, während der US-Markt hinterherhinkte. Die Hauptgründe dafür sind ein risikoärmeres Umfeld - trotz sporadischer Eskalationen - eine sich verbessernde Konjunkturdynamik und starke Gewinnerwartungen in den meisten Regionen. Der Aufwärtstrend breitet sich über die grossen Technologieunternehmen hinaus aus, und zyklische Sektoren schneiden besser ab als defensive. Wir lassen unsere regionalen und sektoralen Präferenzen unverändert. Wir bevorzugen weiterhin Schwellenländer und auf Sektorebene behalten wir unsere "Attraktiv"-Einschätzung für den Industriesektor bei. Der Gesundheitssektor bleibt "Attraktiv", da nach einem Abbau von Risiken weiteres Aufwärtspotenzial besteht. Aufgrund von Kaufkraftproblemen und schwacher Preissetzungsmacht haben wir weiterhin die geringste Präferenz für konsumbezogene Sektoren.

Anleihenstrategie

Fixed Income ist zunehmend eine Carry-Story, da die Massnahmen der Zentralbanken weitgehend eingepreist sind. Entsprechend halten wir die Duration in USD/EUR/CHF "Neutral" und vermeiden konzentrierte Engagements am langen Ende der Staatsanleihekurven. Im Kreditsegment erfordern enge IG- und HY-Spreads eine hohe Selektivität, da die Dispersion zunimmt und Carry - statt weiterer Spreadverengung - die künftigen Renditetreiber dominiert. Wir bleiben bei einer "Unattraktiven" Einschätzung für Staatsanleihen und IG-Unternehmensanleihen der entwickelten Märkte, bei einer "Neutralen" Einschätzung für HY-Anleihen und halten an einer "Attraktiven" Einschätzung für EM-Hartwährungsanleihen fest, wo erhöhte Carry-Erträge, strukturelle Verbesserungen der Kreditqualität und ein weiterhin anfälliger US Dollar unsere konstruktive Sicht stützen.

Währungsstrategie

Wir sehen im aktuellen makroökonomischen und geldpolitischen Umfeld Rückenwind für einen stärkeren Euro gegenüber dem US Dollar sowie für einen tieferen USD/CHF, wobei der Schweizer Franken in einer von globaler Fragmentierung geprägten Welt von seinem Status als sicherer Hafen gut unterstützt bleibt. Die Lockerung der Fed und schwindende institutionelle Qualitäten der USA sollten den EUR/USD-Wechselkurs schrittweise nach oben treiben, während die soliden Fundamentaldaten der Schweiz und ihre geopolitische Neutralität eine allmähliche Aufwertung des Frankens (Abwertung USD/CHF) begünstigen - trotz möglicher Glättungsoperationen der SNB. Im Gegensatz dazu sprechen Japans robuster Leistungsbilanzüberschuss und die Normalisierung der Geldpolitik durch die Bank of Japan (BoJ) für eine mittelfristige Unterstützung des Yen. Allerdings erhöhen sich durch den Wandel in der innenpolitischen Landschaft und die erneute Belebung der "Takaichi-Trade"-Dynamik die kurzfristigen Schwankungen, was den künftigen Pfad des JPY deutlich weniger vorhersehbar macht. 

Edelmetalle

Steigende geopolitische und institutionelle Risikoaufschläge - unter anderem Spannungen rund um Iran, Venezuela und die NATO/Grönland sowie der juristische Druck auf die Fed - stützen eine attraktive Einschätzung von Gold als "Anti Fiat"-Sicherer-Hafen-Anlage. Dies wird durch die zunehmende globale Fragmentierung verstärkt: Zölle, Sanktionen und die Instrumentalisierung von Zahlungssystemen veranlassen insbesondere Zentralbanken der Schwellenländer, ihre Währungsreserven weg vom US Dollar zu diversifizieren, was sich in anhaltend robusten Goldkäufen widerspiegelt. Tiefere Realrenditen und solide ETF-Zuflüsse verleihen unserer positiven Sicht auf Gold zusätzlichen makroökonomischen Rückenwind, während wir bei Silber trotz strukturellem Angebotsdefizit und seiner Rolle als kritisches Metall nach einem politikgetriebenen "Short Squeeze" bei einer neutralen Einschätzung bleiben.