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Anlagestrategien

Das Langlebigkeits-Ökosystem

Ganze Branchen richten sich neu aus, um den Bedürfnissen einer rasch alternden Weltbevölkerung gerecht zu werden. Was sind die Folgen für Anlegerinnen und Anleger?

  • von Dr. Tilman Dumrese, Senior Equity Specialist Europe, LGT Private Banking und Pey Herng Yap, Equity Specialist APAC, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 10 Minuten

Gesundes Altern verbindet man in erster Linie mit der Entwicklung besserer medizinischer Lösungen. Dieser Ansatz greift jedoch zu kurz: Für Anlegerinnen und Anleger ist es sinnvoller, Langlebigkeit als ein weitreichenderes Ökosystem zu verstehen, das - neben der klassischen Biotechnologie - auch Genomik und Diagnostik, Medizintechnik und Robotik umfasst. © Shutterstock/Ground Picture

Langlebigkeit hat sich zu einem Leitbegriff unserer Zeit entwickelt - und dabei geht es um weit mehr als nur darum, wie alt wir werden. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Lebensdauer, sondern auch die sogenannte gesunde Lebensspanne: also jener Zeitraum, den Menschen bei guter Gesundheit und frei von chronischen Krankheiten oder Beeinträchtigungen verbringen.

Diese Entwicklung gewinnt an Bedeutung, weil Menschen heute deutlich länger leben - und vieles darauf hindeutet, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Der Anteil der Weltbevölkerung über 60 Jahre dürfte von heute knapp 14 % auf rund 20 % bis zum Jahr 2050 steigen. Dieser demografische Wandel zählt zu den prägenden Entwicklungen unserer Zeit. Er bringt Herausforderungen mit sich - eröffnet aber ebenso neue Chancen.

Der Anteil der Weltbevölkerung über 60 Jahre dürfte von heute knapp 14 % auf rund 20 % bis zum Jahr 2050 steigen. © Istock/skynesher

Viele Menschen verbinden gesundes Altern in erster Linie mit der Biotech-Industrie und der Entwicklung besserer medizinischer Lösungen. Das greift jedoch zu kurz. Für Anlegerinnen und Anleger ist es sinnvoller, Langlebigkeit als ein weitreichenderes Ökosystem zu verstehen, das - neben der klassischen Biotechnologie - auch Genomik und Diagnostik, Medizintechnik und Robotik, Gesundheitsdienstleistungen sowie digitale Plattformen umfasst, die Finanzierung, Daten und Versorgung miteinander verbinden.

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Verbesserte Gesundheitsversorgung dank Biotechnologie

Die Biotechnologie hat wesentlich zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beigetragen, ihr Potenzial jedoch in vielerlei Hinsicht noch nicht vollständig ausgeschöpft. Neben herausragenden Erfolgsgeschichten - etwa den seit den 1980er-Jahren entwickelten monoklonalen Antikörpern oder den in diesem Jahrzehnt entstandenen mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 - ist die Zahl erfolgreicher neuer Biotech-Medikamente über Jahre hinter anderen Wirkstoffklassen zurückgeblieben.

Die Einführung der KI in der Biotech-Branche markiert einen nachhaltigen Wendepunkt - ob bei DNA-Analysen, Wirkstoff-Designs oder Genom-Datensätzen. © Shutterstock/PeopleImages

Ein möglicher Grund dafür ist, dass zahlreiche Krankheiten genetische Ursachen haben, von denen bislang nur ein kleiner Teil vollständig verstanden wird. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sich die Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2026 zum 25. Mal jährt. Die Kenntnis des genetischen Codes allein genügt offenbar nicht. Ebenso wichtig ist das Verständnis jener regulatorischen Mechanismen, die bestimmen, wann Gene aktiv werden oder inaktiv bleiben. Schätzungen zufolge machen diese regulatorischen Sequenzen zwischen 8 % und 20 % des menschlichen Genoms aus.

Die Biotechnologie stiess aufgrund der Komplexität dieser Prozesse mit den bislang verfügbaren Werkzeugen rasch an Grenzen. Mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz verändert sich das Bild jedoch grundlegend. DNA-Analysen, die früher mehrere Tage in Anspruch nahmen, können heute mithilfe von KI innerhalb weniger Stunden vollständig ausgewertet werden. Für die Biotech-Branche dürfte dies einen nachhaltigen Wendepunkt markieren.

KI-gestütztes Wirkstoffdesign

Auch im Wirkstoffdesign hält KI zunehmend Einzug. Sobald ein krankheitsrelevantes Protein identifiziert ist, gleicht die Suche nach einem geeigneten Wirkstoffkandidaten bislang der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Genau das verändert sich nun. Mithilfe von KI lassen sich Struktur und Funktion potenzieller Wirkstoffe heute deutlich präziser vorhersagen, wodurch sich Entwicklungszeiten um Jahre verkürzen können.

Auch im Wirkstoffdesign hält die KI zunehmend Einzug. © Shutterstock/PeopleImages

Dies ist erst der Anfang des erwarteten Siegeszugs der KI in der Biomedizin. Darüber hinaus ermöglicht KI die Analyse riesiger Genom-Datensätze, um jene Gene zu identifizieren, die eng mit dem Alterungsprozess verbunden sind. Ein einfaches Beispiel: Heute lässt sich das biologische Alter eines Organismus allein anhand von Genaktivitätsprofilen abschätzen.

Welche der zahlreichen KI-gestützten Ansätze letztlich zu kommerziell erfolgreichen Therapien führen werden, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass die Biotechnologie dabei eine zentrale Rolle spielen wird. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass biotechnologisch hergestellte Medikamente bis 2030 nahezu 60 % des weltweiten Pharmaumsatzes ausmachen könnten.

Langlebigkeit - ein vielfältiges Ökosystem von Anbietern

  • Grundpfeiler: 
    Etablierte Gesundheitsunternehmen sorgen für eine stabile Nachfrage nach Medikamenten, medizinischen Verfahren und Gesundheitsdienstleistungen. Dazu zählen bekannte Pharmaunternehmen, Krankenversicherer, Spitäler, Labore, Apotheken sowie traditionsreiche Hersteller medizinischer Geräte. Diese Unternehmen dürften sich durch stabile Cashflows auszeichnen und zusätzlich von schrittweisen Verbesserungen bestehender Produkte sowie neuen Therapien profitieren.
     
  • Enablers: 
    Diese Unternehmen liefern die Infrastruktur und die notwendigen Tools, mit denen sich Lösungen in den Bereichen Biotech, Medtech und Präzisionsmedizin skalieren lassen. Das Spektrum reicht von Life-Science-Tools über moderne Diagnose- und Bildgebungstechnologien bis hin zu Gesundheitstechnologie und spezialisierten Datenlösungen. Profitieren könnten diese Unternehmen insbesondere von steigenden F&E-Investitionen sowie vom Trend hin zu minimalinvasiven Verfahren und datenbasierter Gesundheitsversorgung, die anspruchsvolle Fertigungsprozesse, spezialisierte Technologien und leistungsfähige Software voraussetzen.
     
  • Innovationsführer: 
    An der Spitze des Langlebigkeits-Ökosystems stehen Biotech-Unternehmen, die sich auf Onkologie, Stoffwechsel- und neurologische Erkrankungen sowie seltene Krankheiten konzentrieren. Zu dieser Gruppe zählen auch Unternehmen, die KI in der Wirkstoffforschung, Diagnostik, klinischen Studien und zahlreichen weiteren Entwicklungsfeldern einsetzen. Diese Firmen verfügen über das grösste Potenzial für bahnbrechende Innovationen und die Erschliessung neuer Märkte. Gleichzeitig unterliegen sie häufig starken Schwankungen, da ihre Bewertungen sensibel auf klinische Studienergebnisse, regulatorische Entscheidungen und technologische Meilensteine reagieren.

Zusammengenommen verleihen diese drei Gruppen dem Thema Langlebigkeit Substanz und Tiefe: Sie spannen den Bogen von etablierten Marktführern im Gesundheitswesen bis hin zu innovativen Unternehmen an der technologischen Spitze. Wie immer gilt jedoch: Garantien gibt es keine. Gerade aufgrund schwer quantifizierbarer langfristiger Risiken bleibt dieser Bereich anspruchsvoll.

Langlebigkeit hat sich zu einem Leitbegriff unserer Zeit entwickelt - und dabei geht es um weit mehr als nur darum, wie alt wir werden. © Unsplash/Curated Lifestyle

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