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Finanzwissen

Vier Anlage-Klassiker, die Sie kennen sollten

Ob Sie am Anfang stehen oder Ihr Wissen vertiefen möchten: Diese Klassiker verbinden finanzielle Disziplin, psychologisches Verständnis und strategisches Denken - entscheidende Faktoren für nachhaltigen Anlageerfolg.

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Grosse Investorinnen und Investoren wie Bill Gates und Cathie Wood sind als Vielleser bekannt. Nur: Was sollten wir lesen, wenn wir es auf dem Börsenparkett auch nur in ihre Nähe bringen wollen? Entdecken Sie vier Empfehlungen in Zeiten von Social Media und ChatGPT. © Thomas Barwick/Getty Images

"Er ist ein Buch, aus dem zwei Beine ragen", sagten seine Kinder scherzhaft über Charles Munger (1924-2023), den legendären Geschäftspartner von Warren Buffett. Und letzterer beschreibt seine Arbeit so: "In 80 % der Zeit lese ich."

Auch andere grosse Investorinnen und Investoren wie Bill Gates, Cathie Wood und Abigail Johnson sind als Vielleser bekannt. Nur: Was sollten wir lesen, wenn wir es auf dem Börsenparkett auch nur in ihre Nähe bringen wollen?

Hier finden Sie vier Klassiker, denen Sie gerade in Zeiten von Social Media und ChatGPT vertrauen können.

1. George S. Clason: "Der reichste Mann von Babylon"

Vor 100 Jahren erklärte der Verleger George S. Clason (1874-1957) mit Parabeln, wie man finanziellen Erfolg erreichen könnte. Er siedelte sie im alten Babylon an. Bis heute steht die Stadt für Reichtum, die hängenden Gärten Nebukadnezars II - und sündhaftes Leben. Zugleich wissen wir über sie - anders als über Rom und Athen - nur wenig.

Geroge Clason (links) mit seinem Anlage-Klassiker von 1952. © Denver Post/Getty Images

Genau darum bildet Babylon die perfekte Kulisse, um den reichsten und weisesten Mann namens Arkad, den Goldverleiher Mathon und den Kamelhändler Dabasir in allen Farben hochleben zu lassen. Jeder dieser Helden hat den amerikanischen Traum vom bettelarmen Sklaven zum Multimillionär durchlaufen - und gibt nun sein Wissen an die orientierungslose Jugend weiter. "Geld gehorcht noch heute den gleichen Gesetzen wie vor sechstausend Jahren", betont Clason im Auftakt des Buchs.

Die Kernprinzipien, die Arkad alias Clason lehrt, scheinen denn auch zeitlos: "Lege stets 10 % auf die Seite und investiere den Betrag." Von dieser Regel sollte man auch dann nicht abrücken, wenn Schulden, Steuern und andere Verpflichtungen einen plagen. Nur so können "das Gold und seine Kinder für dich arbeiten", beschreibt Clason den Zinseszinseffekt.

"Bezahle immer zuerst dich selbst", wiederholt er fast mantrahaft. Sogar Schuldenabbau und Vermögensaufbau können demnach Hand in Hand gehen. In diesem Fall rät Clason zu folgendem Budget: 10 % sollten für Anlagen dienen, 20 % zur Schuldentilgung und 70 % für den Lebensunterhalt.

Als hätte Clason den demografischen Wandel kommen sehen, mahnt er auch immer wieder: "Trefft rechtzeitig Vorsorge für die Bedürfnisse im Alter und den Schutz der Familie."

2.  Robert Kiyosaki: "Rich Dad Poor Dad"

Einer, der sich Clasons Ratschläge zu Herzen genommen hat, ist Robert Kiyosaki. Nachdem er im Vietnamkrieg als Hubschrauberpilot gedient hatte, zog er ein Unternehmen auf, das die ersten Nylon-Surfer-Portemonnaies mit Kletterverschluss lancierte - und später Bankrott anmeldete.

1997 klopfte er mit einem Finanzbuch in der Tasche bei verschiedenen Verlagen an. Alle winkten ab. Da gab er das Buch "Rich Dad Poor Dad" im Eigenverlag heraus. Bald stürmte es die Bestsellerlisten der "New York Times". Mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren gilt es als bestverkauftes Finanzbuch aller Zeiten. Worum geht's?

Die grösste Gefahr ist, sich nur auf seinen Lohn und seine Rente zu verlassen, warnt Robert Kiyosaki. © Lass/laif

Kiyosaki erzählt von zwei Vätern. Sein leiblicher Vater ("Poor Dad") war Direktor im Erziehungswesen in Hawaii. Egal, wie sicher seine Anstellung war und wie viel er verdiente, rannte er doch immer seinem Lohn hinterher. Laut Kiyosaki steckte er damit im Hamsterrad fest.

Der Vater seines Schulfreunds ("Rich Dad") war dagegen ein Unternehmer mit wenig Schulbildung. Umso intensiver analysierte er, wie man Vermögenswerte aufbauen kann, die ein Einkommen erwirtschaften. "Die einen arbeiten für Geld, die anderen lassen Geld für sie arbeiten", resümiert Kiyosaki.

Konkret plädiert er dafür, Vermögenswerte wie Unternehmensbeteiligungen, Aktien, Obligationen und Immobilien aufzubauen, die ein Einkommen generieren. Dagegen seien Verbindlichkeiten zu reduzieren. Zu letzteren zählt er auch Wohneigentum - wenn es hohe Summen bindet, die man rentabler investieren könnte. Gerade in diesem Punkt liegt vielleicht die grösste Schwäche des Buchs: Es orientiert sich am US-Steuersystem.

Die grösste Gefahr ist, sich nur auf seinen Lohn und seine Rente zu verlassen, warnt Kiyosaki sinngemäss: "Jede und jeder sollte sich in Sachen Finanzen weiterbilden."

3. John R. Nofsinger: "The Psychology of Investing"

Auch wenn wir Ratgeberliteratur verschlingen: Höchstwahrscheinlich stolpern wir an den Finanzmärkten schneller als erwartet.

John R. Nofsinger, Finanzprofessor und Behavioural-Finance-Spezialist an der University of Alaska Anchorage, zeigt in seinem Buch "The Psychology of Investing", wo der grösste Fallstrick liegt: bei unserem eigenen Ego. Seine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen ("Overconfidence"), ist demnach die Mutter aller Anlagefehler. Und gerade dieser Gefahr erliegen private Anlegerinnen und Anleger deutlich öfter als Profis.

"Unsere Risikotoleranz hängt stärker von früheren Erfolgen und Verlusten ab, als wir es uns bewusst sind", sagt Nofsinger. So fixieren wir uns oft auf Ankerpunkte wie den Einstiegspreis einer Aktie, statt den Gesamtmarkt neutral zu analysieren.

Die Folgen gehen ins Geld: Wir verkaufen Überflieger-Aktien zu früh, weil wir stolz auf den Gewinn sind. Und wir halten an aussichtslosen Titeln fest - um den Schmerz des Verlusts zu vermeiden. Besonders paradox: Viele Anlegerinnen und Anleger kaufen sogar die Aktie zurück, wegen der sie in die roten Zahlen geschlittert sind. In einer Art persönlichem "Racheakt" erwarten sie, dass diese Wertschriften sie jetzt kompensieren müssten.

Nach der modernen Portfoliotheorie sollten Anlegerinnen und Anleger breit diversifizieren und die bestmögliche Rendite für ein gegebenes Risiko erwirtschaften. Das Problem ist: "Die meisten Menschen betrachten Anlagen nicht im Portfoliokontext, sondern einzeln, je nach Verwendungszweck", konstatiert Nofsinger.

Je nach unserer "mentalen Buchführung" jubeln wir, wenn die Lieblingsaktie im Plus ist, blenden aber die anderen Transaktionen aus. Und Gewinne aus dem Casino geben wir mit beiden Händen aus, während wir den Lohn hüten wie unseren Augenapfel. Das ist irrational: ein Dollar bleibt ein Dollar - unabhängig davon, woher er stammt.

Sogar harmlose Grillpartys können uns an den Börsen ins Abseits manövrieren. Denn das Bedürfnis, beim Schwatz über die heisseste KI-Aktie dazu zu gehören, verführt viele dazu, in Hypes zu investieren. Doch wenn die Masse trabt, sind die meisten Gewinne schon gemacht.

4. Peter Bevelin: Seeking Wisdom. From Darwin to Munger

Das Buch "Seeking Wisdom. From Darwin to Munger" ist eine Art ewiger Geheimtipp, der an der Wallstreet herumgereicht wird. Kein Geringerer als Charles Munger hat das Manuskript gegengelesen. Und Warren Buffett ermutigte den Autor Peter Bevelin höchstpersönlich.

Noch reizvoller wirkt das Buch, weil sein Verfasser ähnlich mysteriös bleibt wie Bitcoin-Vater Satoshi Nakamoto. Der schwedische Autor meidet das Rampenlicht. Zur Feder gegriffen hat er nur aus einem Grund: um selbst klarer denken zu können.

US-Investor und Milliardär Charles Munger
US-Investor und Milliardär Charles Munger © Bonnie Schiffman Photography/Getty Images

Dazu hat er die Tafelrunde der grössten Philosophen aller Zeiten aufgestöbert - von Stoiker Epiktet über Michel de Montaigne bis zu Paul Feyerabend und Blaise Pascal. Letzterer bringt es in einem Zitat auf den Punkt: "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer sitzen können." Dieses Unvermögen, abzuwarten und zu reflektieren, kostet Anlegerinnen und Anleger am meisten Renditepunkte.

Seinen Meister der Reflexion hat Bevelin in Charles Munger gefunden. Dieser fordert "Gitterwerke mentaler Modelle", sprich ein interdisziplinäres Denken. Es zählen also nicht nur Finanzkennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, sondern ebenso Psychologie, Biologie und Physik. "Wenn eine Methode nicht funktioniert, muss man die nächste versuchen", folgert Bevelin.

Besonders intensiv befasst er sich mit der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Spielerisch geht er Fragen nach, die mit der Börse auf den ersten Blick nichts zu tun haben. Zum Beispiel: Sind Bakterien immer schlecht für uns? Antwort: Nein, es gibt sogar mehr Nützlinge als Schädlinge. "Während 99 % unserer Geschichte waren wir Menschen Jäger", meint Bevelin: "Genauso verhalten wir uns noch heute an den Börsen - obwohl sich unser Umfeld komplett geändert hat".

Wir dürften uns deshalb nicht für Genies halten, sondern sollten uns damit begnügen, "keine Idioten" zu sein. Dazu sind die Hauptfehler wie Gier, Furcht und Herdentrieb zu vermeiden. 

Lesen mag zwar keine Rendite generieren. Aber bereichernd ist es ganz sicher.

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