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Market View & Insights
In unseren dicht besiedelten urbanen Zentren ist Mobilität das Rückgrat von Wirtschaft und Alltag - doch sie muss effizienter, nachhaltiger und inklusiver werden.
Die wachsende Weltbevölkerung zieht zunehmend in sogenannte "Megacities (Megastädte)", urbane Zentren mit mehr als zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Die anhaltende Landflucht führt dazu, dass sich wirtschaftlicher und finanzieller Einfluss immer stärker in den Städten konzentriert. Diese fortschreitende Urbanisierung bedeutet zugleich, dass mehr Menschen auf engerem Raum leben - mit spürbaren Auswirkungen auf Arbeitsmärkte und das soziale Miteinander.
Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Mobilität. Verkehrssysteme verbinden Menschen mit Arbeitsplätzen, Bildung, Gesundheitsversorgung und Märkten. Doch je stärker Städte wachsen, desto grösser wird die Belastung bestehender Verkehrssysteme. Die Folge sind mehr Staus, Lärm und Luftverschmutzung - mit erheblichen Zeitverlusten, sinkender Produktivität und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Damit wird die Entwicklung neuer, nachhaltigerer Verkehrslösungen zu einer der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Urbanisierung kann langfristig nur dann erfolgreich und lebenswert sein, wenn Mobilität effizienter, nachhaltiger und inklusiver wird.
Einige Ansätze sind bereits etabliert. Der öffentliche Verkehr mit Metro- und Tramlinien (Light Rail) wird weltweit wieder ausgebaut und kann dazu beitragen, Verkehr und Emissionen zu reduzieren. Private Elektrofahrzeuge, die gemäss Prognosen bis 2035 den globalen Autoverkauf dominieren sollen, während der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf rund 5 % sinkt, können Treibhausgasemissionen reduzieren.
In welchem Umfang dies über den Lebenszyklus der Fahrzeuge erfolgt, hängt wesentlich vom zugrunde liegenden Strommix sowie von den Produktionsbedingungen ab. Hinzu kommen multimodale und geteilte Mobilitätslösungen, die neue Möglichkeiten eröffnen, sich in dicht besiedelten Räumen zu bewegen, ohne die Verkehrsinfrastruktur zusätzlich zu belasten.
In Anbetracht der zentralen Bedeutung des Verkehrs - insbesondere aus Nachhaltigkeitssicht - riefen die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Dezember 2025 die "Dekade des nachhaltigen Transports 2026-2035" aus. Diese Initiative trägt der Tatsache Rechnung, dass voraussichtlich kaum eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ohne moderne, effiziente und emissionsärmere Verkehrslösungen erreicht werden kann.
Dr. Tilman Dumrese ist bei der LGT als Senior Aktienspezialist tätig, mit Fokus auf Nachhaltigkeitsthemen sowie auf die Sektoren Healthcare, Gebrauchsgüter und Chemie. Der promovierte Immunologe war während und nach seiner akademischen Ausbildung in Deutschland und den USA international an renommierten Forschungsinstituten tätig.
So kann etwa eine verbesserte Luftqualität einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung von SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) leisten, indem gesundheitliche Folgen der Luftverschmutzung reduziert werden. Gleichzeitig ist die Förderung eines sicheren, zugänglichen und bezahlbaren öffentlichen Verkehrs für alle - bei gleichzeitiger Verringerung von Staus und Emissionen - ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung von SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden).
Nachhaltige Mobilität ist damit nicht nur ein eigenständiges Handlungsfeld, sondern ein Schlüsselfaktor für den Erfolg der globalen Nachhaltigkeitsagenda.
Im Jahr 1985 lebten gut 40 % der Weltbevölkerung in Städten. Heute sind es 54 %, und bis 2050 dürfte dieser Anteil auf rund 65 % steigen. Besonders deutlich wird diese Dynamik bei den Megacities: Gab es 1975 erst acht solcher Städte, waren es 2025 bereits 33. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Weltbevölkerung, der in diesen Ballungsräumen lebt, von knapp 3 % auf nahezu 8 %.
Dabei ist nicht nur das Wachstum der Megastädte relevant, sondern auch ihre Bevölkerungsdichte. Während Tokio als eine der grössten Städte der Erde eine Bevölkerungsdichte von rund 4600 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer aufweist, leben in Mumbai etwa 24 000 und in Dhaka rund 31 000 Menschen pro Quadratkilometer.
Megastädte zahlen längst den Preis für schlechte Mobilität
Diese Dichte führt zu stark überlasteten Strassen und anhaltenden Verkehrsstaus. Im Jahr 2024 verloren Autofahrerinnen und Autofahrer in Istanbul durchschnittlich 105 Stunden pro Jahr im Stau, dicht gefolgt von Chicago und New York mit jeweils 102 Stunden zusätzlicher Fahrzeit.
Dabei geht es nicht nur um Zeitverluste. Verkehrsbedingte Luftverschmutzung ist weltweit der zweitgrösste Risikofaktor für vorzeitige Todesfälle. Mehr als 96 Millionen Menschen leben in den fünf am stärksten belasteten Städten der Welt. Besonders stark betroffen sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Delhi, die hohen Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt sind - einer der Hauptauslöser gesundheitlicher Probleme.
So wichtig der Umstieg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Elektrofahrzeuge auch ist, Luftverschmutzung entsteht nicht nur durch Abgase und Treibhausgasemissionen. Auch Reifen- und Bremsabrieb setzen erhebliche Mengen an Feinstaub frei - unabhängig von der Antriebstechnologie.
Zudem ist keineswegs sicher, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 die prognostizierte Marktdurchdringung erreichen. Eine entscheidende Voraussetzung ist der ausreichende Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbesondere von Schnellladestationen. Prognosen zufolge müsste die Zahl der weltweit verfügbaren Ladepunkte von 3.2 Millionen im Jahr 2023 auf rund 15 Millionen bis 2030 steigen. Positiv zu werten ist, dass bereits 2023 mehr als 40 % der Ladepunkte über beschleunigte Ladetechnologien verfügten. Angesichts der hohen Zahl an Patentanmeldungen im Bereich der Ladetechnologie, insbesondere in China, sind weitere und schnellere technologische Fortschritte zu erwarten. Wie bereits erwähnt, gilt es dabei auch den verwendeten Strommix und die Produktionsbedingungen der Fahrzeuge im Auge zu behalten.
Ein komplexerer, aber potenziell wirkungsvollerer Ansatz für die Mobilität in Megacities liegt in der Entwicklung geteilter und multimodaler Verkehrslösungen. Ziel ist es, unterschiedliche Verkehrsmittel - vom Zufussgehen über den öffentlichen Verkehr bis hin zu (E-)Velos sowie Car- und Ridesharing-Angeboten - intelligent zu verknüpfen.
Digitale Plattformen und sogenannte "Mobility-as-a-Service"-Lösungen (MaaS) ermöglichen es, Wege über verschiedene Verkehrsmittel hinweg nahtlos zu planen, zu buchen und zu bezahlen. Diese vernetzte Mobilität kann Reisezeiten verkürzen, Emissionen senken, die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs steigern und eine echte Alternative zum eigenen Auto schaffen - mit spürbarer Entlastung der Verkehrsbelastung, insbesondere dann, wenn solche Angebote breit genutzt werden und gut in bestehende Verkehrssysteme integriert sind.
Aktuelle Schätzungen von Statista gehen davon aus, dass der weltweite Markt für geteilte Mobilität mit einer jährlichen Wachstumsrate von 2.9 % wächst. Ohne Berücksichtigung des Flugverkehrs entspräche dies bis 2029 einem Marktvolumen von rund USD 1 Billion - und damit einer potenziell attraktiven Anlagechance.
Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch die steigende Zahl der Nutzerinnen und Nutzer solcher Angebote. Dies ist zugleich entscheidend für eine nachhaltige Entlastung der Verkehrssituation in Megastädten. Bis 2029 dürfte die Zahl der Nutzenden auf 6.23 Milliarden steigen, was dann rund 73 % der Weltbevölkerung entsprechen würde.
Die Expertinnen und Experten der LGT analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Mit unseren Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen treffen Sie fundierte Anlageentscheide.
Für Anlegerinnen und Anleger kann es daher sinnvoll sein, Branchen im Blick zu behalten, die den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur, zentrale Komponenten der Elektromobilität wie Batterien sowie Plattformen für geteilte Mobilitätsdienste unterstützen und dabei auch die damit verbundenen ökologischen und sozialen Auswirkungen entlang ihrer jeweiligen Wertschöpfungsketten sorgfältig zu berücksichtigen.
Das rasante Wachstum der Elektromobilität in Kombination mit der bereits hohen Marktdurchdringung im Bereich der geteilten Mobilität gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich die Lebensqualität in Ballungsräumen und in der wachsenden Zahl von Megastädten künftig deutlich verbessern könnte. Zusätzlich dürften Technologien wie autonomes Fahren in Verbindung mit einer intelligenten, datenbasierten Verkehrssteuerung diesen positiven Trend weiter verstärken, vorausgesetzt, sie werden in grossem Umfang eingesetzt und kommen den Bedürfnissen der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner zugute.