Abonnieren Sie unseren Insights Newsletter

Unsere Insights liefern informative, inspirierende und unterhaltsame Einsichten hinter die Kulissen von Finanz und Wirtschaft, aber auch von Gesellschaft oder Kunst. Mit dem monatlichen Newsletter bleiben Sie stets informiert.

 

Finanzmärkte

Europa erholt sich

Nach mehreren Jahren, die von geringem Wachstum und wirtschaftlicher Belastung geprägt waren, tritt der Euroraum 2026 in eine stabilere Phase ein. Ein widerstandsfähiger Arbeitsmarkt, tiefere Zinsen und vor allem eine expansivere Fiskalpolitik bilden dabei die tragenden Säulen.

  • von Philipp Lisibach, Head Investment Strategy & Themes Europe, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 4 Minuten

Stabile Fundamentaldaten, expansive Fiskalpolitik und ein robuster Arbeitsmarkt lassen den Euroraum mit Zuversicht ins Jahr 2026 starten - trotz anhaltender demografischer Belastungen, so Philipp Lisibach, LGT Head Investment Strategy & Themes Europe. © Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

Zusammenfassung

  • Der Euroraum startet 2026 stabil - getragen von tiefen Zinsen, einem robusten Arbeitsmarkt und steigenden Staatsausgaben vor allem in Deutschland.
  • Das erwartete Wachstum bleibt moderat (+1.3  %), doch der private Konsum wird durch reale Lohnzuwächse gestützt.
  • Die demografische Entwicklung wirkt langfristig bremsend: Die Erwerbsbevölkerung in der EU schrumpft jährlich um 0.6  %.
  • Eurozonen-Aktien sind attraktiv bewertet, doch selektives Vorgehen bleibt entscheidend - Gewinnwachstum ist nicht garantiert.
  • In der Schweiz sorgen eine handelspolitische Entspannung mit den USA und eine akkommodierende Geldpolitik für stabile Perspektiven.

Der Euroraum startet mit einer insgesamt positiven Grundstimmung ins Jahr 2026: Die jüngsten wirtschaftlichen Herausforderungen hat er vergleichsweise gut gemeistert. Wir erwarten ein stabiles, trendnahes Wachstum, wobei das Bruttoinlandsprodukt um 1.3 % zulegen dürfte. Getragen wird diese moderate Expansion durch gesunkene Kapitalkosten sowie einen robusten Arbeitsmarkt - mit historisch niedriger Arbeitslosigkeit und realem Lohnwachstum.

All dies belebt den privaten Konsum, während sich das Konsumentenvertrauen weiter festigt. Zur optimistischen Stimmung tragen auch die nachlassenden Unsicherheiten der US-Handelspolitik bei - und der zyklische Tiefpunkt der Industrie, den die Eurozone mittlerweile hinter sich gelassen hat.

Im Fokus dieser Entwicklung steht unter anderem der erwartete fiskalische Impuls aus Deutschland. Die geplante Ausweitung der Ausgaben für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung um nahezu 1 % des BIP dürfte die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum spürbar unterstützen. In anderen Ländern werden steigende Verteidigungsausgaben die dämpfenden Effekte von Haushaltskonsolidierungen grösstenteils ausgleichen.

Demografie bleibt strukturelle Wachstumsbremse

Mittelfristig sind jedoch zusätzliche Anstrengungen erforderlich, um das Trendwachstum zu erhöhen und private Investitionen nachhaltig zu stärken. Die demografische Entwicklung stellt dabei einen zentralen Belastungsfaktor dar: Gemäss Projektionen der Vereinten Nationen wird die erwerbsfähige Bevölkerung in der Europäischen Union in den kommenden zwei Jahrzehnten im Durchschnitt um 0.6 % pro Jahr zurückgehen. Dies dürfte das Wachstumspotenzial weiter begrenzen und Nachfrage- sowie Investitionsmuster allmählich verändern.

Mit stabiler Basis und verhaltener Zuversicht ins Jahr 2026

Aktien aus dem Euroraum werden derzeit mit einem attraktiven Bewertungsabschlag gegenüber ihren globalen Pendants gehandelt. Damit sich diese Lücke schliesst, bedarf es jedoch einer überzeugenden Rückkehr zu solidem Gewinnwachstum. Zwar dürften höhere staatliche Ausgaben insbesondere Industrie- und Grundstoffunternehmen zugutekommen, doch ist dieser Effekt bereits zum Grossteil in den Bewertungen enthalten. 

Globaler Ausblick 2026

Positionierung für eine globale Verschiebung des Gleichgewichts

Die Weltwirtschaft befindet sich im Übergang zu einer neuen globalen Ordnung. Was sind die Folgen für Anlegerinnen und Anleger? Finden Sie es heraus - in unserem Ausblick 2026.

Zudem dürfte sich der volle Einfluss auf die Umsätze vieler Unternehmen im Euroraum erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 zeigen. Vor diesem Hintergrund plädieren wir für einen selektiven Ansatz mit Fokus auf Unternehmen, die über resiliente Nachfrage und eine gute Visibilität hinsichtlich ihres Wachstums verfügen.

Anleihen und Währungen mit gemischtem Bild

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Inflation erfolgreich nahe ihrem Ziel von 2 % verankert. Entsprechend erwarten wir, dass das kurze Ende der Zinskurve stabil bleibt. Am langen Ende hingegen macht sich Aufwärtsdruck bemerkbar - ausgelöst durch den steigenden staatlichen Finanzierungsbedarf. Reformen der niederländischen Pensionskassen sowie politische Unsicherheiten in Frankreich könnten zusätzliche Volatilität begünstigen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin qualitativ hochwertige Emittenten - statt geringfügig höherer Renditen in schwächeren Bonitäten. 

Philipp Lisibach, Head Investment Strategy & Themes Europe, LGT Private Banking.

Philipp Lisibach

Philipp Lisibach ist Head Investment Strategy & Themes Europe bei LGT Private Banking. Er analysiert makroökonomische Entwicklungen, relevante Anlagethemen und globale Megatrends für die Portfolio-Allokation. Sein Fokus liegt dabei auf makroökonomischen Szenarien, der Geldpolitik und deren Einfluss auf Investmentstrategien und die strategische Asset Allocation.

Der Euro ist gut positioniert, um im Jahr 2026 an Stärke zu gewinnen. Die stabile geldpolitische Ausrichtung der EZB steht im Kontrast zu einem weniger vorhersehbaren Kurs der US-Notenbank Fed, was die Zinsdifferenzen zunehmend zugunsten des Euro verschieben dürfte. Gleichzeitig gilt der Euro nicht als einheitlicher, sicherer Hafen - vor allem wegen der Unterschiede in den fiskalpolitischen Ansätzen der einzelnen Mitgliedstaaten. Somit hat der Euro noch einen langen Weg zu gehen, bis er zu einer globalen Reservewährung wird.

Kurz gesagt: Trotz bestehender Risiken - darunter mögliche Verzögerungen bei der Umsetzung fiskalischer Massnahmen sowie ein erneutes Aufflammen handelspolitischer Spannungen - bleibt das Basisszenario für den Euroraum im Jahr 2026 eine stabile, von der Binnenwirtschaft getragene Expansion.

Die Schweiz profitiert von einem stabileren europäischen Umfeld

Die Schweizer Wirtschaft startet mit neuer Stabilität ins Jahr 2026. Eine weiterhin akkommodierende Geldpolitik, eine robuste Binnennachfrage sowie sich verbessernde Exportaussichten tragen dazu bei, dass sich das Wachstum bei rund 1.6 % einpendeln dürfte, während globale Belastungsfaktoren an Bedeutung verlieren und sich die Wirtschaft an ein verändertes Handelsumfeld anpasst.

Das im November erzielte Abkommen mit den USA, das die Einfuhrzölle von 39 % auf 15 % senkt, stellt eine bedeutende Deeskalation dar und bringt der Exportwirtschaft spürbare Entlastung. In Kombination mit einer Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität im Euroraum und einer expansiven Geldpolitik in der Schweiz erwarten wir eine zunehmende Investitionsbereitschaft sowie unterstützende Impulse für den Arbeitsmarkt. Der private Konsum dürfte trotz eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit im Jahr 2025 dank realem Lohnwachstum moderat, aber stabil bleiben.

Die Inflation dürfte sich weiterhin am unteren Rand des Zielbands der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bewegen und in der ersten Hälfte des Jahres 2026 knapp über null liegen. Strukturelle Faktoren wie der Leistungsbilanzüberschuss und der zurückhaltende finanzpolitische Rahmen stützen den Schweizer Franken. In der Folge liegen die Schweizer Renditen über die gesamte Zinskurve hinweg weiterhin unter jenen im Euroraum und in den USA.

Der Schweizer Aktienmarkt kommt aus einer herausfordernden Phase, die von einem starken Franken sowie schwachem Wachstum in Europa und China geprägt war. Als exportorientierte Volkswirtschaft dürfte die Schweiz von der verbesserten Planungssicherheit in Bezug auf US-Zölle profitieren. Eine konjunkturelle Erholung in anderen europäischen Märkten im Jahr 2026 würde zusätzlichen Rückenwind liefern.

Auch interessant

Anlagestrategien

Wasser - eine unverzichtbare Ressource unter Druck

Der Schutz der Wasserressourcen ist nicht nur lebenswichtig, sondern auch entscheidend für wirtschaftliche Sicherheit, gesellschaftliches Wohlergehen und ökologische Stabilität. Industrie und Regierungen reagieren auf die zunehmende Wasserunsicherheit mit innovativen Lösungen.
25_610_Experte_MikaKastenholz_neu
Anlagestrategien

Globale Märkte 2026: Aufbruch in ein neues Zeitalter

Was können Anlegerinnen und Anleger im Jahr 2026 erwarten? Mika Kastenholz, LGT Global Head Investment Solutions, teilt seine Einschätzungen zu den globalen Märkten.
Anlagestrategien

Haben digitale Vermögenswerte den Durchbruch geschafft?

Einst belächelt, gehören Kryptowährungen heute zum Instrumentarium der Vermögensanlage. Ist jetzt der Moment gekommen, in dem selbst skeptische Anlegerinnen und Anleger digitale Vermögenswerte neu beurteilen sollten?
Anlagestrategien

Investieren in KI? Darauf sollten Sie achten

Rechenzentren schiessen aus dem Boden, KI findet man in nahezu jeder Technologie: Die Aussichten stehen gut für jene Unternehmen, die das KI-Wachstum heute ermöglichen und für diejenigen, die es in Zukunft vorantreiben.
Finanzmärkte

Die richtige Anlagestrategie zu finden ist (nicht) ganz einfach

Es geht gar nicht darum, den Markt zu schlagen und möglichst grosse Gewinne zu erzielen. Und wer die gröbsten Anlagefehler vermeidet, hat schon viel gewonnen. Das sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim - und erklärt, wie Anlegerinnen und Anleger...
Anlagestrategien

Energiewende: Mit Batteriespeichern auf Erfolgskurs

Der zunehmende Einsatz erneuerbarer Energiequellen stellt Stromnetze vor neue Herausforderungen. Warum Batteriespeicher das fehlende Puzzleteil für ein modernes und flexibles Energiesystem sind - und was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
alt=""
Nachhaltigkeit

Philanthropie: Der Weg zu mehr Wirkung

Angesichts immer komplexer werdender globaler Herausforderungen erklären die Philanthropie-Experten Silvia Bastante de Unverhau und Oliver Karius, wie sich Familien und Fördernde an die neuen Bedingungen anpassen können.
Anlagestrategien

Wann können wir mit KI-entwickelten Medikamenten rechnen?

Künstliche Intelligenz (KI) hat bewiesen, dass sie die Medikamentenentwicklung unterstützen kann. Doch kann sie in einem Bereich, der von regulatorischen Hürden und den Rätseln der menschlichen Biologie geprägt ist, jemals die Führung übernehmen?
25_523_BullBaer - de
Finanzmärkte

Die Perspektive wechseln

Getrieben von Emotionen und Marktgerüchten kaufen oder verkaufen Anlegerinnen und Anleger oft zum ungünstigsten Zeitpunkt. Wer dies vermeiden will, sollte den Fokus mehr auf das Gesamtportfolio statt auf einzelne Transaktionen richten.