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Market View & Insights
Nach mehreren Jahren, die von geringem Wachstum und wirtschaftlicher Belastung geprägt waren, tritt der Euroraum 2026 in eine stabilere Phase ein. Ein widerstandsfähiger Arbeitsmarkt, tiefere Zinsen und vor allem eine expansivere Fiskalpolitik bilden dabei die tragenden Säulen.
Der Euroraum startet mit einer insgesamt positiven Grundstimmung ins Jahr 2026: Die jüngsten wirtschaftlichen Herausforderungen hat er vergleichsweise gut gemeistert. Wir erwarten ein stabiles, trendnahes Wachstum, wobei das Bruttoinlandsprodukt um 1.3 % zulegen dürfte. Getragen wird diese moderate Expansion durch gesunkene Kapitalkosten sowie einen robusten Arbeitsmarkt - mit historisch niedriger Arbeitslosigkeit und realem Lohnwachstum.
All dies belebt den privaten Konsum, während sich das Konsumentenvertrauen weiter festigt. Zur optimistischen Stimmung tragen auch die nachlassenden Unsicherheiten der US-Handelspolitik bei - und der zyklische Tiefpunkt der Industrie, den die Eurozone mittlerweile hinter sich gelassen hat.
Im Fokus dieser Entwicklung steht unter anderem der erwartete fiskalische Impuls aus Deutschland. Die geplante Ausweitung der Ausgaben für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung um nahezu 1 % des BIP dürfte die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum spürbar unterstützen. In anderen Ländern werden steigende Verteidigungsausgaben die dämpfenden Effekte von Haushaltskonsolidierungen grösstenteils ausgleichen.
Mittelfristig sind jedoch zusätzliche Anstrengungen erforderlich, um das Trendwachstum zu erhöhen und private Investitionen nachhaltig zu stärken. Die demografische Entwicklung stellt dabei einen zentralen Belastungsfaktor dar: Gemäss Projektionen der Vereinten Nationen wird die erwerbsfähige Bevölkerung in der Europäischen Union in den kommenden zwei Jahrzehnten im Durchschnitt um 0.6 % pro Jahr zurückgehen. Dies dürfte das Wachstumspotenzial weiter begrenzen und Nachfrage- sowie Investitionsmuster allmählich verändern.
Mit stabiler Basis und verhaltener Zuversicht ins Jahr 2026
Aktien aus dem Euroraum werden derzeit mit einem attraktiven Bewertungsabschlag gegenüber ihren globalen Pendants gehandelt. Damit sich diese Lücke schliesst, bedarf es jedoch einer überzeugenden Rückkehr zu solidem Gewinnwachstum. Zwar dürften höhere staatliche Ausgaben insbesondere Industrie- und Grundstoffunternehmen zugutekommen, doch ist dieser Effekt bereits zum Grossteil in den Bewertungen enthalten.
Die Weltwirtschaft befindet sich im Übergang zu einer neuen globalen Ordnung. Was sind die Folgen für Anlegerinnen und Anleger? Finden Sie es heraus - in unserem Ausblick 2026.
Zudem dürfte sich der volle Einfluss auf die Umsätze vieler Unternehmen im Euroraum erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 zeigen. Vor diesem Hintergrund plädieren wir für einen selektiven Ansatz mit Fokus auf Unternehmen, die über resiliente Nachfrage und eine gute Visibilität hinsichtlich ihres Wachstums verfügen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Inflation erfolgreich nahe ihrem Ziel von 2 % verankert. Entsprechend erwarten wir, dass das kurze Ende der Zinskurve stabil bleibt. Am langen Ende hingegen macht sich Aufwärtsdruck bemerkbar - ausgelöst durch den steigenden staatlichen Finanzierungsbedarf. Reformen der niederländischen Pensionskassen sowie politische Unsicherheiten in Frankreich könnten zusätzliche Volatilität begünstigen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin qualitativ hochwertige Emittenten - statt geringfügig höherer Renditen in schwächeren Bonitäten.
Philipp Lisibach ist Head Investment Strategy & Themes Europe bei LGT Private Banking. Er analysiert makroökonomische Entwicklungen, relevante Anlagethemen und globale Megatrends für die Portfolio-Allokation. Sein Fokus liegt dabei auf makroökonomischen Szenarien, der Geldpolitik und deren Einfluss auf Investmentstrategien und die strategische Asset Allocation.
Der Euro ist gut positioniert, um im Jahr 2026 an Stärke zu gewinnen. Die stabile geldpolitische Ausrichtung der EZB steht im Kontrast zu einem weniger vorhersehbaren Kurs der US-Notenbank Fed, was die Zinsdifferenzen zunehmend zugunsten des Euro verschieben dürfte. Gleichzeitig gilt der Euro nicht als einheitlicher, sicherer Hafen - vor allem wegen der Unterschiede in den fiskalpolitischen Ansätzen der einzelnen Mitgliedstaaten. Somit hat der Euro noch einen langen Weg zu gehen, bis er zu einer globalen Reservewährung wird.
Kurz gesagt: Trotz bestehender Risiken - darunter mögliche Verzögerungen bei der Umsetzung fiskalischer Massnahmen sowie ein erneutes Aufflammen handelspolitischer Spannungen - bleibt das Basisszenario für den Euroraum im Jahr 2026 eine stabile, von der Binnenwirtschaft getragene Expansion.
Die Schweizer Wirtschaft startet mit neuer Stabilität ins Jahr 2026. Eine weiterhin akkommodierende Geldpolitik, eine robuste Binnennachfrage sowie sich verbessernde Exportaussichten tragen dazu bei, dass sich das Wachstum bei rund 1.6 % einpendeln dürfte, während globale Belastungsfaktoren an Bedeutung verlieren und sich die Wirtschaft an ein verändertes Handelsumfeld anpasst.
Das im November erzielte Abkommen mit den USA, das die Einfuhrzölle von 39 % auf 15 % senkt, stellt eine bedeutende Deeskalation dar und bringt der Exportwirtschaft spürbare Entlastung. In Kombination mit einer Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität im Euroraum und einer expansiven Geldpolitik in der Schweiz erwarten wir eine zunehmende Investitionsbereitschaft sowie unterstützende Impulse für den Arbeitsmarkt. Der private Konsum dürfte trotz eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit im Jahr 2025 dank realem Lohnwachstum moderat, aber stabil bleiben.
Die Inflation dürfte sich weiterhin am unteren Rand des Zielbands der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bewegen und in der ersten Hälfte des Jahres 2026 knapp über null liegen. Strukturelle Faktoren wie der Leistungsbilanzüberschuss und der zurückhaltende finanzpolitische Rahmen stützen den Schweizer Franken. In der Folge liegen die Schweizer Renditen über die gesamte Zinskurve hinweg weiterhin unter jenen im Euroraum und in den USA.
Der Schweizer Aktienmarkt kommt aus einer herausfordernden Phase, die von einem starken Franken sowie schwachem Wachstum in Europa und China geprägt war. Als exportorientierte Volkswirtschaft dürfte die Schweiz von der verbesserten Planungssicherheit in Bezug auf US-Zölle profitieren. Eine konjunkturelle Erholung in anderen europäischen Märkten im Jahr 2026 würde zusätzlichen Rückenwind liefern.