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Market View & Insights
Stewardship verändert leise, aber grundlegend, was Investieren heute bedeutet. Es geht längst nicht mehr nur um die Auswahl von Anlagen: Anlegerinnen und Anleger verstehen sich zunehmend als langfristige Partnerinnen und Partner, die Unternehmen mitlenken - in Richtung einer stärkeren Unternehmensführung, höherer Widerstandsfähigkeit und nachhaltigen Wachstums.
Stewardship (zu Deutsch etwa "aktive Eigentümerschaft") ist unlängst zu einem wichtigen Konzept des modernen Investierens geworden - und wird dennoch häufig missverstanden. Im Kern beschreibt Stewardship die verantwortungsvolle Allokation, Verwaltung und Beaufsichtigung von Kapital im Interesse von Kundinnen, Kunden und Begünstigten. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Investorinnen und Investoren nicht lediglich passiv Vermögenswerte halten müssen, sondern ihren Einfluss als Aktionärinnen und Aktionäre aktiv nutzen können, um positive Veränderungen in den Unternehmen voranzutreiben, in die sie investieren.
Siobhan Archer ist Global Stewardship Lead bei der LGT. In dieser Funktion verantwortet sie Engagement und Stimmrechtsausübung im gesamten Unternehmen. Ihr Fokus auf aktive Eigentümerschaft wurde entlang der gesamten Wertschöpfungskette der LGT weiterentwickelt und umfasst heute neben Unternehmen auch Fondsmanagerinnen und Fondsmanager sowie branchenweite Arbeitsgruppen.
Ziel von Stewardship ist es, eine nachhaltige langfristige Wertschöpfung für Unternehmen sowie für Investorinnen und Investoren zu unterstützen. Unternehmen, die Risiken umsichtig steuern, über eine starke Unternehmensführung verfügen und vorausschauend planen, sind langfristig widerstandsfähiger.
Für Investorinnen und Investoren spielt aktive Eigentümerschaft daher eine zentrale Rolle: Sie hilft, Risiken zu mindern sowie jene langfristigen Renditen zu unterstützen, auf die Kundinnen und Kunden angewiesen sind. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, durch aktiven Einfluss zur positiven Entwicklung von Unternehmen und Märkten beizutragen.
Stewardship-Aktivitäten konzentrieren sich häufig auf Themen, die langfristig finanziell bedeutend sind. Im Zentrum steht dabei die Unternehmensführung: die Zusammensetzung und Qualifikation eines Verwaltungs- oder Aufsichtsrats, die Unabhängigkeit seiner Mitglieder, die Vielfalt der Perspektiven sowie die Frage, ob Anreizsysteme für Führungskräfte die richtigen Ziele fördern.
Eine starke Governance bildet die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Ohne wirksame Kontrolle und klare Verantwortlichkeiten fällt es selbst gut aufgestellten Unternehmen schwer, Risiken angemessen zu steuern und langfristig stabil zu wachsen.
Stewardship verändert die Bedeutung des "Investierens": Aus Kapital wird Verantwortung.
Darüber hinaus umfasst Stewardship auch den Umgang von Unternehmen mit wesentlichen langfristigen Herausforderungen - etwa dem Klimawandel, dem Verlust der Biodiversität oder der Förderung fairer und inklusiver Arbeitsbedingungen.
Stewardship geht jedoch über einzelne Unternehmen hinaus. Investorinnen und Investoren engagieren sich zunehmend auch im breiteren Finanzsystem, indem sie mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, standardsetzenden Institutionen und weiteren Marktteilnehmenden zusammenarbeiten. So tragen sie dazu bei, nachhaltige Finanzmarktpraktiken zu fördern und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen mitzugestalten
Wichtig ist: Stewardship bedeutet nicht, Unternehmen vorzuschreiben, wie sie zu führen sind. Vielmehr geht es darum, durch konstruktiven Dialog und gezielte Einflussnahme Verbesserungen anzustossen und Unternehmen auf ihrem langfristigen Entwicklungspfad zu begleiten.
Ein besonders sichtbares Instrument ist die Stimmrechtsausübung. Halten Investorinnen und Investoren Aktien börsenkotierter Unternehmen, verfügen sie über das Recht, an Generalversammlungen über zentrale Themen abzustimmen. Dazu zählen unter anderem die Wahl und Unabhängigkeit von Verwaltungsratsmitgliedern, die Vergütung von Führungskräften, die Kapitalallokation sowie Aktionärsrechte. Auch ökologische und soziale Themen gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn sie die langfristigen Perspektiven eines Unternehmens beeinflussen.
Durch die Ausübung ihrer Stimmrechte bringen Investorinnen und Investoren ihre Erwartungen klar zum Ausdruck und können gezielt Einfluss auf die Ausrichtung und Governance von Unternehmen nehmen.
Ein weiteres zentrales Instrument ist das Engagement - der direkte Dialog zwischen Investorinnen und Investoren und den Unternehmen, in die sie investieren. In regelmässigen Gesprächen mit Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten gewinnen Investorinnen und Investoren vertiefte Einblicke in Strategie, finanzielle Entwicklung sowie Risiken und Chancen.
Gleichzeitig ermöglicht Engagement, gezielt Rückmeldungen zu geben, Fragen zu adressieren und Unternehmen dazu zu bewegen, ihre Praktiken weiterzuentwickeln und nachhaltiger auszurichten.
Bei der LGT ist Stewardship ein wesentlicher Bestandteil unseres Investmentansatzes für ausgewählte Anlageklassen. Als Investorinnen und Investoren im Auftrag unserer Kundinnen und Kunden nutzen wir unseren Einfluss aktiv: Wir üben Stimmrechte aus, führen den Dialog mit Unternehmen und Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern und engagieren uns in relevanten Brancheninitiativen.
Diese Aktivitäten folgen der Überzeugung, dass eine aktive Eigentümerschaft - kombiniert mit fundierter Analyse und konstruktivem Austausch - dazu beitragen kann, Unternehmen zu verbessern, Risiken zu reduzieren und nachhaltige Wertschöpfung zu fördern.
Letztlich steht Stewardship für ein erweitertes Verständnis von Investieren. Sie berücksichtigt, dass langfristige finanzielle Erträge eng mit der Stabilität von Unternehmen, Volkswirtschaften und Gesellschaften verknüpft sind. Indem Investorinnen und Investoren ihre Rolle als aktive Eigentümerinnen und Eigentümer verantwortungsvoll wahrnehmen, können sie dazu beitragen, widerstandsfähigere Unternehmen und nachhaltigere Märkte zu fördern.