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Geschäftsessen: Die Kunst des Gastgebens - und des Gastseins

Vom Einladen bis zum Verabschieden: So meistern Sie Geschäftsessen mit Stil und Erfolg.

Datum
Autor
Catherine Tenger
Lesezeit
8 Minuten
Szene aus Baz Luhrmans "The Great Gatsby": Gatsby führt seine Gäste durch sein Zuhause während einer seiner Feiern
Businessdinners sind zwar keine ausschweifenden Hauspartys, aber dennoch: Jay Gatsby ist wohl einer der berühmtesten Gastgeber in der Geschichte der Literatur - und des Kinos. Hier Baz Luhrmans "The Great Gatsby" mit Leonardo di Caprio und Carey Mulligan. © Warner Bros. Pictures/ KEYSTONE/Everett Collection

Geschäftsessen sind mehr als blosse Mahlzeiten. Sie sind eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation, eine Brücke zwischen formellen Begegnungen und persönlichen Beziehungen - und eine Art sozialer Kitt. Hier werden Verbindungen geknüpft, Vertrauen aufgebaut und informelle Gespräche ermöglicht, die oft die Basis für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen bilden. 

Die Wahl des Restaurants, die Sitzordnung, die Etikette und die Gespräche bei Tisch - all diese Elemente spielen eine entscheidende Rolle, um eine positive Atmosphäre zu schaffen, die sowohl professionell als auch persönlich ist. Erfahren Sie hier, wie Ihr Geschäftsessen am besten gelingt.

Die Kunst des Gastgebens: Wer vorbereitet, gewinnt 

Hier sind einige Tipps, die Ihnen dabei helfen, bei Einladungen ins Restaurant stets eine hervorragende Gastgeberin oder ein hervorragender Gastgeber zu sein - gleichgültig, ob es sich um ein elegantes Gourmetrestaurant oder eine gemütliche Gastwirtschaft handelt.

  1. Der Grund der Einladung
    Seien Sie von Anfang an transparent, warum Sie Ihren Gast eingeladen haben. Ob es darum geht, jemandem etwas Gutes zu tun oder ein bestimmtes Geschäftsthema zu besprechen - klare Kommunikation ist die Basis für eine entspannte Begegnung. Übernehmen Sie als Gastgeber oder als Gastgeberin die Führung und leiten Sie bei Bedarf vom geselligen Teil des Treffens zum geschäftlichen Teil über.
     
  2. Keine Experimente
    Verlassen Sie sich bei der Wahl des Restaurants auf Bekanntes. Denn erfahrene Gastgeber wissen, wie es um die Akustik dort steht und welche kulinarischen Highlights auf der Speisekarte zu finden sind - und können so die Führung übernehmen. 
     
  3. Früh erscheinen
    Gehen Sie etwas früher ins Restaurant, um den Tisch anzuschauen und das Servicepersonal freundlich zu begrüssen. Diese kleine Geste schafft nicht nur eine positive Atmosphäre, sondern führt in den meisten Fällen zu einem noch besseren Service. Sie können dabei auch einige organisatorische Details schon im Voraus klären, wie zum Beispiel die Art der Rechnung, ob man Ihnen bei der Weinauswahl behilflich sein soll und ob Sie zeitlich eingeschränkt sind. Klare Absprachen im Vorfeld ermöglichen es Ihnen, sich während des Treffens voll und ganz auf Ihre Gäste zu konzentrieren.
     

    Filmszene von The Great Gatsby: Ein Lunch zu viert
    Einladen oder eingeladen werden: Gatsby ist wohl besserer Gastgeber als Gast. Szene aus Baz Luhrmans "The Great Gatsby". © Warner Bros. Pictures/ KEYSTONE/Everett Collection
  4. Gut platzieren
    Überlegen Sie beim Anschauen des Tisches schon einmal, wie Sie sich und Ihre Gäste platzieren. Ihr eigener Platz sollte strategisch so gewählt sein, dass Sie jederzeit Blickkontakt zum Servicepersonal aufnehmen können. Ansonsten gehört der beste Platz Ihrem Gast - der mit der schönsten Aussicht, der am einfachsten zugängliche oder der bequemste.
     
  5. Stilsicher bestellen
    Helfen Sie ihren Gästen bei der Menüauswahl, indem Sie Empfehlungen aussprechen und sagen, was Sie selbst essen werden. So erhalten Ihre Gäste Hinweise bezüglich des Rahmens und der Anzahl der Gänge. Ausserdem bestellen und verkosten Sie den Wein - ausser Sie sind sich sicher, dass sich ihr Gast sehr gut mit Weinen auskennt  - dann sollten sie aber besser nicht an ein Budget gebunden sein.

Die Kunst des Gastseins: Empathie und Charakter  

Wie man sich als perfekte Gastgeberin oder perfekter Gastgeber verhält, ist ein oft diskutiertes Thema – dabei haben Gäste oft genauso viele Fragen. Hier finden Sie einige Anregungen.
Was Sie vermeiden sollten:

  1. Zu früh erscheinen
    Pünktlichkeit ist wichtig. Aber es ist besser, nicht zu früh anzukommen. Planen Sie Ihre Ankunft so, dass Sie nicht vor der vereinbarten Zeit im Restaurant erscheinen. Dies gibt dem Gastgeber die Gelegenheit, letzte Vorbereitungen zu treffen.
     
  2. Sich verselbstständigen
    Ähnlich wie bei privaten Einladungen sollten Sie im Restaurant nicht eigenmächtig agieren. Bestellen Sie keine zusätzlichen Gerichte oder Wein, und rufen Sie nicht eigenständig die Servicefachkraft an den Tisch. 
     
  3. Die Einladung kapern
    Auch wenn Sie möglicherweise höhergestellt sind: Widerstehen Sie dem Drang, die Kontrolle übernehmen zu wollen. Überlassen Sie dem Gastgeber oder der Gastgeberin die Führung, und akzeptieren Sie grosszügig die Einladung.
Viriginia Woolfs Mrs. Dalloway beim Empfang ihrer Gäste
Virginia Woolfs Mrs. Dalloway strebt ein Leben lang danach, die perfekte Gastgeberin zu sein - es wird für sie Fluch und Segen zugleich. © KEYSTONE/United Archives/TopFoto

Was Sie hingegen zu einem vorbildlichen Gast macht:

  1. Höflichkeit und Charakter
    Die besten Gäste sind oft selbst erfahrene Gastgeber, da sie die Dynamik verstehen. Ein guter Gast ist höflich, respektvoll und zeigt gleichzeitig Persönlichkeit. Er bereichert die Tischgesellschaft, ohne sie zu überfordern.
     
  2. Unkompliziert sein
    Zeigen Sie sich entscheidungsfreudig, insbesondere bei der Auswahl der Speisen. Studieren Sie wenn möglich im Voraus das Menu online, um schneller zu entscheiden. Wenn Sie unsicher, aber unkompliziert sind, können Sie sich auch der Wahl des Gastgebers anschliessen.
     
  3. Wertschätzung ausdrücken
    Bedanken Sie sich im Anschluss an das Essen auf persönliche und individuelle Weise. Loben Sie die Restaurantwahl, erwähnen Sie interessante Gesprächspunkte und zeigen Sie Wertschätzung für die gemeinsame Zeit. Persönliche und individuelle Rückmeldungen bleiben in Erinnerung.

Bei einem Geschäfts-Lunch oder -Dinner geht es um mehr als das Essen

Gemeinsame Essen bieten die Gelegenheit, mehr über die Personen, die Werte, das Unternehmen, die Kultur und die Interessen der anderen zu erfahren. In vielen Kulturen ist es üblich und sinnvoll, erst nach dem Hauptgang über das Geschäft zu reden. Bis dahin ist guter Small Talk gefragt, denn schon der amerikanische Schauspieler Walter Matthau hat erkannt: "Für ein gutes Tischgespräch kommt es nicht so sehr darauf an, was sich auf dem Tisch, sondern was sich auf den Stühlen befindet."

Zur Autorin

Catherine Tenger ist Trainerin und Referentin für Auftrittskompetenz und Kommunikation. Sie ist Autorin des Ratgebers „Format“, ein Buch über die Qualitäten, die Menschen von Format ausmachen und wie sie es entwickeln.

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