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Asiens Börsen lassen sich von niedrigeren chinesischen Wachstumszielen nicht beeindrucken

Die Entscheidung Chinas vom Donnerstag, für dieses Jahr ein bescheideneres Wachstumsziel festzulegen, hat die breitere Erholung an den asiatischen Aktienbörsen kaum gebremst; angeführt wurde sie von einem kurzzeitigen Kurssprung im zweistelligen Prozentbereich beim südkoreanischen Kospi. Führende US‑Aktienindizes schlossen am Mittwoch im Plus, unterstützt von einem sich verbessernden Stimmungsindex für den US‑Dienstleistungssektor. Bitcoin setzte seine jüngsten Kursgewinne nach politischer Unterstützung für Krypto-Unternehmen in den USA fort, während europäische Aktien zulegten. Gold zeigte sich am Donnerstag weitgehend stabil, wobei die Gewinne aufgrund höherer Renditen von US‑Staatsanleihen und eines leicht festeren US Dollar Index begrenzt waren.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

China Shanghai
© Shutterstock

China hat am Donnerstag sein jährliches Wirtschaftswachstumsziel für 2026 auf 4.5% bis 5% festgelegt – das niedrigste Ziel seit den frühen 1990er‑Jahren –, da die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger mit hartnäckigem Deflationsdruck, einer anhaltenden Flaute am Immobilienmarkt und dem Handelskonflikten mit den USA konfrontiert sind. Peking beliess sein Ziel für das Haushaltsdefizit unverändert bei rund 4% des Bruttoinlandprodukts (BIP) und hielt auch an seinem Ziel für die Konsumentenpreisinflation von etwa 2% fest, während es zugleich anstrebt, die städtische Arbeitslosenquote bei rund 5.5% zu halten und 12 Millionen neue Stellen in Städten zu schaffen. Die Regierung plant umfangreiche, aber massvolle fiskalische Unterstützung, darunter Anleihen im Volumen von 1.3 Billionen Yuan in Form von ultralangfristigen speziellen Staatsanleihen sowie 4.4 Billionen Yuan an speziellen Zweckanleihen der Lokalregierungen. Der vorsichtigere Politikmix folgt auf ein Wirtschaftswachstum von 5% im vergangenen Jahr, trotz stagnierender Konsumentenpreise, sinkender Produzentenpreise und des ersten jährlichen Rückgangs der Anlageinvestitionen seit Jahrzehnten; gleichzeitig versuchen die Behörden, die Auswirkungen der US‑Zollmassnahmen und geopolitischer Risiken vor dem für später im Monat geplanten Besuch von US‑Präsident Donald Trump in China zu steuern.

Südkoreanische Aktien erholen sich nach starkem Ausverkauf

Die Kursbewegungen an den chinesischen Aktienmärkten fielen nach der Bekanntgabe der Wirtschaftsziele moderat aus: Der CSI 300 in Festlandchina lag 0.7% im Plus, während der Hang Seng Index in Hongkong praktisch unverändert blieb. Der südkoreanische Kospi‑Index erholte sich am Donnerstag deutlich und sprang um 9.6%, nachdem er am Vortag um 12% eingebrochen war. Die Erholung wurde weitgehend von der Rückabwicklung von Zwangsverkäufen im Zusammenhang mit Nachschussforderungen bei Retail-Anlegerinnen und ‑Anlegern getrieben und war weniger auf eine Veränderung der Fundamentaldaten zurückzuführen; die Schwergewichte unter den Chipherstellern, Samsung Electronics und SK Hynix, legten jeweils um mehr als 14% zu. Der japanische Nikkei 225 notierte 1.7% im Plus, der australische S&P/ASX 200 gewann 0.4% und der indische Nifty 50 lag 0.4% über seinem Schlussstand vom Vortag.

US‑Aktien legen dank Daten aus dem Dienstleistungssektor zu

Die US‑Aktienindizes erholten sich am Mittwoch, unterstützt von einer stärker als erwartet ausgefallenen Stimmung im US‑Dienstleistungssektor im Februar sowie sinkenden Ölpreisen nach jüngsten Ausschlägen im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran. Der Dow Jones Industrial legte nach den Verlusten vom Vortag um 0.5% zu, während der breite S&P 500 um 0.8% stieg und der technologieorientierte Nasdaq 100 um 1.5% zulegte. Der Services-Index des Institute for Supply Management (ISM), der die Geschäftstätigkeit, Neuaufträge und Beschäftigung im Dienstleistungssektor misst, entwickelte sich entgegen den Erwartungen positiv, und seine Komponente für gezahlte Preise fiel auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Dies signalisiert nachlassenden Kostendruck, obwohl die Kampfhandlungen anhalten. Unter den Einzeltiteln stieg die Aktie der Krypto-Börse Coinbase um 14.6%, nachdem Bitcoin zur Wochenmitte kräftig zugelegt hatte, nachdem US‑Präsident Trump Krypto-Unternehmen in ihrem Streit mit US‑Banken über die Verzinsung von Stablecoins unterstützt hatte. Bitcoin notierte am Donnerstag 5.6% fester bei rund USD 72'400.

US‑Privatbeschäftigung bleibt im Gesamtbild schwach

Private Arbeitgeber in den USA haben laut dem am Mittwoch veröffentlichten ADP‑Bericht im Februar 63'000 Stellen geschaffen, nach revidierten 11'000 im Januar, was über den Markterwartungen lag. Die Stellenzuwächse konzentrierten sich jedoch stark auf den Bildungs- und Gesundheitssektor mit 58'000 neuen Stellen sowie auf das Baugewerbe mit 19'000. Andere wichtige Sektoren wie die Bereiche professionelle und unternehmensbezogene Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe sowie Handel, Transport und Versorger bauten hingegen 30'000, 5'000 beziehungsweise 1000 Stellen ab und unterstreichen damit, dass dem Arbeitsmarkt trotz niedriger Entlassungszahlen eine breit abgestützte Stärke fehlt.

Schweizer Inflation im Februar stabil bei 0.1%

Die Konsumentenpreise in der Schweiz sind im Februar gegenüber Januar um 0.6% gestiegen, womit die Jahresteuerung unverändert bei 0.1% blieb. Dies geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten hervor, die am oberen Rand der Markterwartungen lagen. Der Preisdruck blieb bei inländischen Gütern deutlich höher: Hier lagen die Konsumentenpreise 0.6% über dem Vorjahresniveau, während die Preise für importierte Güter im Vergleich zum Februar des Vorjahres 1.6% niedriger waren. Das Bundesamt für Statistik stellte fest, dass der monatliche Anstieg hauptsächlich auf höhere Mieten, Flugtarife und tourismusbezogene Dienstleistungen zurückzuführen war. Der Swiss Market Index legte am Mittwoch 0.9% zu.

Arbeitslosigkeit in der Eurozone sinkt leicht

Eurostat meldete am Mittwoch, dass die Arbeitslosenquote in der Eurozone im Januar auf 6.1% gesunken ist, nach 6.2% im Dezember und 6.3% im Vorjahr. Die Zahl der Arbeitslosen ging schätzungsweise auf 10.770 Millionen zurück, was einem monatlichen Rückgang um 184'000 entspricht. Europäische Aktien notierten am Mittwoch im Plus: Der Euro Stoxx 50 stieg um 1.8%, der deutsche DAX legte 1.7% zu und der französische CAC 40 erhöhte sich um 0.8%.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG