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Eskalation im Nahen Osten setzt neuen Ton zu Wochenbeginn

Die Angst vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat die Anlegerinnen und Anleger zum Wochenstart verunsichert, nachdem ein US-Kriegsschiff am Sonntag im Golf von Oman den unter iranischer Flagge fahrenden Frachter Touska manövrierunfähig gemacht und aufgebracht hatte. Zuvor hatte der Iran Handelsschiffe in der Nähe der Strasse von Hormus beschossen. Die Ölpreise sprangen zu Wochenbeginn in die Höhe, da befürchtet wird, dass die fragile Waffenruhe und die Friedensbemühungen scheitern könnten, während Gold und Bitcoin nachgaben und die Renditen von US-Staatsanleihen weiter leicht anzogen. Die Aktienmärkte zeigten sich widerstandsfähig: US- und europäische Indizes hatten bereits am Freitag zugelegt, als der Iran die Strasse von Hormus vorübergehend wieder für den Handel freigegeben hatte. Die meisten asiatischen Börsen notierten am Montag im Plus, da Technologiewerte die geopolitischen Sorgen kompensierten.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Ein US-Zerstörer hat am Sonntag im Golf von Oman den unter iranischer Flagge fahrenden Frachter Touska manövrierunfähig gemacht und aufgebracht, nachdem die Besatzung des Schiffes angeblich rund sechs Stunden lang Funkwarnungen ignoriert hatte, wie US-Präsident Donald Trump und das US-Zentralkommando mitteilten. Der Einsatz stellt eine Verschärfung der US-Seeblockade für den Schiffsverkehr von und zu iranischen Häfen dar, die vergangene Woche begonnen hat, und folgt auf einen Beschuss von Handelsschiffen durch den Iran, die am frühen Sonntag versucht hatten, die nahe gelegene Strasse von Hormus zu passieren. Die Ölpreise legten am Montag deutlich zu: Die Nordseesorte Brent notierte über USD 95 und West Texas Intermediate (WTI) bei rund USD 88 je Barrel, da befürchtet wird, dass die Waffenruhe und die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran vollständig zusammenbrechen könnten. Der Goldpreis gab nach und lag bei rund USD 4790 je Unze, während Bitcoin nach unten tendierte und sich um USD 74100 bewegte. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen über die gesamte Kurve hinweg leicht an, wobei die Renditen für zweijährige und zehnjährige Staatsanleihen bei rund 3.7% beziehungsweise 4.3% lagen.

Geopolitik und Konjunkturdaten prägen vorsichtigen Handel

In dieser Woche beobachten die Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten genau, wo der anhaltende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran weiterhin die Risikostimmung und die Rohstoffpreise beeinflusst. Auf der Konjunkturseite steht die Inflation im Fokus: Das Vereinigte Königreich veröffentlicht am Mittwoch die Verbraucher- und Erzeugerpreisindizes für März, während Japan am Freitag die landesweiten Inflationsdaten vorlegt. Die Wachstumsdynamik wird am Donnerstag anhand einer breiten Palette von Einkaufsmanagerindizes (PMI) beurteilt, wenn Frankreich, Deutschland und die Eurozone ihre PMIs veröffentlichen, gefolgt von Grossbritannien und den USA später am Tag. Die Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt bleiben ein wichtiger Faktor für die US-Notenbank, mit den wöchentlichen Erstanträgen und fortgesetzten Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung am Donnerstag sowie der Veränderung der ADP-Beschäftigung am Dienstag. Schliesslich runden Stimmungsindikatoren von beiden Seiten des Atlantiks die Woche ab, darunter die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone (Dienstag), der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland (Freitag) sowie das Konsumklima der Universität Michigan in den USA (Freitag).

Asiatische Aktien überwiegend im Plus trotz geopolitischer Risiken

Die asiatischen Börsen legten am Montag leicht zu, gestützt von Technologiewerten, obwohl Anlegerinnen und Anleger die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran abwogen. Japans Nikkei 225 notierte 0.7% höher und Südkoreas Kospi stieg um 0.6%, unterstützt von einem Anstieg von mehr als 3% bei der Chipproduzentin SK Hynix, nachdem das Unternehmen Pläne zur Produktion eines neuen Servermoduls für Nvidias Chips der nächsten Generation bekanntgegeben hatte. In China liess die Zentralbank ihre massgeblichen Kredit-Leitzinsen am Montag den elften Monat in Folge unverändert und hielt den Einjahressatz bei 3% und den Fünfjahressatz bei 3.5%. Dies fiel zusammen mit einem Anstieg des CSI 300 um rund 0.4%, während der Hang Seng-Index in Hongkong ebenfalls um 0.5% zulegte. Die Futures auf den indischen Nifty 50 gewannen 0.2%, während der australische S&P/ASX 200 um 0.1% nachgab.

US-Aktien legten am Freitag zu, nachdem die Strasse von Hormus vorübergehend wieder geöffnet wurde

Die US-Börsen beendeten die Woche am Freitag mit deutlichen Kursgewinnen, nachdem der Iran angekündigt hatte, dass die Strasse von Hormus für die Dauer der Waffenruhe vollständig für den kommerziellen Schiffsverkehr geöffnet werde – eine Waffenruhe, die am Wochenende jedoch offenbar brüchig geworden ist. Am Freitag stieg der Nasdaq 100 um 1.3% auf ein neues Rekordhoch von 26672.43 Punkten, womit er auf Wochensicht 6.2% gewann. Der S&P 500 legte um 1.2% auf 7126.06 Punkte zu und verzeichnete damit ein Wochenplus von 4.5%, während der Dow Jones Industrial Average um 1.8% auf 49447.43 Punkte kletterte und damit weiterhin leicht unter seinem Allzeithoch blieb.

Handelsüberschuss der Eurozone geht deutlich zurück

Der Warenhandel der Eurozone wies im Februar einen Überschuss von EUR 11.5 Mrd. aus und lag damit bei etwa der Hälfte des Überschusses von EUR 23.1 Mrd. im Vorjahr, da die Ausfuhren in den Rest der Welt um 6.7% auf EUR 232.4 Mrd. zurückgingen. Die europäischen Aktienmärkte legten am Freitag deutlich zu, gestützt von der positiven Stimmung, nachdem der Iran vorübergehend die Passage durch die Schifffahrtsroute in der Strasse von Hormus erlaubt hatte. Der Euro Stoxx 50 sprang um 2.1%, während der deutsche DAX um 2.3% zulegte und der französische CAC 40 2% gewann. Der Swiss Market Index partizipierte ebenfalls an der Aufwärtsbewegung und stieg am Tag um 1.9%.

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Unternehmensnachrichten im Fokus: Quartalszahlen von Rio Tinto.

Konjunkturdaten im Fokus: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (12:00), Verbraucherpreisindex Kanada (14:30), Business Outlook Survey der Bank of Canada (16:30).

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Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG