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Fokus auf Berichtssaison und geopolitische Spannungen

Die Berichtssaison startet diese Woche mit den grossen US-Banken im Mittelpunkt, während die Anlegerinnen und Anleger zugleich wichtige US-Inflationsdaten und einen dichten europäischen Makrokalender vor dem Hintergrund erhöhter geopolitischer Risiken und anhaltender Diskussionen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank verfolgen. US-Aktien schlossen am Freitag fester, wobei der S&P 500 ein neues Rekordhoch markierte, europäische Märkte beendeten die Woche deutlich im Plus, und die Aktienmärkte im Asien-Pazifik-Raum tendierten am Montag überwiegend freundlicher, angeführt von Südkorea und Hongkong. Gold erreichte am Montag ein neues Rekordhoch und sprang in Richtung USD 4600 je Unze, während Silber sich USD 85 näherte, da Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve nach der angedrohten Strafanzeige gegen Fed-Präsident Jerome Powell und tödliche Proteste im Iran die Nachfrage nach sicheren Häfen stützten. Der US-Dollar gab leicht nach, der Dollar-Index fiel knapp unter 99, und Bitcoin legte moderat zu und notierte bei rund USD 91'700.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Earnings Season Wrap-Up
© Shutterstock

In dieser Woche richten die Märkte ihren Fokus auf einen vollen makroökonomischen Kalender und den Start der US-Berichtssaison für das vierte Quartal. Im Datenkalender steht in den USA die Inflation im Mittelpunkt, mit dem Verbraucherpreisindex (VPI) für Dezember am Dienstag sowie einer Reihe von Erzeugerpreis-, Detailhandels- und weiteren Aktivitätsindikatoren am Mittwoch, die den Anlegerinnen und Anlegern helfen werden, die Dynamik der US-Wirtschaft und die Implikationen für die Geldpolitik der Federal Reserve einzuschätzen. In Europa richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Dezember-Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien am Donnerstag und aus Deutschland am Freitag sowie auf die Industrieproduktion und die Handelszahlen der Eurozone, während der SECO-Konsumentenstimmungsindex für die Schweiz (Montag) und das Sentix-Investorenvertrauen für die Eurozone (Montag) frühe Hinweise auf die Stimmung liefern. Die Berichtssaison beginnt traditionell mit den US-Banken im Fokus: JPMorgan legt am Dienstag vor, gefolgt von Bank of America, Wells Fargo und Citigroup am Mittwoch sowie Morgan Stanley und Goldman Sachs am Donnerstag. Taiwan Semiconductor ergänzt am Donnerstag den Kalender um einen der weltweit grössten Technologietitel. Zudem werden die Märkte am Mittwoch die chinesischen Handelsdaten aufmerksam verfolgen, um zusätzliche Signale zum globalen Wachstum und zu den Handelsdynamiken zu erhalten, während die japanischen Börsen am Montag aufgrund eines Feiertags ("Seijin no Hi", Tag der Volljährigen) geschlossen bleiben.

Asien-Aktien steigen dank China-AI trotz geopolitischer Risiken

Die asiatischen Aktienmärkte legten am Montag zu, wobei Südkoreas Kospi (+0.8%) und Hongkongs Hang Seng (+1.2%) zu den besseren Performern zählten, da regionale Technologie- und Halbleiterwerte der Wall-Street-Rally vom Freitag folgten und die Euphorie über neu kotierte chinesische AI-Titel wie Z.AI und MiniMax anhielt. Festlandchinesische Indizes wie der CSI 300 (+0.6%) legten ebenfalls zu, unterstützt durch Optimismus in Bezug auf das heimische AI- und Halbleiter-Ökosystem sowie starke Dezember-Umsätze des Chipriesen TSMC. Breitere Zuwächse in Märkten wie Singapur und Australien wurden von festeren Rohstoffpreisen und Signalen zur Anlagestrategie der Staatsfonds GIC und Temasek gestützt, während Indiens Nifty 50 angesichts wachsender Unsicherheit über mögliche neue US-Handelsbeschränkungen hinterherhinkte.

US-Aktien steigen dank Zinssenkungshoffnungen

Gemischte US-Arbeitsmarktdaten schürten am Freitag die Erwartung schnellerer Zinssenkungen der Federal Reserve und trieben den S&P 500 zu einem Rekordschluss, mit einem Plus von 0.7%, während der Dow Jones Industrial Average um 0.5% zulegte. Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen zeigten, dass die Beschäftigung im Dezember nur um 50'000 Stellen zunahm und damit hinter den Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen zurückblieb sowie unter dem Novemberwert von 56'000 lag, was auf eine Abkühlung des Arbeitsmarktes und eine mögliche Abschwächung der Konjunkturdynamik hindeutet. Zinssensitive Technologie- und Halbleiteraktien führten die Gewinne an, wobei der Nasdaq 100 um 1% stieg und Intel fast 11% zulegte, während die Anordnung von US-Präsident Donald Trump zum Ankauf von Hypothekenanleihen im Umfang von USD 200 Milliarden deutliche Kursgewinne bei Hypothekenfinanzierern wie Rocket Companies und Opendoor Technologies auslöste. Unterdessen erklärte Fed-Präsident Jerome Powell am Sonntag, dass er wegen der USD 2.5 Milliarden teuren Renovation des Fed-Hauptsitzes und seiner diesbezüglichen Aussagen vor dem Kongress strafrechtlich untersucht wird. Er führte dies auf politischen Druck durch US-Präsident Donald Trump zurück – eine Entwicklung, die die Risikostimmung belasten könnte, da die Anlegerinnen und Anleger die Unabhängigkeit der Fed neu bewerten.

Schweizer Arbeitslosigkeit steigt im Dezember auf 3%

Die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt verschlechterte sich 2025, wobei die saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 2.7% im Januar auf 3% im Dezember anstieg und im Jahresdurchschnitt 2.8% erreichte, nach 2.4% im Jahr 2024. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank von 135'773 im Januar auf 126'877 im Juni, stieg danach aber kontinuierlich auf 147'275 im Dezember, während die Gesamtzahl der Stellensuchenden bis Jahresende auf 231'624 kletterte und zu einem Jahresdurchschnitt von 214'098 beitrug. Finanziell gesehen wird erwartet, dass die Arbeitslosenversicherung das Jahr 2025 mit einem Defizit von 0.32 Milliarden Franken abschliessen wird, da höhere Arbeitslosen- und Kurzarbeitsentschädigungen (6.58 Milliarden Franken bzw. 0.37 Milliarden Franken) mit reduzierten Bundesbeiträgen im Rahmen des neuen Entlastungsgesetzes zusammenfielen. Der Swiss Market Index legte am Freitag um 0.5 % zu.

Deutscher Handelsüberschuss schrumpft im November

Die um Kalender- und Saisonfaktoren bereinigten deutschen Warenausfuhren sanken im November auf EUR 128.1 Milliarden und lagen damit 2.5% unter dem Vormonat und 0.8% unter dem Vorjahreswert, wie die am Freitag veröffentlichten Daten zeigen. Die Importe stiegen gegenüber Oktober um 0.8% und gegenüber dem Vorjahr um 5.4% auf EUR 115.1 Milliarden, wodurch der bereinigte Handelsüberschuss von EUR 17.2 Milliarden im Oktober und EUR 20.0 Milliarden ein Jahr zuvor auf EUR 13.1 Milliarden zurückging. Die Vereinigten Staaten blieben trotz eines monatlichen Rückgangs der Exporte um 4.2% und eines jährlichen Einbruchs um 22.9% wichtigster Absatzmarkt, während China wichtigster Importpartner war; die Einfuhren von dort nahmen gegenüber Oktober um 8% zu und lagen in den ersten elf Monaten des Jahres 8.7% höher. Der DAX legte am Freitag um 0.5% zu.

Detailhandelsumsätze in der Eurozone steigen leicht

Wie Eurostat am Freitag mitteilte, stiegen die saisonbereinigten Detailhandelsumsätze im November sowohl in der Eurozone als auch in der EU um 0.2% gegenüber Oktober, nachdem die Umsätze in der Eurozone im Vormonat um 0.3% und in der EU um 0.2% zugenommen hatten. Kalenderbereinigt lagen die Verkaufsvolumen im Detailhandel im Jahresvergleich in beiden Regionen 2.3% höher, wobei das Wachstum vor allem von einer stärkeren Nachfrage nach Non-Food-Produkten getragen wurde, die im Euroraum um 3.5% und in der EU um 3.6% zunahm, während die Volumen bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak um 1.1% beziehungsweise 0.8% stiegen. Auf Monatsbasis legten die Umsätze mit Non-Food-Produkten im Euroraum um 0.4% zu; in der EU wuchsen die Non-Food-Umsätze ebenfalls um 0.4%, während die übrigen Hauptkategorien weitgehend stabil blieben. Die europäischen Aktienmärkte beendeten den Freitag deutlich im Plus, der Euro Stoxx 50 stieg um 1.6%.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG