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Geopolitik und Inflation belasten die Marktstimmung

Die US-Aktien gaben am Donnerstag nach, nachdem sie im Tagesverlauf neue Höchststände erreicht hatten. Erneute Spannungen im Iran-Krieg und Berichte über politische Machtkämpfe in Teheran schmälerten die Risikobereitschaft und belasteten Softwarewerte, während Chiphersteller von der starken Nachfrage nach Rechenzentren profitierten. In Europa schlossen die Aktienmärkte überwiegend tiefer, nachdem vorläufige Einkaufsmanagerindizes (PMI) zeigten, dass die Wirtschaftsaktivität im privaten Sektor der Eurozone wieder in den Kontraktionsbereich gerutscht ist. In Asien zeigten sich die Märkte am Freitag uneinheitlich: Japanische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich gut, nachdem Inflationsdaten eine allmähliche Beschleunigung der Teuerung bestätigten, die mit dem Straffungskurs der Bank of Japan im Einklang steht, während die meisten anderen wichtigen regionalen Indizes leicht schwächer tendierten. Die Anleiherenditen und der US‑Dollar veränderten sich kaum, und die Ölpreise hielten sich in der Nähe ihrer jüngsten Höchststände, während die Anlegerinnen und Anleger den heutigen Datenveröffentlichungen entgegensahen, darunter das deutsche ifo-Geschäftsklima und das US-Verbrauchervertrauen.

  • Datum
  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Fallender Markt
© Shutterstock

Die Aktienmärkte im Asien-Pazifik-Raum bewegten sich am Donnerstag ohne klare Richtung, da die Anlegerinnen und Anleger trotz der Einigung Israels und des Libanon bei einem Treffen im Weissen Haus auf eine Verlängerung ihres Waffenstillstands um 3 Wochen vorsichtig blieben, wie US-Präsident Donald Trump mitteilte. Japanische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich gut, wobei der Nikkei 225 um rund 0.9% zulegte, nachdem die Kerninflation in Japan im März auf 1.8% von 1.6% im Februar gestiegen war, was den Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen entsprach und höhere Energiekosten im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt widerspiegelte. Andere wichtige regionale Benchmarks waren überwiegend schwächer. Der südkoreanische Kospi zeigte sich nahezu unverändert, und der australische S&P/ASX 200 gab um 0.1% nach. Der Hang Seng Index in Hongkong trat weitgehend auf der Stelle, während der CSI 300 auf dem chinesischen Festland um 0.5% sank und der indische Nifty 50 unter Druck stand und 1% verlor. Die Öl-Futures bewegten sich kaum, wobei Brent-Rohöl bei rund USD 105 je Barrel notierte, während West Texas Intermediate (WTI) bei knapp USD 96 lag.

Japan-Inflation zieht aufgrund von Energie etwas an

Die Kernverbraucherpreise in Japan sind im März um 1.8% gestiegen, nach 1.6% im Februar und im Einklang mit den Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen, da der Iran-Konflikt den Aufwärtsdruck auf die Energiekosten erhöht hat, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Gesamtinflation legte auf 1.5% zu, nach 1.3% im Februar, und blieb damit den zweiten Monat in Folge unter dem 2%-Ziel der Bank of Japan, während das um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Kernmass (der sogenannte "core-core"-Index) auf 2.4% von 2.5% zurückging und damit den niedrigsten Stand seit Oktober 2024 erreichte. Die Regierung versucht, die Haushalte mit Massnahmen wie Treibstoffsubventionen, einer geplanten Obergrenze für Benzinpreise und der Freigabe von Ölreserven vor höheren Treibstoffkosten zu schützen, was zu einem Rückgang der Energiepreise im März um 5.7% beigetragen hat. Analystinnen und Analysten erwarten, dass hohe Ölpreise die Kerninflation bis zum Ende des Fiskaljahres 2026 in Richtung 3% treiben und damit den graduellen Straffungskurs der Bank of Japan unterstützen. Es wird weithin damit gerechnet, dass die Zentralbank ihren Leitzins an ihrer Sitzung Ende April trotz der erwarteten Anhebung der Inflationsprognose und Senkung der Wachstumsprojektionen bei 0.75% belässt.

US-Aktien geben wegen Iran-Sorgen nach

Die US-Aktienindizes gaben am Donnerstag nach, nachdem sie zuletzt Rekordhochs markiert hatten, da erneute geopolitische Spannungen im Iran-Krieg und Berichte über interne Machtkämpfe in Teheran auf die Stimmung drückten. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 0.4% auf 49'310.32 Punkte und hinkte erneut hinterher, während der S&P 500 um 0.4% auf 7108.40 Punkte nachgab und der Nasdaq 100 um 0.6% auf 26'782.63 Punkte sank, nachdem beide breiteren Benchmarks im Verlauf der Sitzung zwischenzeitlich Rekordstände erreicht hatten. Softwarewerte gerieten angesichts wiederauflebender Sorgen über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz und einer durch den Iran-Konflikt gedämpften Nachfrage stark unter Druck: ServiceNow brach nach enttäuschenden Quartalszahlen und verhaltenen Aussagen zum Auftragseingang um fast 18% ein, und grosse Konzerne wie Microsoft, Salesforce, Oracle, Adobe und IBM verloren zwischen rund 4% und mehr als 8%. Im Gegensatz dazu legten Halbleiterwerte zu, angeführt von Texas Instruments, das nach starken Quartalsergebnissen und einem zuversichtlichen Jahresausblick im Zusammenhang mit den Ausgaben für Rechenzentren um rund 19% zulegte. Die Aktien von Intel stiegen im nachbörslichen Handel am Donnerstag ebenfalls um mehr als 16%, nachdem der US-Halbleiterkonzern Quartalsergebnisse für das erste Quartal vorgelegt hatte, die die Erwartungen der Analystinnen und Analysten deutlich übertrafen, und einen optimistischen Ausblick präsentierte, der von einer robusten Nachfrage nach Rechenzentren getragen wird.

Bei den Konjunkturdaten stiegen die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in der Woche bis 18. April saisonbereinigt auf 214'000, ein Anstieg um 6000 gegenüber der Vorwoche, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Das Niveau der Anträge, das in etwa den Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen entsprach, signalisiert weiterhin einen insgesamt stabilen Arbeitsmarkt trotz nachlassender Einstellungsbereitschaft.

Eurozone-PMI signalisiert kriegsbedingte Abschwächung

Die Wirtschaftsaktivität im privaten Sektor der Eurozone ist im April in den Kontraktionsbereich gerutscht, wobei der vorläufige Composite-PMI von 50.7 im März auf 48.6 fiel und damit den niedrigsten Stand seit 17 Monaten erreichte, wie aus zwischen dem 9. und 21. April erhobenen und am Donnerstag veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Aktivität im Dienstleistungssektor ging erstmals seit fast einem Jahr zurück und verzeichnete den stärksten Rückgang seit Anfang 2021, während die Industrieproduktion und der Industrie-PMI auf die höchsten Stände seit mehreren Monaten stiegen, was teilweise auf vorsorgliche Lageraufbauten vor dem Hintergrund von Angebotsengpässen zurückzuführen war. Der Krieg im Nahen Osten trieb die Inputkosten und die Absatzpreise auf die höchsten monatlichen Zuwächse seit mehr als 3 Jahren, verschärfte Lieferkettenverzögerungen und belastete das Geschäftsklima, das auf den niedrigsten Stand seit Ende 2022 zurückfiel. Die europäischen Aktienmärkte schlossen am Donnerstag uneinheitlich, wobei die meisten wichtigen Indizes leichte Verluste verzeichneten. Der Euro Stoxx 50 gab um 0.3% nach, während der deutsche DAX um 0.2% nachliess. Der französische CAC 40 widersetzte sich dem Trend und legte um 0.9% zu, während der Swiss Market Index mit einem Plus von 1.4% überdurchschnittlich abschnitt.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG