LGT Navigator

Märkte belastet durch uneinige Fed und Ölpreissprung

Die globale Risikostimmung verschlechterte sich zur Wochenmitte, da die tief gespaltene Federal Reserve die Zinsen unverändert liess und die Ölpreise infolge eskalierender Spannungen rund um den Iran anzogen. US-Aktien schlossen am Mittwoch mehrheitlich tiefer, während auch die europäischen Märkte nachgaben und die Börsen im asiatisch-pazifischen Raum am Donnerstag breit im Minus handelten, wobei insbesondere energieabhängige Sektoren unter Druck standen. Die Kombination aus erhöhten Energiepreisen, anhaltender Inflation und wichtigen Zentralbanksitzungen sorgt dafür, dass die Anleiherenditen und der US-Dollar leicht fester bleiben, selbst wenn sich Anlegerinnen und Anleger darauf konzentrieren, ob die stark steigenden KI-bezogenen Investitionsausgaben grosser US-Technologiekonzerne letztlich in stärkeres Gewinnwachstum münden werden. Am Donnerstag richtet sich die Aufmerksamkeit auf einen dicht gefüllten Daten- und Zentralbankkalender, einschliesslich Zinsentscheiden der Bank of England und der Europäischen Zentralbank.

  • Datum
  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

© Shutterstock

Die Federal Reserve beliess ihren Leitzins für Federal Funds am Mittwoch in einer Bandbreite von 3.5% bis 3.75% unverändert. Es war ein stark umstrittener Entscheid mit 4 Gegenstimmen, so vielen wie seit 1992 nicht mehr, da die Währungshüterinnen und Währungshüter versuchten, die hartnäckig erhöhte Inflation gegen einen sich abkühlenden, aber weiterhin robusten Arbeitsmarkt abzuwägen. Vorsitzender Jerome Powell, der die Führung voraussichtlich Mitte Mai an den designierten Vorsitzenden Kevin Warsh übergeben wird, signalisierte, dass er im Board of Governors bleiben werde, bis eine viel beachtete Untersuchung zu Renovationen an Gebäuden der Federal Reserve vollständig abgeschlossen ist. Damit wird Trump kurzfristig keinen zusätzlichen Sitz im Board besetzen können. Fed-Vertreterinnen und -Vertreter sowie die Märkte rechnen derzeit über einen längeren Zeitraum mit wenig Veränderung bei den Zinsen. Währungshüterinnen und Währungshüter prognostizieren in diesem Jahr nur noch eine weitere Zinssenkung und eine weitere im Jahr 2027, um den Leitzins näher an sein geschätztes neutrales Niveau von rund 3.1% heranzuführen, wobei sie zugleich erhebliche Unsicherheit in Bezug auf den Wirtschaftsausblick einräumen. Auch die Bank of Canada beliess ihren Leitzins am Mittwoch unverändert bei 2.25%, da die Verantwortlichen die inflationären Auswirkungen des Iran-Kriegs und die anhaltende Unsicherheit über die US-Handelspolitik abwogen.

Öl schiesst nach oben, da Iran-Risiken eskalieren

Die Öl-Futures sprangen am Mittwoch und Donnerstag zusammen um fast 10% nach oben. Brent-Rohöl-Futures wurden bei rund USD 113 und West Texas Intermediate (WTI) bei etwa USD 109 je Barrel gehandelt, nachdem berichtet worden war, dass das US-Militär eine Unterrichtung von US-Präsident Donald Trump über mögliche Massnahmen gegen den Iran vorbereitet. Die Sorgen am Markt nahmen zu, dass eine längere amerikanische Seeblockade und stockende Atomgespräche die iranischen Exporte weiter einschränken könnten. Begrenzte Lagerkapazitäten und nur schrittweise zusätzliche Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach deren Austritt aus der OPEC könnten die kurzfristige Verknappung verstärken, auch wenn strategische Reserven und bereits auf dem Transportweg befindliches Rohöl einen gewissen Ausgleich bieten. Der US-Dollar legte am Donnerstag moderat zu, wobei der Dollar-Index über 99 stieg. Die Goldpreise zogen am Donnerstag an und wurden bei rund USD 4570 je Unze gehandelt, während die Renditen von US-Staatsanleihen entlang der gesamten Kurve leicht höher lagen.

Asiatische Märkte durch Ölpreissprung unter Druck

Die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum handelten am Donnerstag mehrheitlich tiefer, da der starke Anstieg der Ölpreise auf die Stimmung drückte. Japans Nikkei 225 notierte 1.2% tiefer bei 59'196.50 Punkten, während Koreas Kospi 0.9% nachgab. Australiens S&P/ASX 200 verlor 0.3% und Hongkongs Hang Seng Index notierte 1% im Minus. Chinas CSI 300 auf dem Festland war nahezu unverändert und gab um 0.1% nach, während Indiens Nifty 50 stärker unter Druck stand und 1.5% fiel.

Chinas Fabrikwachstum schwächt sich im April ab

Bei den makroökonomischen Daten aus der Region sank Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im April leicht auf 50.3 nach 50.8 im März. Damit blieb er im Expansionsbereich und lag leicht über den Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen von 50.1, auch wenn schwächere Neuaufträge gemäss den am Mittwoch veröffentlichten Daten auf einen Verlust an Dynamik hindeuteten. Produktion und gesamte Neuaufträge, einschliesslich Exportaufträgen, die erstmals seit rund 2 Jahren wieder über 50 stiegen, stützen den Industriesektor weiterhin, auch wenn die Binnennachfrage fragil erscheint und höhere Ölpreise infolge der Spannungen im Nahen Osten die Inputkosten anheben. Eine separate private Umfrage von S&P Global zeichnete ein stärkeres Bild für die Fabriken: Ihr Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 52.2 und damit auf den höchsten Stand seit Dezember 2020, unterstützt durch solide Nachfrage, Effizienzgewinne und neue Produkteinführungen. Die Zahlen erscheinen zu einem Zeitpunkt, zu dem sich Peking auf ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump im Mai vorbereitet, bei dem Handel und Zölle im Mittelpunkt stehen werden.

US-Aktien fallen, Tech-Capex steigt

US-Aktien schlossen am Mittwoch mehrheitlich tiefer, da sinkende Aussichten auf unmittelbar bevorstehende Zinssenkungen der Federal Reserve die Risikobereitschaft dämpften. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 0.6% auf 48'861.81 Punkte und der breite S&P 500 gab um 0.04% auf 7135.95 Punkte nach, während der technologielastige Nasdaq 100 um 0.6% auf 27'186.98 Punkte stieg. Nach Börsenschluss veröffentlichten Alphabet, Meta, Amazon und Microsoft am Mittwoch allesamt Quartalsergebnisse, die über den Prognosen der Analystinnen und Analysten lagen, doch die Investitionsausgaben blieben im Fokus. Die Google-Muttergesellschaft Alphabet war der klare Gewinner am Markt: Ihre Aktien stiegen im nachbörslichen Handel um fast 7%, nachdem das Unternehmen auch die geplanten Ausgaben für KI-Infrastruktur erhöht hatte, während die Facebook-Muttergesellschaft Meta um mehr als 7% fiel, nachdem sie für das 2. Quartal ein stagnierendes Umsatzwachstum signalisiert hatte. Bei Microsoft und Amazon fielen die Kursbewegungen geringer aus. Während die Zahlen darauf hindeuteten, dass sich die Infrastrukturausgaben in der Branche weiter beschleunigen werden, bleiben Investorinnen und Investoren darauf fokussiert, ob die erhöhten KI-bezogenen Investitionsausgaben in stärkere Umsätze münden werden.

Deutsche Inflation steigt im April

Die jährliche Inflationsrate in Deutschland dürfte im April auf 2.9% gestiegen sein, nach 2.7% im März und 2.1% vor einem Jahr. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, die Destatis am Mittwoch veröffentlichte. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vormonat um 0.6%, während die Kerninflation, die Nahrungsmittel und Energie ausklammert, von 2.5% auf 2.3% zurückging. Der Anstieg der Gesamtinflation wurde vor allem von den Energiepreisen getrieben, die gegenüber dem Vorjahr um 10.1% zulegten, nachdem sie im März um 7.2% gestiegen waren. Das war der stärkste Anstieg seit Februar 2023. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, der für Vergleiche in der Eurozone verwendet wird, lag im April ebenfalls bei 2.9% gegenüber dem Vorjahr, nach einem monatlichen Anstieg von 0.5%. Die europäischen Aktienmärkte schlossen am Mittwoch tiefer. Der Euro Stoxx 50 fiel um 0.4%, während Deutschlands DAX 0.3% verlor und Frankreichs CAC 40 ebenfalls um 0.4% nachgab. Der Swiss Market Index entwickelte sich schwächer und büsste 0.9% ein.

Unternehmens- und Wirtschaftskalender

Unternehmensnachrichten im Fokus: Quartalszahlen von Amgen, Apple, BASF, Bristol-Myers Squibb, Caterpillar, Cigna, ConocoPhillips, Deutsche Post, Eli Lilly, Glencore, ING, Mastercard, Merck, Schneider Electric, Stellantis, Stryker und Volkswagen.

Konjunkturdaten im Fokus: Bruttoinlandsprodukt Frankreich (07:30), Bruttoinlandsprodukt Deutschland (08:00), Einzelhandelsumsätze Deutschland (08:00), KOF-Konjunkturbarometer Schweiz (09:00), Arbeitslosenquote Deutschland (09:55), Verbraucherpreisindex EU (11:00), Arbeitslosenquote EU (11:00), Bruttoinlandsprodukt EU (11:00), Zinsentscheidung der Bank of England (13:00), Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (14:15), Bruttoinlandsprodukt USA (14:30), persönliche Konsumausgaben USA (14:30), wöchentliche Erstanträge Arbeitslosenhilfe USA (14:30), Bruttoinlandsprodukt Kanada (14:30), Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde spricht (17:15).

Treffen Sie fundierte Anlageentscheide mit LGT

Globale Markt- und Wirtschaftsentwicklungen auf einen Blick

Folgen Sie uns auch auf Facebook oder LinkedIn – oder besuchen Sie Insights und entdecken Sie spannende Hintergrundartikel. Bei Fragen steht Ihnen ein Berater der Bank gerne zur Verfügung.

Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG