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Ölpreissprung setzt Märkte unter Druck

Die Ölpreise gaben am Montag nach einem früheren Sprung in die Nähe von Mehrjahreshöchstständen wieder etwas nach, nachdem Berichte die Runde machten, dass die G7‑Finanzministerinnen und ‑Finanzminister eine koordinierte Freigabe von Notfallreserven erwägen. Rohöl liegt jedoch seit Beginn des Iran‑Konflikts weiterhin deutlich höher und verunsichert die globalen Märkte. Die Aktienmärkte in Asien gaben zu Wochenbeginn kräftig nach, wobei die Indizes in Japan und Südkorea die breiten regionalen Verluste anführten, da der Ölpreisschub auf energieimportierenden Volkswirtschaften lastete. Etwas festere Inflationsdaten aus China konnten die Stimmung kaum stützen. Die Aktienmärkte in den USA und Europa schlossen am Freitag tiefer, belastet durch die Sorgen über den Krieg im Nahen Osten, schwächere US‑Arbeitsmarktdaten und ein nachlassendes Wachstum im Euroraum.

  • Datum
  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Markt-Zahlen
© Shutterstock

Die wichtigsten Ölbenchmarks gaben am Montag einen Teil ihrer starken zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab, nachdem laut Marktberichten bekannt wurde, dass die G7‑Finanzministerinnen und ‑Finanzminister gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur eine koordinierte Freigabe von Notfallölreserven erörtern wollen. Brent‑Rohöl, das zwischenzeitlich um mehr als 30% auf ein Tageshoch knapp unter USD 120 je Barrel gestiegen war, notierte später bei rund USD 106.80, während die Futures auf West Texas Intermediate nach einem Tageshoch von fast USD 120 auf etwa USD 102.79 zurückfielen - Niveaus, die zuletzt Mitte 2022 erreicht worden waren. Die Preise sind seit Beginn des Iran‑Kriegs vor rund zehn Tagen um mehr als 25% gestiegen, nachdem US‑amerikanische und israelische Angriffe auf iranische Ölanlagen sowie Vergeltungsangriffe auf regionale Energieinfrastruktur und die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, die wichtige Route faktisch blockierten und Produzenten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait angesichts voller Lager zu Förderkürzungen zwangen. In der Folge legte der US‑Dollar zu, während der Goldpreis um rund 0.8% auf etwa USD 5130 je Unze fiel. Die Renditen von US‑Staatsanleihen stiegen über die gesamte Laufzeitenkurve hinweg, wobei die 2‑jährige und die 10‑jährige Referenzanleihe bei rund 3.6% bzw. 4.2% rentierten.

Asiatische Märkte stürzen wegen Ölpreissprung ab

Die Aktienmärkte in Asien gaben am Montag kräftig nach, nachdem die Ölpreise ihren grössten Tagesanstieg seit fast vier Jahrzehnten verzeichneten. Südkoreas Kospi verlor 6% und löste damit zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einen 20‑minütigen Handelsstopp aus, während Japans Nikkei 225 um 5.2% einbrach. Der Ölpreisschock traf regionale Schwergewichte wie Samsung Electronics, SK Hynix, SoftBank und mehrere japanische Halbleiterwerte. Der australische S&P/ASX 200 lag 2.9% im Minus, und Indiens Nifty 50 gab um 2.4% nach. Der Hang Seng Index in Hongkong notierte 1.5% tiefer, und Chinas Festlandsindex CSI 300 lag nach der Veröffentlichung von Inflationsdaten 0.8% im Minus. Chinas Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im Februar im Jahresvergleich um 1.3%, nach 0.2% im Januar, und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren, wie aus am Montag veröffentlichten Daten hervorgeht. Reiseaktivitäten und Ausgaben rund um das chinesische Neujahrsfest liessen die Preise für Dienstleistungen wie Flugtickets und Goldschmuck deutlich anziehen. Peking strebt in diesem Jahr ein BIP‑Wachstum zwischen 4.5% und 5% sowie eine Verbraucherpreisinflation von rund 2% an. Der Markt erwartet, dass die People’s Bank of China weiteren Spielraum für geldpolitische Lockerungen behält, sofern sich der Ölpreisschock nicht deutlich stärker und anhaltender als erwartet auswirkt.

US‑Inflations‑ und Wachstumsdaten im Fokus

In dieser Woche werden die Märkte die Entwicklungen im Nahen Osten genau verfolgen und gleichzeitig eine Reihe von US‑Makrodaten verdauen, die Aufschluss über die Inflationsdynamik und die Widerstandskraft des Wirtschaftswachstums geben. Am Mittwoch wird der US‑Verbraucherpreisindex (VPI) für Februar veröffentlicht, gefolgt am Freitag vom bevorzugten Inflationsmass der US‑Notenbank, den Preisindizes für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) für Januar. Beide Datensätze zusammen tragen dazu bei, den Inflationshintergrund für künftige geldpolitische Entscheidungen zu klären. Ebenfalls am Freitag liefern die Zahlen zum US‑Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal sowie der Stellenbericht JOLTS (Job Openings and Labor Turnover Survey) und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Nachfrage und die Lage am Arbeitsmarkt. In Europa geben die VPI‑Daten für Februar aus Deutschland (Mittwoch) sowie aus Frankreich und Spanien (Freitag) ein Update zum Disinflationsprozess in den grössten Volkswirtschaften der Region. Das Vereinigte Königreich veröffentlicht am Freitag eine Reihe von Daten zu BIP, Industrie‑ und Fertigungsproduktion sowie zum Aussenhandel für Januar. Aus Asien werden die BIP‑Zahlen Japans für das vierte Quartal am Dienstag sowie eine Reihe von chinesischen Preis‑ und Aussenhandelsdaten zu Wochenbeginn auf Anzeichen für eine Stabilisierung von Wachstum und Preisen hin beobachtet.

US‑Aktien geben wegen Iran‑Krieg und KI‑Sorgen nach

Die Aktienmärkte in den USA schlossen am Freitag im Minus: Der Dow Jones Industrial Average fiel um fast 1% auf 47'501.55 Punkte, und der S&P 500 verlor 1.3%, während der Nasdaq 100 um 1.5% auf 24'643.02 Punkte sank und die Woche 1.3% tiefer beendete. Die Marktstimmung verschlechterte sich, nachdem US‑Präsident Donald Trump die "bedingungslose Kapitulation" des Irans forderte und die steigenden Ölpreise Inflations‑ und Wachstumssorgen schürten, auch wenn schwächere US‑Arbeitsmarktdaten die Erwartungen verstärkten, dass die US‑Notenbank auf Zinssenkungen zusteuern könnte. Die Beschäftigung ausserhalb der Landwirtschaft ging im Februar um 92'000 Stellen zurück und widersprach damit Markterwartungen eines Stellenaufbaus, wodurch die Arbeitslosenquote auf 4.4% stieg, wie aus den am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten hervorgeht. Gleichzeitig wurden die Vormonate nach unten revidiert und zeigen damit ein schwächeres Beschäftigungswachstum als zuvor gemeldet. Technologiewerte mit Bezug zur künstlichen Intelligenz gerieten unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass der Softwarekonzern Oracle und der KI‑Entwickler OpenAI ihre Pläne zum Ausbau eines zentralen KI‑Rechenzentrums aufgrund langwieriger Finanzierungsverhandlungen und veränderter Anforderungen aufgegeben haben. Dies belastete Aktien wie Oracle, Meta Platforms und Nvidia.

Europäische Aktien geben nach, BIP‑Wachstum verlangsamt sich

Die wichtigsten europäischen Aktienindizes schlossen am Freitag nach einer Woche des Kriegs in Iran deutlich tiefer. Der Leitindex EuroStoxx 50 für den Euroraum fiel um 1.1% auf 5719.90 Punkte und lag damit auf Wochensicht 6.8% im Minus, während der Schweizer SMI um 1.5% nachgab und ebenfalls einen deutlichen Wochenverlust verzeichnete. Öl‑ und Gaswerte zählten zu den wenigen Gewinnern, darunter Eni, TotalEnergies, BP und Shell, ebenso wie Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, Safran, Thales und BAE Systems. Die meisten anderen Sektoren gaben nach, und zahlreiche Reise‑ und Freizeitaktien verloren ihre anfänglichen Kursgewinne wieder angesichts der Sorgen über gestörten Luftverkehr und die Instabilität in der Region. Auf der Makroseite legte das saisonbereinigte BIP im Euroraum und in der EU im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0.2% zu, nach 0.3% bzw. 0.4% im dritten Quartal, wie aus in dieser Woche veröffentlichten Eurostat‑Daten hervorgeht. Im Gesamtjahr 2025 erreichte das Wachstum 1.4% im Euroraum und 1.5% in der EU.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG