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April 2026 - das Wichtigste in Kürze

In den vergangenen Wochen hat die Unsicherheit weltweit wieder zugenommen. Der Konflikt mit dem Iran und die faktische Blockade der Strasse von Hormus haben die Öl- und Gaspreise stark in die Höhe getrieben. Dies trifft die Regionen unterschiedlich stark: Während die Vereinigten Staaten durch ihre Energieautarkie abgeschirmt sind, ist Europa weitaus stärker gefährdet und sieht sich dem Risiko eines schwächeren Wachstums in Verbindung mit höherer Inflation ausgesetzt. Solange es sich um einen Angebotsschock ohne starke Lohn-Preis-Spiralen handelt, können es sich die Zentralbanken leisten, abzuwarten - doch die Bandbreite möglicher Entwicklungen ist ungewöhnlich gross, sodass unserer Ansicht nach Vorsicht geboten ist.

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

Landkarte Iran

Vor diesem Hintergrund behalten wir unsere allgemeine Aktienposition bei "Neutral" bei und fokussieren auf Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit. Wir bleiben bei einem "Untergewicht" bei Investment-Grade-Anleihen und "Übergewicht" bei Barmitteln, da die Märkte offenbar weiterhin eine relativ schnelle Lösung der Krise einpreisen und die Bewertungen kaum Spielraum für Fehler lassen. Aktien aus Schwellenländern - die zu Beginn des Jahres eine starke Performance zeigten - sind nun aufgrund ihrer Energieabhängigkeit aus dem Nahen Osten anfälliger, weshalb wir sie vorerst von "Attraktiv" auf "Neutral" herabgestuft haben.

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere hat die zunehmende Unsicherheit hinsichtlich der Inflation die Renditen in die Höhe getrieben, doch die längerfristigen Inflationserwartungen bleiben weitgehend stabil. Dies spricht für eine ausgewogenere Sichtweise, und wir haben Staatsanleihen auf "Neutral" angehoben, während wir gleichzeitig Anleihen aus Schwellenländern in Hartwährung angesichts des anhaltenden Drucks durch einen festeren US-Dollar sowie höherer Energie- und Lebensmittelkosten auf "Neutral" herabgestuft haben. 

Wir gehen jedoch weiterhin davon aus, dass der US-Dollar in den kommenden Quartalen allmählich nachgeben wird, da die US-Notenbank ihre Geldpolitik letztendlich lockern wird, was den Euro und den Schweizer Franken auf Dauer stützen dürfte. Edelmetalle profitieren weiterhin von geopolitischen Spannungen und der strukturellen Nachfrage, doch nach den starken Kursgewinnen haben wir Gold und Silber taktisch auf "Neutral" herabgestuft. Strukturell gesehen schätzen wir sie nach wie vor positiv ein - wir ziehen es jedoch vor, auf günstigere Einstiegsmöglichkeiten zu warten.

Makroökonomisches Umfeld

Der Konflikt zwischen Israel und den USA mit dem Iran führte zu einer Blockade der Strasse von Hormus und hat Öl- und Gaspreise auf Mehrjahreshochs getrieben. Die wirtschaftlichen Folgen sind asymmetrisch: Die USA bleiben durch ihre Energieautarkie relativ geschützt, während die Eurozone im Risikofall mit einer Stagflation konfrontiert sein könnte. Solange der Preisauftrieb angebotsseitig bleibt und Zweitrundeneffekte ausbleiben, dürften die Notenbanken vorerst stillhalten - die hohe Pfadvarianz gebietet Investorinnen und Investoren jedoch klare Zurückhaltung.

Anlagestrategie

Da die Bandbreite der möglichen Entwicklungen der eskalierenden Krise im Nahen Osten gross und schwer quantifizierbar ist, halten wir unser Aktienengagement auf "Neutral" und konzentrieren uns auf Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit, während wir Investment-Grade-Anleihen taktisch "Untergewichten" und Barmittel "Übergewichten". Unsere Szenarioanalyse deutet darauf hin, dass die USA dank grösserer Energieautonomie relativ widerstandsfähig sind, während Europa anfälliger für anhaltende Energiepreisschocks ist. Die marktbasierten Inflationserwartungen sind in beiden Regionen gestiegen, doch die Auswirkungen werden davon abhängen, wie hoch die Energiepreise steigen und wie lange sie auf diesem hohen Niveau bleiben. Angesichts der hohen Bewertungen und der Tatsache, dass Anlegerinnen und Anleger weiterhin von einer relativ schnellen Lösung ausgehen, sehen wir aber eine verbleibende Anfälligkeit.

Aktienstrategie

Je länger der Konflikt andauert - und je grösser seine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit sind -, desto stärker dürfte der Druck auf die Börsen zunehmen. Wie sich die Lage weiterentwickeln wird, lässt sich nach wie vor nur schwer einschätzen, weshalb die Volatilität voraussichtlich hoch bleiben wird. Bis zum Iran-Konflikt hatten sich die Schwellenländer stark entwickelt, vor allem dank Taiwan und Südkorea, die beide eine hohe Gewichtung im IT-Sektor aufweisen. Diese Länder sind jedoch auch stark von Öllieferungen aus dem Nahen Osten abhängig und daher stärker gefährdet. Nach starken Zuflüssen haben Anlegerinnen und Anleger in letzter Zeit begonnen, Gelder abzuziehen. Obwohl wir die längerfristigen Aussichten für die Schwellenländer weiterhin positiv einschätzen, haben wir die Bewertung von Schwellenländeraktien angesichts des derzeitigen Umfelds mit hohem Risiko und geringer Vorhersehbarkeit von "Attraktiv" auf "Neutral" herabgestuft.

Anleihenstrategie

Der Iran-Konflikt hat die Inflationsrisiken spürbar erhöht und an den Zinsmärkten ein deutliches "Repricing" ausgelöst, das jedoch primär durch erhöhte Unsicherheit getrieben scheint. Die langfristigen Inflationserwartungen, gemessen an den 5-Jahres/ 5-Jahres-Inflationsswaps, bleiben bislang verankert. Solange dies der Fall ist, erscheint das aktuelle Zinsniveau am kurzen Ende übertrieben. Vor diesem Hintergrund haben wir Staatsanleihen von "Unattraktiv" auf "Neutral" hochgestuft. Schwellenländer Hartwährungen haben wir hingegen von "Attraktiv" auf "Neutral" zurückgestuft, da strukturelle Gegenwinde durch US-Dollar- Stärke, Inflationsdruck und die besondere Verwundbarkeit von Schwellenländern gegenüber Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks zunehmen.

Währungsstrategie

Wir gehen weiterhin davon aus, dass der US-Dollar in den kommenden Quartalen an Wert einbüssen wird, da die US-Notenbank im Jahr 2026 voraussichtlich zwei Zinssenkungen vornehmen wird - mehr als derzeit eingepreist -, wodurch sich der Zinsvorteil des Greenback allmählich auflöst. Für den EUR/USD-Kurs erwarten wir einen Anstieg, mit einem fairen Wert bei etwa 1.16–1.17 und Kurszielen von 1.20 (6M) und 1.22 (12M), während ein strukturell starker Schweizer Franken und eine SNB, die den Leitzins bei 0% belässt - obwohl sie laut der letzten Sitzung bereit ist, einer raschen, übermässigen Aufwertung durch Devisenmarktinterventionen entgegenzuwirken -, eine allmähliche Abwärtsbewegung des USD/CHF in Richtung 0.74 (6M) und 0.73 (12M) sowie des EUR/CHF in Richtung 0.888 unterstützen.

Edelmetalle

Edelmetalle profitieren weiterhin von der geopolitischen Fragmentierung und - im Falle von Silber - von einer soliden strukturellen Industrienachfrage, während die Diversifizierung der Zentralbanken weg vom US-Dollar eine zusätzliche, beständige Nachfrage schafft. Gleichzeitig haben straffere finanzielle Rahmenbedingungen, erhöhte Volatilität und die jüngsten Kursgewinne die kurzfristigen Bewertungen anspruchsvoller gemacht, sodass wir trotz der Beibehaltung der mittelfristigen Ziele von USD 5300 (6M) und USD 5500 (12M) für Gold sowie USD 88 (6M) und USD 95 (12M) für Silber, unsere taktische Einschätzung von "Attraktiv" auf "Neutral" gesenkt haben. Strukturell sprechen Geopolitik, Dekarbonisierungstrends sowie die anhaltende Nachfrage seitens der Zentralbanken und der Industrie für weiteres Aufwärtspotenzial über einen Zeithorizont von sechs bis zwölf Monaten, doch der bevorzugte Ansatz besteht darin, vorerst an der Seitenlinie zu bleiben.