LGT Private Banking House View

März 2026 - das Wichtigste in Kürze

Manchmal reichen wenige Datenpunkte, um eine Stimmung zu drehen. Nach einem zähen Industriejahr 2025 war die Lage vielerorts gedämpft: Lieferkettenverschiebungen, Zollstreitigkeiten, die Sorge vor einer konjunkturellen Delle nach dem KI-Investitionsboom. Nun senden die jüngsten Stimmungsindikatoren - allen voran der deutliche Sprung des US-ISM für das verarbeitende Gewerbe - erstmals wieder ein anderes Signal: Die globale Industrie meldet sich zurück.

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

Scheideweg
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Noch ist das kein Selbstläufer für einen breiten Aufschwung, aber das Umfeld hat sich aufgehellt: Die gesunkenen Zinsniveaus entfalten zunehmend realwirtschaftliche Wirkung, die zuletzt abgeflaute Zollunsicherheit entlastet den Ausblick, und fiskalische Impulse stützen die Investitionstätigkeit. Vor diesem Hintergrund halten wir im Investment Committee von LGT Private Banking Europe an einer moderat risikoorientierten Positionierung fest: Aktien bleiben "Übergewichtet", Anleihen und alternative Anlagen "Neutral", Liquidität "Untergewichtet" gegenüber der strategischen Allokation.

Gleichzeitig werden die Märkte selektiver: KI ist weiterhin ein zentrales Thema, doch die Zeit der breiten Euphorie ist vorbei. Gewinner und Verlierer werden genauer unterschieden - das schafft Chancen, verlangt aber auch mehr Gelassenheit bei temporären Rücksetzern. Für den US-Dollar sehen wir strukturellen Gegenwind, während Euro und Schweizer Franken von soliden Fundamentaldaten profitieren. Und Edelmetalle unterstreichen nach der jüngsten Korrektur erneut ihre Rolle als Absicherungsbaustein in einer Welt mit geopolitischen Spannungen und hohen Staatsschulden.

In dieser House-View-Ausgabe zeigen wir, wie wir dieses Spannungsfeld aus Tauwetter und möglichen Trendwenden einordnen - von der Industrie über die regionale Aktien- und Anleihestrategie bis hin zu Währungen und Edelmetallen.

Makroökonomisches Umfeld

Nach einem schwachen Industriejahr 2025 zeigen die jüngsten Stimmungsindikatoren erstmals wieder klare Erholungssignale, angeführt vom kräftigen Anstieg des US ISM Einkaufsmanagerindex. Die Aufhellung ist breit abgestützt, mit deutlichen Verbesserungen bei neuen Aufträgen und Produktion, auch wenn eine Bestätigung durch harte Daten noch aussteht. International deutet sich eine Bodenbildung an, unterstützt durch tiefere Zinsen, nachlassende Zollunsicherheit und fiskalische Impulse. Eine Industrieerholung könnte 2025/26 eine temporäre Verlangsamung des Konsumwachstums abfedern, für einen klaren globalen Aufschwung ist es jedoch noch zu früh.

Anlagestrategie

Unser Investment Committee behält angesichts der sich verbessernden Wachstums-Inflations-Kombination und der nach wie vor robusten Risikobereitschaft der Anlegerinnen und Anleger eine moderate Risikobereitschaft bei. Gestützt durch positive makroökonomische Überraschungen, starke Unternehmensgewinne und günstige finanzielle Rahmenbedingungen bestätigen wir unsere taktische Portfolio-Positionierung mit Aktien "Übergewichtet", festverzinslichen Wertpapieren und alternativen Anlagen "Neutral" und Liquidität "Untergewichtet" gegenüber der strategischen Allokation. Wir erwarten einen zyklischen Aufschwung, der von Unternehmensinvestitionen und dem verarbeitenden Gewerbe angeführt wird, mit einem US-Wachstum nahe dem Trend, einer weitgehend eingedämmten Inflation und drei Zinssenkungen der Federal Reserve im Jahr 2026 - eine Kombination, die mit einem positiven Umfeld für Risikoanlagen im Einklang steht.

Aktienstrategie

Die globalen Aktienmärkte haben in den letzten Wochen zugelegt und notieren erneut nahe oder auf Allzeithochs, obwohl die sogenannten "Magnificent 7" US-Megacaps hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Der Hauptgrund für diese Widerstandsfähigkeit sind solide Gewinnaussichten, insbesondere in den Schwellenländern und den USA, wo der gleichgewichtete S&P 500 aufgrund des stabileren makroökonomischen Umfelds kürzlich den traditionellen marktkapitalisierungsgewichteten Index übertroffen hat. Die Anlegerinnen unterscheiden zunehmend zwischen Gewinnern und Verlierern, insbesondere im KI-Segment. In diesem Umfeld ist die Aktienpositionierung etwas weniger extrem als zu Jahresbeginn, da einige zuvor konzentrierte Engagements in KI-Profiteuren reduziert wurden.

Anleihenstrategie

Ein Urteil des US Supreme Court, das Trumps "reziproke" Zölle für rechtswidrig erklärt hat, signalisiert, dass die institutionellen Checks and Balances der USA funktionieren. Auch der künftige Fed-Vorsitzende Kevin Warsh dürfte trotz politischem Druck die Datenlage als Entscheidungsgrundlage berücksichtigen. Diese Entwicklungen sprechen dafür, dass US-Staatsanleihen im Krisenfall ihre Funktion als sicherer Hafen grundsätzlich beibehalten. Allerdings bleibt die fiskalische Lage der USA angespannt: Zwar dürfte ein Grossteil der weggefallenen Zolleinnahmen über Zölle auf neuer rechtlicher Grundlage ersetzt werden, kurzfristig dürfte die Unsicherheit jedoch zunehmen, insbesondere mit Blick auf die Frage der Rückforderbarkeit bereits erhobener Zölle. Mittelfristig rechnen wir dennoch mit einer steileren US-Zinskurve. Vor diesem Hintergrund werden Hartwährungs-Schwellenländeranleihen als attraktive Alternative hervorgehoben, da sie höhere Renditen, günstigere Fiskaldynamiken und Rückenwind durch Dollarschwäche und einen belebenden Rohstoffzyklus bieten. Investment-Grade-Unternehmensanleihen stufen wir hingegen als unattraktiv ein, während wir High-Yield-Anleihen auf Neutral belassen.

Währungsstrategie

Wir halten an unserer negativen Einschätzung des USD fest und erwarten in den kommenden Monaten einen Wertverlust gegenüber Euro und Schweizer Franken. Hauptgrund ist der prognostizierte Rückgang des realen Zinsgefälles zwischen den USA und der Eurozone bzw. der Schweiz, wodurch der Carry-Vorteil des Dollars schwindet. Politische, fiskalische und institutionelle Bedenken in den USA sowie die Erwartung niedrigerer Realzinsen sorgen zusätzlich für Gegenwind. Für EUR/USD streben wir nun 1.22 in sechs Monaten und 1.24 in zwölf Monaten an. Für USD/CHF prognostizieren wir 0.74 in sechs Monaten und 0.73 in zwölf Monaten, im Einklang mit der Rolle des Frankens als defensive Qualitätswährung und der Präferenz der Schweizerischen Nationalbank für eine allmähliche, geordnete Aufwertung.

Edelmetalle

Nach der Korrektur sind die Übertreibungen bei Edelmetallen weitgehend abgebaut, während geopolitische Spannungen und fiskale Sorgen die Nachfrage nach Gold als sicherem Wertaufbewahrungsmittel stützen. Wir bestätigen unsere positive strukturelle Sicht: Referenzwerte für Gold 5300 USD (sechs Monate) und 5500 USD (zwölf Monate), für Silber 88 USD (sechs Monate) und 95 USD (zwölf Monate), mit Einschätzung nun "Attraktiv".