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Ölpreisschwankungen testen die Widerstandskraft der Märkte

Die Ölpreise sind zur Wochenmitte erneut gestiegen, obwohl die Internationale Energieagentur (IEA) beschlossen hat, eine koordinierte Rekordfreigabe von Notfallreserven vorzunehmen. Damit bleiben die geopolitischen Risiken rund um die Strasse von Hormus klar im Fokus der Märkte. US-Aktien schlossen am Mittwoch uneinheitlich, während europäische Börsen nachgaben, da Anlegerinnen und Anleger die begrenzte Beruhigung durch den IEA-Schritt gegen die anhaltenden Angriffe auf Schiffe und die Aussicht auf wieder aufkommende US-Handelsspannungen abwogen. Die asiatischen Aktienmärkte lagen am Donnerstag im Minus, während die Renditen von US-Staatsanleihen leicht anzogen und der US-Dollar zulegte – ein Zeichen dafür, dass die Sorge wächst, der jüngste Sprung der Ölpreise könnte sich breiter auf die Inflation auswirken, nachdem US- und deutsche Daten vor Ausbruch des Konflikts noch auf gedämpfte zugrunde liegende Preisdynamik hingedeutet hatten.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

© Shutterstock

Die Ölpreise kletterten zur Wochenmitte, obwohl die IEA erklärte, die Mitgliedsländer würden 400 Millionen Barrel aus ihren Notfallreserven freigeben – die bislang grösste derartige Freigabe –, um kriegsbedingte Angebotsunterbrechungen rund um die Strasse von Hormus abzufedern. Die Ölpreise zogen am Donnerstag stark an: Futures auf die Nordseesorte Brent wurden über USD 98 je Barrel gehandelt und West Texas Intermediate (WTI) notierte bei nahezu USD 93 je Barrel, beide mehr als 6% im Plus. Damit machten sie einen deutlichen Rückgang vom Dienstag wieder wett, der auf einen falschen Beitrag in den sozialen Medien gefolgt war, in dem behauptet worden war, die US-Marine habe einen Tanker sicher durch die Wasserstrasse eskortiert. Der Schritt der IEA erfolgt vor dem Hintergrund von Angriffen auf Schiffe und militärischen Schlägen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA und Iran, die den Tanker- und Frachtverkehr an diesem wichtigen Seehandelsknotenpunkt stark beeinträchtigt haben. Mehrere Schiffe sollen getroffen worden sein, und der Luftraum in der Nähe von Dubai wurde nach Drohnenvorfällen vorübergehend gesperrt. Für zusätzliche Unsicherheit sorgt, dass die US-Regierung von Präsident Donald Trump am Mittwoch Untersuchungen nach Abschnitt 301 zu mehr als einem Dutzend Ländern, darunter China, Japan und Indien, eingeleitet hat, um neue Zollmassnahmen einzuführen, nachdem Trumps reziproke Zölle kürzlich vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden waren.

US-Anleiherenditen steigen, asiatische Aktien fallen

Nach Berichten über Angriffe auf zwei internationale Tanker im nördlichen Persischen Golf zogen die Renditen von US-Staatsanleihen an: Die Rendite zweijähriger Treasuries lag bei rund 3.7%, jene zehnjähriger Papiere bei etwa 4.2%. Gold blieb stabil, was den stärkeren US-Dollar begrenzte. Die asiatischen Börsen gaben nach: Der japanische Nikkei 225 lag 1.1% im Minus, während der südkoreanische Kospi 0.5% und der australische S&P/ASX 200 1.3% einbüssten. Der Hang Seng Index in Hongkong notierte 0.9% tiefer, und der chinesische Leitindex CSI 300 verlor 0.4%.

US-Aktien uneinheitlich vor dem Hintergrund steigender Ölrisiken

Die US-Aktien schlossen uneinheitlich, da Händlerinnen und Händler die Entwicklungen an den Energiemärkten und die geopolitische Lage im Auge behielten. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 0.6%, während der Nasdaq 100 leicht auf 24'965.01 Punkte zulegte und der S&P 500 nahezu unverändert bei 6775.80 Punkten schloss. Unterstützt wurde er von starken Quartalszahlen des US-Softwarekonzerns Oracle (+9.2%), der ein schnelleres Wachstum und einen zuversichtlichen Ausblick meldete.

US-Inflation vor dem Ölpreisschock stabil

Die US-Verbraucherpreisinflation blieb im Februar stabil: Der Gesamtverbraucherpreisindex stieg im Monatsvergleich um 0.3% und lag 2.4% über dem Vorjahresniveau, womit die Erwartungen der Ökonominnen und Ökonomen erfüllt wurden, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Kerninflation, die Nahrungsmittel- und Energiepreise ausklammert, erhöhte sich im Monatsvergleich um 0.2% und im Jahresvergleich um 2.5% – ebenfalls unverändert gegenüber Januar und im Rahmen der Prognosen. Moderate Anstiege bei Wohn- und Dienstleistungspreisen wurden dabei durch Rückgänge in Kategorien wie Gebrauchtwagen und Autoversicherungen ausgeglichen. Der Bericht dürfte die Ruhe vor dem Sturm darstellen, da er den jüngsten Anstieg der Ölpreise infolge des Iran-Kriegs noch nicht widerspiegelt. Dieser könnte sich in den kommenden Monaten in höheren Benzin- und allgemeinen Kosten niederschlagen. Die US-Notenbank (Fed) dürfte daher geneigt sein, den Leitzins an ihrer Sitzung in der kommenden Woche unverändert zu belassen, während sie die Wirkung der Zinssenkungen vom vergangenen Jahr und die erhöhten geopolitischen Risiken weiter beobachtet.

Inflation in Deutschland geht zurück, da Nahrungsmittelpreise nachlassen

Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Verbraucherpreisindex, wurde für Februar mit 1.9% im Jahresvergleich bestätigt. Sie lag damit unter dem Wert von 2.1% im Januar und leicht über der Rate von 1.8% im Dezember, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten hervorgeht. Gedämpfte Nahrungsmittelpreise, die im Jahresvergleich nur noch um 1.1% zulegten nach 2.1% im Januar, sowie ein Rückgang der Energiepreise um 1.9% gegenüber Februar des Vorjahres trugen zur insgesamt niedrigeren Teuerung bei. Besonders die Haushaltsenergiekosten, einschliesslich Erdgas und Strom, gingen deutlich zurück. Trotz einer deutschen Inflationsrate nahe dem 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) konnten sich die europäischen Aktien am Mittwoch dem schwachen Gesamtmarktumfeld nicht entziehen. Der Euro Stoxx 50 verlor 0.7%, während der deutsche DAX mit einem Minus von 1.4% unterdurchschnittlich abschnitt. Der französische CAC 40 gab 0.2% nach und der Schweizer Leitindex SMI verlor 1.1%.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG