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Nachhaltigkeit

Batterie-Recycling Ein Schlüssel für die Energiewende

Recycling kann Ressourcenknappheit lindern und Abfälle reduzieren - und die Kapazitäten wachsen rasant.

  • von Cedric Baur, Equity Specialist Europe, LGT Private Banking
  • Datum
  • Lesezeit 5 Minuten

Ohne leistungsfähiges Recycling droht die Energiewende neue Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen zu schaffen. Cedric Baur von LGT Private Banking ordnet die wachsende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für Batterien ein. © AerialPerspective Images/Getty Images

Zusammenfassung

  • Erneuerbare Energien und Batteriespeicher sind zentral für die Dekarbonisierung - gleichzeitig wächst die Herausforderung, die dafür benötigten Rohstoffe nachhaltig zu sichern.
  • Batterie-Recycling kann den Bedarf an neu geförderten Rohstoffen deutlich reduzieren und Umweltbelastungen entlang der Lieferkette verringern.
  • Weltweit werden die Recyclingkapazitäten rasch ausgebaut, da immer mehr Batterien aus Elektrofahrzeugen und stationären Speichern das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.
  • Heute dominiert China den Markt für Batterie-Recycling, doch Europa und die USA investieren zunehmend in eigene Kapazitäten.
  • Für die langfristige Versorgung mit Lithium, Kobalt und Nickel wird das Zusammenspiel von Primärförderung und Kreislaufwirtschaft entscheidend sein.

Erneuerbare Energien sind unverzichtbar auf dem weltweiten Weg zur Dekarbonisierung. Und wie die aktuellen Entwicklungen zeigen, können sie in Zeiten wachsender Unsicherheit auf den Energiemärkten und zunehmender geopolitischer Spannungen nicht nur Emissionen senken, sondern auch Lieferkettenrisiken reduzieren und die Energieunabhängigkeit stärken.

Als eine der kostengünstigsten Formen der Stromerzeugung weltweit spielen erneuerbare Energien zudem eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, den erwarteten Anstieg der globalen Stromnachfrage zu decken. Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und Klimaanlagen werden den Energiebedarf in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.

Die Herausforderung der Entsorgung

Doch die Energiewende bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Der drastische Preisrückgang bei Batteriespeichern hat dazu geführt, dass Speichersysteme weltweit in immer grösserem Umfang eingesetzt werden. In Kombination mit Solar- und Windparks helfen sie, Schwankungen bei der Stromerzeugung auszugleichen und gleichzeitig die Stabilität der Netze zu erhöhen.

Der Boom bei Batteriespeichern erhöht die Nachfrage nach Lithium und anderen kritischen Rohstoffen - und macht deren Rückgewinnung zunehmend zu einem strategischen Thema. © John Moore/Getty Images

Gleichzeitig rückt jedoch die Frage der Entsorgung zunehmend in den Fokus. Werden die in Batterien, Solarmodulen und Windkraftanlagen verbauten Materialien am Ende ihrer Lebensdauer nicht konsequent zurückgewonnen und recycelt, droht eine erhebliche Belastung für die globalen Ökosysteme.

Wachsende Abfallmengen

Batterien für Fahrzeuge und stationäre Speichersysteme halten heute deutlich länger als noch vor wenigen Jahren. Hinzu kommt, dass Fahrzeugbatterien häufig ein zweites Leben in kostengünstigeren stationären Speichern erhalten, was ihre Nutzungsdauer zusätzlich verlängert. Dennoch dürfte die Menge der Batterien, die entsorgt werden müssen, bis 2030 und darüber hinaus deutlich zunehmen.

Cedric Baur, Equity Specialist, LGT Private Banking

Cedric Baur

Cedric Baur ist bei der LGT als Aktienspezialist mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit unter anderem für die Themen Klimawandel, erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur, Wasser und Kreislaufwirtschaft verantwortlich. Sein Fokus liegt dabei auf Unternehmen aus den Sektoren Energie, Industrie und Grundstoffe.

Ende 2025 umfasste der weltweite Bestand an Elektrofahrzeugen rund 70 Millionen Fahrzeuge. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 26 %, für 2026 wird ein weiterer Anstieg um 12 % erwartet. Auch Batteriespeicher dürften bis 2035 um durchschnittlich rund 12 % pro Jahr wachsen.

Während Recyclingverfahren für Metalle wie Stahl und Aluminium längst etabliert sind, gilt dies laut der Internationalen Energieagentur (IEA) noch nicht für viele der Materialien, die in Batterien für die Energiewende verwendet werden. Dazu zählen insbesondere Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit.

Ausbau des Recyclings

Nach Schätzungen der IEA werden bis 2040 Investitionen von rund USD 600 Milliarden in den Bergbau erforderlich sein, um die für die Dekarbonisierung benötigten Rohstoffe bereitzustellen - und selbst dabei handelt es sich um ein eher konservatives Szenario.

Ohne einen deutlichen Ausbau des Recyclings läge dieser Betrag allerdings um weitere 30 % höher. Tatsächlich könnte eine stärkere Recyclingkapazität für kritische Rohstoffe den Bedarf an neu geförderten Mineralien bis zur Mitte des Jahrhunderts um bis zu 40 % reduzieren. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, die Kontrolle über kritische Rohstoffe zu sichern. Da der Bedarf an Primärförderung und Raffination sinkt, kann Recycling zusätzliche Vorteile schaffen: weniger Eingriffe in Landschaften, geringerer Wasserverbrauch und weniger Umweltbelastungen, niedrigere Risiken durch Bergbauabfälle sowie weniger soziale Folgekosten.

Recycling wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die Versorgung mit den Rohstoffen der Energiewende.

Erfreulicherweise werden die Recyclingkapazitäten derzeit zügig ausgebaut. Dazu tragen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei, denn die Preise für Lithium, Kobalt und Nickel steigen. Bis 2035 dürften Produktionsabfälle die wichtigste Quelle für Recyclingmaterial bleiben. Doch sobald die ersten Generationen von Batterien aus stationären Speichern und Elektrofahrzeugen um das Jahr 2030 das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, wird das Angebot an zurückgewonnenen Materialien deutlich zunehmen. Das Forschungsunternehmen im Bereich Energie, BloombergNEF, erwartet, dass sich das Volumen recycelter Materialien bis 2035 nahezu verfünffacht - insbesondere dank ausgedienter Elektrofahrzeugbatterien.

Verschiebungen auf der globalen Recyclinglandkarte

China verarbeitet derzeit rund 80 % der weltweit verfügbaren etwa 600’000 Tonnen Recyclingmaterial. Das Land verpflichtet Automobil- und Batteriehersteller bereits heute dazu, sich am Management von Altbatterien zu beteiligen.

China dominiert das Batterie-Recycling heute noch deutlich, doch neue Investitionen und strengere Vorgaben stärken die Kapazitäten in Europa und den USA. © VCG/VCG/Getty Images

Gleichzeitig verschieben sich die globalen Marktanteile, da andere Länder und Regionen ihre regulatorischen Vorgaben verschärfen und ihre Recyclinginfrastruktur ausbauen. BloombergNEF erwartet, dass Chinas Anteil bis 2035 auf rund 65 % sinkt. Europa könnte seinen Anteil von 9 % auf etwa 15 % steigern, während die USA von 5 % auf rund 11 % wachsen dürften.

Bis 2035 sollen zudem etwa 8 % der weltweiten Lithium-Nachfrage durch recycelte Materialien gedeckt werden. Für Kobalt und Nickel werden Anteile von 31 % beziehungsweise 21 % erwartet.

Der vergleichsweise geringe recycelte Lithium-Anteil ist vor allem auf die stark steigende Nachfrage sowie den zunehmenden Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) zurückzuführen. Diese benötigen weniger Kobalt und Nickel. Entsprechend dürfte die Nachfrage nach Kobalt und Nickel langsamer wachsen, wodurch recycelte Materialien künftig einen deutlich grösseren Anteil des Gesamtbedarfs decken können.

Besonders bedeutsam ist jedoch, dass steigende Recyclingquoten die enge Verbindung zwischen Primärförderung und Kreislaufwirtschaft verdeutlichen. Für die künftige Versorgung mit Rohstoffen für die Energiewende wird dieses Zusammenspiel eine entscheidende Rolle spielen.

Wie Batterierohstoffe zurückgewonnen werden

Die Unternehmen der Batterie-Recyclingbranche setzen derzeit vor allem auf zwei Verfahren: Pyrometallurgie und Hydrometallurgie. In China kommen teilweise auch Kombinationen beider Methoden zum Einsatz, um möglichst viele Materialien aus einer Batterie zurückzugewinnen.

  • Pyrometallurgie: Das Material wird in einem Hochtemperaturofen eingeschmolzen. Dabei können bestimmte Metalle zurückgewonnen werden, während andere als Oxide oder Schlacke zurückbleiben. Die hohen Temperaturen entfernen zudem Verunreinigungen. Um weitere Metalle oder Salze wie Lithium aus der Schlacke zu gewinnen, ist anschliessend häufig eine hydrometallurgische Behandlung erforderlich.
  • Hydrometallurgie: Mithilfe chemischer Reinigungsverfahren werden einzelne Metallprodukte aus Schlacke oder bereits produzierter Schwarzmasse (Black Mass) gewonnen. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise batterietaugliches Lithiumcarbonat zurückgewinnen. Häufig wird dieses Verfahren der Pyrometallurgie vorgezogen, wobei je nach Material und Anforderungen auch kombinierte Ansätze zum Einsatz kommen.

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