LGT Private Banking Europe House View

Mai 2023

Auf globaler Ebene gehen wir im laufenden Jahr nicht von einer Rezession aus, rechnen aber mit einem Wirtschaftswachstum unterhalb des Potenzialwachstums. Dabei entwickeln sich die Regionen sehr unterschiedlich. Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer defensiven Anlagestrategie über alle Anlageklassen hinweg fest, jedoch reduzieren wir das Untergewicht in Aktien durch den Aufbau von Schwellenländeraktien. Da wir in der zweiten Jahreshälfte keine Zinssenkung der US-Notenbank erwarten, empfehlen wir, die Duration in den Portfolios mit einer Barbell-Strategie neutral zu halten. Im aktuellen Umfeld bleiben alternative Anlagen attraktiv und Gold sowie Hedgefonds unsere bevorzugten Kategorien. 

Datum
Autor
Thomas Wille
Lesezeit
7 Minuten
Schwellenländermärkte
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Die westlichen Volkswirtschaften sind nach wie vor mit einer Wachstumsschwäche konfrontiert. Zwar scheinen die Inflationsraten in den G7-Ländern ihren Höhepunkt überschritten zu haben, jedoch dürfte der Weg zu dem von den Zentralbanken angepeilten Inflationsziel von zwei Prozent steinig sein. Auffallend ist auch die enorme Heterogenität zwischen den einzelnen Regionen. Die Wachstumsaussichten in den Schwellenländern, allen voran in China, haben sich in den letzten Wochen im Gegensatz zu den Industrieländern verbessert. In den USA scheint eine mögliche Rezession vorerst abgewendet, allerdings bleibt das Risiko, dass der Wirtschaftsabschwung dann später doch noch eintritt.

In diesem schwachen konjunkturellen Umfeld mit anhaltend hohem Preisdruck werden Investoren die laufende Unternehmensberichtssaison mit Spannung beobachten. Die ersten Ergebnisse sind zwar besser als erwartet ausgefallen, aber "weniger schlecht" ist noch lange nicht gut. Auch eine Gewinnrezession scheint vorerst aufgeschoben, aber das Risiko eines Rückschlags im weiteren Jahresverlauf bleibt bestehen. Nicht alle Unternehmen werden sich in diesem herausfordernden Umfeld - Wirtschaftswachstum unter Potenzial und Inflation über dem Notenbankziel von 2% - gut behaupten können. Deshalb bleibt die Selektion in den kommenden Monaten ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Die anstehende Diskussion um die Schuldenobergrenze in den USA könnte für weitere Unruhe an den Kapitalmärkten sorgen. In den letzten Jahrzehnten wurden Anleger schon mehrfach durch dieses politische Schach zwischen Demokraten und Republikanern auf die Probe gestellt. Es wurde aber immer in letzter Minute eine Lösung gefunden und die weltgrösste Volkswirtschaft vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Derzeit beobachten wir von Seiten der Investoren eine gewisse Gleichgültigkeit hinsichtlich dieses Themas, aber es besteht die Gefahr, dass diese politisch geladene Problematik in den nächsten Wochen eine mediale Eigendynamik entwickelt und die Finanzmärkte verunsichern könnte. 

Für die US-Notenbank (Fed), die bereits mit der Bekämpfung der Inflation und der Stabilisierung des Finanzsystems voll ausgelastet ist, stellt dies eine enorme Herausforderung dar. Wir empfehlen daher, Risiken nur sehr bewusst einzugehen und halten an unserer defensiven Anlagestrategie fest.

Auf globaler Ebene erwarten wir für das laufende Jahr keine Rezession, aber ein Wirtschaftswachstum unterhalb des Potenzialwachstums. Dabei entwickeln sich die Regionen sehr unterschiedlich. China überrascht nach der Wiedereröffnung der Wirtschaft positiv, während in den USA mit einem sehr schwachen Wachstum zu rechnen ist. Die Konjunkturerwartungen für Europa wurden zwar in den letzten Wochen nach oben revidiert, aber weniger schlecht ist noch nicht wirklich gut. Der Preisdruck in den westlichen Volkswirtschaften hat weiter nachgelassen, aber der Weg zum Inflationsziel der Notenbank bleibt eine Herausforderung. Die restriktive Geldpolitik der Zentralbanken und der Wachstums-/Inflationsmix rechtfertigen unserer Ansicht nach noch keinen breiten Risikoaufbau in den Portfolios. Wir halten deshalb an unserer defensiven Anlagestrategie über alle Anlageklassen hinweg fest. Alternative Anlagen und Obligationen bleiben zu Lasten der Aktienquote übergewichtet. Einen Farbtupfer setzen wir hingegen mit der Aufstockung der Schwellenländeraktien von neutral auf übergewichten. Globale Aktien bleiben aber dennoch untergewichtet.

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Aktienstrategie

Aus unserer Sicht ist eine mögliche Gewinnrezession in den USA in den aktuellen Kursen noch nicht eingepreist, weshalb wir an unserer Untergewichtung von US-Aktien festhalten. Mit der Aufstockung der Schwellenländeraktien verstärken wir unsere Positionierung des "Rests der Welt" gegenüber den USA. Auf Sektorebene sind sowohl Unternehmen aus dem Gesundheits- als auch aus dem Energiesektor attraktiv, während wir in Technologieunternehmen taktisch untergewichtet bleiben.

Fixed-Income- und Währungsstrategie

Wir empfehlen die Duration in den Portfolios neutral zu halten, und dies mit einer Barbell-Strategie umzusetzen. Einerseits mit attraktiven Anleihen am kurzen Ende und andererseits mit langlaufenden Staatsanleihen aufgrund ihres Absicherungscharakters in einer Rezession. Risiken würden wir nur sehr kontrolliert im Investment-Grade-Bereich eingehen und an der Untergewichtung von hochverzinslichen Anleihen (High-Yield) festhalten. Der US-Dollar bleibt langfristig gegenüber den Hauptwährungen überbewertet. Kurzfristig sprechen aber Leistungsbilanz und der Status als Krisenwährung für den Greenback

Alternative Anlagen

Alternative Anlagen bleiben im aktuellen Umfeld attraktiv und werden übergewichtet. Innerhalb der Quote sind Gold und Hedgefonds unsere bevorzugten Kategorien. Trotz der jüngsten Goldrallye bleiben die mittel- bis langfristigen Treiber intakt und bei Rückschlägen sollten Positionen aufgebaut werden.
 

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