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Market View & Insights
Historisch betrachtet hat die Unsicherheit rund um diese richtungsweisenden Wahlen die Aktienmärkte im Vorfeld der US-Zwischenwahlen häufig gebremst. Sobald das Wahlergebnis feststand, verbesserte sich die Marktperformance dagegen oft wieder.
Am 3. November 2026 werden alle Mitglieder des US-Repräsentantenhauses sowie ein Drittel des Senats neu gewählt. Angesichts der ereignisreichen zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump stehen diese Zwischenwahlen nicht nur bei der Politik, sondern auch bei Investorinnen und Investoren besonders im Fokus.
Die Wahlen werden darüber entscheiden, wie die Machtverhältnisse im Kongress künftig aussehen. Derzeit verfügen die Republikaner zwar in beiden Kammern über eine Mehrheit, doch im Repräsentantenhaus ist ihr Vorsprung äusserst knapp. Ob sich daran etwas ändert oder nicht - das Wahlergebnis wird massgeblich bestimmen, wie reibungslos Präsident Trump seine politische Agenda umsetzen kann.
Nach Berechnungen von Inside Elections, einem parteiunabhängigen Newsletter zur Analyse von Kongresswahlen, benötigen die Demokraten lediglich drei zusätzliche Sitze im Repräsentantenhaus, um die Kontrolle über die Kammer zurückzugewinnen. Im Senat ist die Ausgangslage ungewisser. Aus Sicht der LGT sind sowohl ein geteilter Kongress - beispielsweise mit einem demokratisch kontrollierten Repräsentantenhaus und einem republikanischen Senat - als auch eine demokratische Mehrheit im Kongress die wahrscheinlichsten Szenarien.
Unabhängig vom Wahlausgang dürften die Renditen am US-Aktienmarkt in den kommenden Monaten verhalten ausfallen. Historische Analysen zeigen, dass die Medianrendite des S&P 500 in einem Zwischenwahljahr nur halb so hoch ist wie in anderen Jahren. Der Grund: Politische Unsicherheit, zunehmende Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen nehmen im Vorfeld solcher Wahlen typischerweise zu.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Muster beim Vergleich der Zeiträume von einem Jahr vor bis einem Jahr nach den Zwischenwahlen. Im Durchschnitt erzielte der US-Aktienmarkt seine stärkste Entwicklung in den zwölf Monaten nach den Zwischenwahlen. Sobald das Wahlergebnis feststeht, lässt die politische Unsicherheit nach und Investorinnen und Investoren richten ihren Blick wieder verstärkt auf die Fundamentaldaten.
Wichtig ist, diesen Effekt richtig einzuordnen: Er ist zwar historisch gut dokumentiert, bleibt jedoch kurzfristiger Natur und sollte langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger nicht beunruhigen. Statt auf die aktuelle Unsicherheit zu reagieren, können sie die Zwischenwahlen als Orientierungspunkt nutzen und ihre Einschätzung nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses überprüfen.
Auch die Entwicklung der Marktvolatilität zeigt, wie stark politische und wirtschaftliche Unsicherheit die Märkte vor den Zwischenwahlen beeinflusst - insbesondere in den drei Monaten vor der Wahl. Historisch betrachtet war der Oktober jeweils der volatilste Monat.
Für Investorinnen und Investoren ist zudem ein weiteres Muster von Bedeutung: Im Vorfeld wichtiger US-Wahlen entwickelten sich traditionell eher defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen, oder auch IT, Kommunikationsdienstleister und Immobilien besser als der S&P 500 Index. Sobald sich die politische Lage nach der Wahl wieder beruhigt hat, rücken dagegen häufig zyklischere Bereiche wie Industrie, Grundstoffe und Nicht-Basiskonsumgüter in den Vordergrund. Unabhängig davon gilt: Jede Anlage - auch in Aktien - ist mit Verlustrisiken verbunden.
Ein Blick auf die Entwicklung des US-Aktienmarkts nach Zwischenwahlen in Abhängigkeit von der politischen Zusammensetzung des Kongresses zeigt ein klares Bild: Historisch erzielte der S&P 500 besonders starke Renditen, wenn der Kongress von den Republikanern kontrolliert wurde. An den Märkten werden republikanische Mehrheiten häufig mit Deregulierung, unternehmensfreundlicher Steuerpolitik und höheren Verteidigungsausgaben verbunden - also mit Rahmenbedingungen, die traditionell als besonders günstig für Aktien gelten.
So interessant der Einfluss der Zwischenwahlen auf die Kapitalmärkte auch ist: Gegenüber den entscheidenden langfristigen Treibern wie Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinnen, Inflation, Zinsentwicklung und technologischem Fortschritt bleibt ihre Bedeutung meist begrenzt. Dennoch können politische Entscheidungen und veränderte Mehrheitsverhältnisse das Umfeld einzelner Branchen spürbar verändern - etwa durch Regulierung, staatliche Ausgabenprogramme oder steuerliche Anreize. Vor diesem Hintergrund kann es sich lohnen, Unternehmen zu identifizieren, die für die verschiedenen Wahlausgangsszenarien besonders gut positioniert sind.