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Market View & Insights
Investitionsausgaben (CapEx) für langlebige Vermögenswerte wie Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge oder Technologie waren zuletzt vor allem bei Investitionen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI) hoch. Doch gibt es auch CapEx-Chancen jenseits der Künstlichen Intelligenz?
Derzeit machen Investitionen in KI insbesondere in den USA einen Grossteil der Investitionsausgaben aus. Der Bau von Rechenzentren ist dabei ein zentraler Investitionstreiber.
Trends wie die Energiewende, der Bedarf an resilienten Lieferketten sowie der Zugang zu kritischen Rohstoffen führen jedoch zunehmend zu grossen öffentlichen und privaten Investitionszusagen jenseits der KI. Mit "Reshoring" und klareren Handelsregeln, die voraussichtlich 2026 die Freisetzung bislang aufgeschobener Investitionen in langfristige Nicht-KI-Vermögenswerte ermöglichen, könnte es in diesem Jahr zu einer Erholung in diesem Segment kommen.
Seit der COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Unterbrechungen der Lieferketten bauen immer mehr Unternehmen lokale Produktionskapazitäten und regionale Wertschöpfungsketten auf.
Dieser "Reshoring"- und "Nearshoring"-Prozess braucht Zeit. Zudem haben US-Zölle erhebliche Unsicherheit geschaffen - und Unsicherheit wirkt investitionshemmend. Ohne Klarheit über zukünftige Zollniveaus sowie deren Auswirkungen auf Nachfrage und Wettbewerb zögern Unternehmen, in langfristige Investitionsgüter zu investieren, die über Jahrzehnte genutzt werden sollen.
KI mag die Schlagzeilen beherrschen - gebaut wird die Zukunft anderswo.
Die Unsicherheit im Handel ist weiterhin hoch: Rund 78 % der Befragten in der "Q3 Outlook Survey" der US National Association of Manufacturers nennen die Unsicherheit im Handel als zentrales Risiko (nach 77 % im Vorquartal). Gleichzeitig verbessert sich die Stimmung deutlich: 65 % zeigten sich im dritten Quartal optimistisch, verglichen mit 55 % im zweiten Quartal.
Mit zunehmender Klarheit über Handelsbeziehungen dürften Unternehmensleitungen mehr Vertrauen in langfristige Investitionsentscheidungen entwickeln.
Die Zölle zum sogenannten "Liberation Day" der Trump-Administration haben neue Investitionszusagen in den USA ausgelöst. Nach Angaben des Weissen Hauses belaufen sich die Zusagen von ausländischen Regierungen sowie in- und ausländischen Unternehmen auf insgesamt USD 9.6 Billionen.
Selbst wenn letztlich nur ein Teil davon realisiert wird, würde dies ausreichen, um die Gesamtinvestitionen deutlich anzukurbeln. Zudem schaffen neue gesetzliche Rahmenbedingungen zusätzliche Anreize.
Reto Hess ist Head Equity Strategy Europe bei LGT Private Banking. Er verantwortet die Einschätzungen der LGT zu den Aktienmärkten sowie die regionale und sektorale Aktienstrategie im Anlagekomitee. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er taktische Aktienideen zu Einzeltiteln und Themen mit Fokus auf europäische und nordamerikanische Aktien.
So sieht der "One Big Beautiful Bill Act" von 2025 eine 100-prozentige Sonderabschreibung für abschreibungsfähige Vermögenswerte wie Fahrzeuge, Produktionsanlagen, Schwermaschinen oder Software vor, die nach dem 19. Januar 2025 erworben wurden.
Dank der sofortigen Abschreibung des gesamten Investitionsbetrags nach Inkrafttreten des Gesetzes verringert sich das zu versteuernde Einkommen - und damit die Steuerlast.
Nach Berechnungen des Congressional Budget Office wird diese Massnahme den Staat in den nächsten zehn Jahren rund USD 378 Milliarden kosten. Die Tax Foundation schätzt jedoch, dass höhere Investitionen und damit verbundene Produktivitätsgewinne das US-BIP um 0.5 % steigern und rund 85'000 Arbeitsplätze schaffen könnten.
Weitere Investitionsanreize entstehen durch die Intensivierung des geopolitischen Wettbewerbs um strategische Ressourcen wie Seltene Erden.
Das US-Energieministerium (DOE) strebt den Aufbau einer zuverlässigen, erschwinglichen, nachhaltigen und sicheren inländischen Lieferkette für kritische Mineralien an und hat dafür bereits fast USD 1 Milliarde an Zuschüssen und Finanzmitteln bereitgestellt. Auch das US-Verteidigungsministerium investiert in börsennotierte Bergbauunternehmen, um die amerikanische Lieferkette zu stärken.
Basierend auf Bloomberg-Konsensdaten zum MSCI All Country World Index entfällt der grösste Anteil der Investitionsausgaben auf den Energiesektor (17 %), gefolgt von zyklischen Konsumgütern (13 %) und Versorgern (12 %). Regional bestehen jedoch erhebliche Unterschiede.
In den USA, wo die Investitionsausgaben stark von grossen KI-Investitionen geprägt sind, weisen Kommunikationsdienstleistungen (15 %), zyklische Konsumgüter (14 %) und IT (13 %) die höchsten CapEx-Anteile auf.
Einige wenige sehr grosse Unternehmen dominieren dieses Bild: Amazon allein steht für 8 % der gesamten Investitionen im S&P 500, gefolgt von Alphabet (5 %), Microsoft (4 %) und Meta (3 %). Diese Unternehmen dürften ihre Investitionen in den kommenden Jahren weiter erhöhen - insbesondere in Rechenzentren, die vor allem durch Ausgaben für Grafikprozessoren (GPUs) getrieben werden.
Für Unternehmen des S&P 500 wird insgesamt ein Anstieg der Investitionsausgaben um 19 % im Jahr 2025 erwartet, gefolgt von weiteren 13 % im Jahr 2026 - hauptsächlich aufgrund von KI-bezogenen Investitionen.
Werden IT-Unternehmen sowie Alphabet, Amazon und Meta ausgeschlossen und der Finanzsektor (der wenig investitionsintensiv ist) ausgeklammert, stiegen die Investitionsausgaben in den USA 2025 lediglich um 1 % und dürften 2026 um 3 % zulegen.
Auch Europa und andere Regionen erhöhen ihre Investitionen, um zumindest eine teilweise Selbstversorgung zu erreichen.
Die aktuellen Prognosen für Investitionsausgaben auf Basis von Bloomberg-Konsensdaten erscheinen jedoch konservativ: Man erwartet kein CapEx-Wachstum für europäische Metall- und Bergbauunternehmen und -6 % für US-Wettbewerber. Angesichts des strategischen Hintergrunds besteht aus unserer Sicht Aufwärtspotenzial.
Jeder Anstieg der Investitionsausgaben im Bergbau würde insbesondere Anbieter von Bergbauausrüstung begünstigen, vor allem solche, die stark auf zukunftsorientierte Rohstoffen wie Kupfer, Eisenerz, Gold oder Batteriemetalle ausgerichtet sind.
Wie steht es um die Infrastruktur? In vielen Regionen ist sie angesichts der fortschreitenden Urbanisierung, des raschen technologischen Fortschritts und der sich wandelnden geopolitischen Dynamik veraltet.
McKinsey schätzt den kumulierten globalen Infrastrukturinvestitionsbedarf bis 2040 auf rund USD 106 Billionen - insbesondere in den Bereichen Transport und Logistik, Energie und Strom sowie digitale Infrastruktur.
Diese Ausgaben dürften nicht nur Bauunternehmen zugutekommen, sondern auch Herstellern von Investitionsgütern, die in der Gebäudetechnik, im Transportwesen oder in der Energieinfrastruktur tätig sind.
In Europa hat Deutschland ein Investitionspaket in Höhe von EUR 500 Milliarden angekündigt - den Sonderfonds für Infrastruktur und Klimaneutralität. Ziel ist es, Arbeitsplätze zu sichern und die heimische Wirtschaft zu stärken. Hinzu kommt eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben.
Zentrale Investitionsbereiche sind unter anderem Verkehr, Krankenhäuser sowie Energie- und digitale Infrastruktur.
Die Expertinnen und Experten der LGT analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Mit unseren Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen treffen Sie fundierte Anlageentscheide.
Auch private Unternehmen engagieren sich: Unter der Initiative "Made in Germany" planen 61 Unternehmen, bis 2028 insgesamt EUR 631 Milliarden in Deutschland zu investieren, um Innovation, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Der Betrag umfasst sowohl geplante als auch neue Investitionen in Investitionsgüter sowie Forschung und Entwicklung, wobei ein dreistelliger Milliardenbetrag auf neue Investitionen entfällt.
Wann diese Zusagen tatsächlich zu höheren Unternehmensumsätzen führen werden, bleibt abzuwarten. Dennoch stellen sie ein ermutigendes Signal für die künftige Investitionstätigkeit dar.
Insgesamt wird für 2026 in den wichtigsten Regionen eine Erholung des BIP-Wachstums erwartet. In Kombination mit strukturellem Wachstum und der Freisetzung bislang aufgeschobener Investitionen dürften sich die Investitionsausgaben jenseits der KI im Jahr 2026 erholen und beschleunigen.
Steigende Investitionen in Energie und Rohstoffe könnten Unternehmen aus dem Investitionsgütersektor zugutekommen, etwa in den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeuge oder Materialien. Eine höhere Nachfrage nach Automatisierungslösungen dürfte Anbieter von Produkten und Systemen zur Fertigungsautomatisierung unterstützen. Und steigende Infrastrukturausgaben könnten die Perspektiven von Unternehmen verbessern, die Werkzeuge, Komponenten und Systeme liefern.
Kurzum: Sowohl Investitionsgüter- als auch Infrastrukturunternehmen scheinen gut positioniert, wenn Investitionsausgaben über KI hinaus an Dynamik gewinnen.