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Market View & Insights
Der Schutz der Wasserressourcen ist nicht nur lebenswichtig, sondern auch entscheidend für wirtschaftliche Sicherheit, gesellschaftliches Wohlergehen und ökologische Stabilität. Industrie und Regierungen reagieren auf die zunehmende Wasserunsicherheit mit innovativen Lösungen.
Der Mensch ist auf Süsswasser angewiesen, doch dieses wird zunehmend knapper. Die weltweit steigende Nachfrage setzt die verfügbaren Ressourcen immer stärker unter Druck. Der Klimawandel verschärft die Risiken zusätzlich: Dürren, unregelmässige Niederschläge und extreme Wetterereignisse werden immer häufiger. Diese Entwicklungen verschlechtern die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Infrastruktur und Volkswirtschaften.
"Wasser, Wasser überall - doch kein Tropfen zu trinken". Als der Dichter Samuel Taylor Coleridge diese Zeilen in "The Rime of the Ancient Mariner" schrieb, schilderte er die Not eines durstigen Seemanns mitten auf dem Ozean - umgeben von Salzwasser, aber ohne trinkbares Süsswasser.
Wasserknappheit treibt Preise, beeinträchtigt Industrien und verschärft Ungleichheit.
Benjamin Franklin bemerkte einst treffend: " Wenn der Brunnen versiegt ist, erkennen wir den Wert des Wassers." Wasserstress - definiert als eine Nachfrage, die das Angebot mindestens einen Monat pro Jahr übersteigt - betrifft heute jährlich rund die Hälfte der Weltbevölkerung. Laut UN Water werden bis 2050 mehr als fünf Milliarden Menschen davon betroffen sein.
Nicht alle Regionen sind gleichermassen betroffen; die regionalen Unterschiede sind erheblich. Regionen wie der Nahe Osten und Südasien leiden unter chronischer Wasserknappheit, während andere Teile der Welt über vergleichsweise reichliche Reserven verfügen. Der Klimawandel verstärkt diese Ungleichgewichte zusätzlich, da sowohl Dürren als auch Überschwemmungen häufiger auftreten.
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Diese Herausforderungen werden nicht kurzfristig verschwinden. Doch dank innovativer Lösungen von Unternehmen sowie vorausschauendes Handeln von Regierungen zeichnen sich Lösungsansätze ab. Der Handlungsdruck ist hoch, denn Wasserknappheit treibt Lebensmittel- und Energiepreise in die Höhe, stört Produktionsabläufe und verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ganzer Branchen - von der Halbleiterfertigung bis zum Bergbau.
Die Halbleiterindustrie fokussiert sich zunehmend auf Wasserkreisläufe. So strebt das taiwanische Halbleiterunternehmen TSMC an seinem Standort in Arizona eine Wiederaufbereitungsquote von 90 % an.
Der Abbau von Metallen und Mineralien ist häufig sehr wasserintensiv. Diese Herausforderung wird häufig dadurch verschärft, dass viele Bergbauaktivitäten in Regionen stattfinden, die bereits unter Wasserknappheit oder Wasserstress leiden. Unternehmen reagieren jedoch zunehmend: das Bergbauunternehmen Rio Tinto berichtet beispielsweise, dass an seinem Standort in der Wüste Gobi sowohl in Wasserrecycling als auch in Entsalzung investiert wurde. Dadurch verbraucht der Standort heute rund die Hälfte der Wassermenge, die einige Wettbewerber unter ähnlichen Bedingungen benötigen.
Andrew Patrick ist Team Head für Direct Portfolios bei LGT Wealth Management UK. In dieser Funktion verantwortet er das Management verschiedener direkt investierter Aktien- und Multi-Asset-Fonds sowie Referenzportfolios. Zuvor analysierte er Unternehmen aus den Bereichen Energie, Industrie und Grundstoffe. Er interessiert sich besonders für nachhaltige Anlagestrategien.
Da die Landwirtschaft weltweit den grössten Anteil am Süsswasserverbrauch hat, steht sie im Zentrum vieler innovativer Lösungen. Digitale Sensoren, intelligente Messsysteme, fortschrittliche Filtrations- und Abwasseraufbereitungstechnologien werden weltweit eingesetzt, um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten.
Auch Rechenzentren und zahlreiche Fertigungsprozesse zählen zu den grossen Wasserverbrauchern. In manchen Anlagen kommen inzwischen membranbasierte Entsalzungssysteme und geschlossene Recyclingkreisläufe zum Einsatz, um den Süsswasserbedarf zu reduzieren.
Während Unternehmen Wasserverantwortung zunehmend in ihre strategische Planung und Berichterstattung integrieren, reagieren auch Regulierungsbehörden und Regierungen. Neue politische Massnahmen und Preismechanismen machen Wasserrisiken in Ländern, Branchen und Lieferketten sichtbarer. Über Regulierung und Infrastrukturprogramme lenken Staaten gezielt Investitionen.
Die Erreichung des Nachhaltigkeitsziels Nr. 6 der Vereinten Nationen - sauberes Wasser und Sanitärversorgung - bleibt anspruchsvoll. Zu den grossen Herausforderungen zählen Umweltverschmutzung, alternde Infrastruktur und unzureichende Investitionen. Die Infrastrukturprobleme sind besonders gravierend: In entwickelten Märkten führen jahrzehnte- oder gar jahrhundertealte Wasserleitungen häufig zu Rohrbrüchen oder Lecks, was enorme Wasserverluste und Kosten verursacht.
In Schwellenländern sind die Versorgungsnetze hingegen oft unterentwickelt und stark überlastet. Zusätzlich verschmutzen unbehandeltes Abwasser und landwirtschaftliche Rückstände bestehende Wasserressourcen, was Gesundheitsrisiken sowie steigende Aufbereitungs- und Behandlungskosten zur Folge hat.
Auch wenn das Ausmass der Süsswasserproblematik überwältigend wirken kann, gibt es sowohl in börsennotierten als auch in privaten Märkten eine wachsende Zahl von Unternehmen und Projekten, die Technologien und Dienstleistungen zur Steigerung der Wassereffizienz, zur Aufbereitung sowie zum Ausbau der Infrastruktur anbieten.