- Home
-
Private Banking
-
Market View & Insights
Die meisten Schlagzeilen konzentrierten sich auf die nächtlichen Verhandlungen, mit denen die jüngste UN-Klimakonferenz in Belém endete. Als am letzten Tag der COP30 in Brasilien der Morgen graute, schien eine Einigung in weiter Ferne. Mehrere Delegierte waren bereit, die Verhandlungen aufzugeben, als der saudische Verhandlungsführer zustimmte, dass sich das "politische Paket von Belém" auf die Verpflichtung der COP28 zum "Ausstieg aus fossilen Brennstoffen" beziehen könne.
Diese Entscheidung reichte gerade aus, um die Konferenz davor zu bewahren, als weiterer Misserfolg in die von Spannungen geprägte Geschichte der COPs einzugehen. Doch das Ringen um einen einzigen Satz - so wichtig er global auch war - verdeckte zugleich die detaillierte Arbeit, die abseits der grossen Bühne in den Sitzungsräumen geleistet wurde, um die Dynamik vielschichtiger Klimastrategien voranzubringen.
Bruce Chong war einer von Tausenden Delegierten auf der COP30. Als Fellow und Direktor für Klima und Nachhaltigkeit für den asiatisch-pazifischen Raum bei Arup, einem weltweit tätigen Ingenieurbüro, leitete er im Pavillon "Disaster Resilient Infrastructure" (Katastrophenresistente Infrastruktur) eine Diskussion über die Widerstandsfähigkeit der Küsten und die Anpassung an den Klimawandel sowie über die Notwendigkeit, Wissenschaft, Technik und Finanzen zu kombinieren, um einige der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen der Welt zu schützen.
Chong, der in Hongkong lebt, ist Experte auf diesem Gebiet, das er in seinem neuen Buch "Addressing Climate Risk in Coastal Urban Areas of East and Southeast Asia" näher beleuchtet. Zu diesen Gebieten gehören einige der grössten Städte, die durch extremes Wetter und den Anstieg des Meeresspiegels ernsthaft und unmittelbar gefährdet sind, darunter Singapur, Manila und Jakarta, das zusätzlich absinkt, während der Indische Ozean steigt.
Die Bewältigung dieser Risiken ist eine globale Priorität. Nach Abschluss der COP30 identifizierte Chong drei Bereiche, in denen er positive Entwicklungen sieht.
Anpassung war ein zentrales Thema in Belém. Die Delegierten knüpften an ein globales Ziel für Klimafinanzierung an, das auf der COP29 im vergangenen Jahr in Baku beschlossen worden war. Dieses sieht eine Aufstockung der Unterstützung für Entwicklungsländer vor, die in Brasilien verstärkt zusätzliche Mittel für Projekte wie Hochwasserschutz oder dürreresistente Wassersysteme forderten.
Traditionell ist es deutlich schwieriger, private Investitionen für solche Vorhaben zu gewinnen als etwa für erneuerbare Energieanlagen, bei denen der wirtschaftliche Nutzen oft unmittelbarer und greifbarer ist. "Die Vorteile von Anpassung liegen vor allem in der Vermeidung von Risiken", erklärt Chong. "Das lässt sich potenziellen Investorinnen und Investoren schwerer vermitteln."
Während also 32 % (UDS 15.5 Milliarden) der privaten Finanzmittel, die von 2018 bis 2020 durch offizielle Entwicklungsmassnahmen mobilisiert wurden, auf klimabezogene Herausforderungen abzielten, konzentrierten sich nur 4 % (USD 1.8 Milliarden) ausschliesslich auf Anpassungsmassnahmen. Chong sagt, dass ein neuerer Ansatz, bei dem Klimaschutz, Anpassung und naturbasierte Lösungen als parallele Investitionen gebündelt werden, Investorinnen und Investoren hilft, diese mentale Hürde zu überwinden. Gleichzeitig unterstützt er Regierungen dabei, private Mittel zu mobilisieren - etwa für Hochwasserschutzmassnahmen, die gemeinsam mit nachhaltiger städtischer Verkehrsinfrastruktur in Küstenstädten umgesetzt werden.
Blauer Kohlenstoff bezeichnet Gezeitensümpfe, Mangroven und Seegraswiesen sowie ihre wichtige Rolle bei der Kohlenstoffbindung entlang der Küsten. Diese blaue Zone kann zudem Küsten vor Sturmfluten schützen und die biologische Vielfalt fördern, was sie zu einem wachsenden Forschungs- und Investitionsfeld macht. "Aus Sicht der Nachhaltigkeit und der Klimaanpassung bietet diese blaue Zone vielfältige Vorteile und einen hohen Mehrwert," erläutert Chong.
In Brasilien stellte Indonesien seine Blue Carbon Ecosystem Roadmap and Action Guidelines vor - ein offizielles Programm, das Mangroven, Seegraswiesen und Gezeitensalzwiesen ins Zentrum der Bemühungen zur Emissionsreduktion und Stärkung der Klimaresilienz rückt. Das Land verfügt über nahezu ein Viertel der weltweiten Mangrovenbestände und intensiviert seine Anstrengungen, diesen Ökosystemen einen wirtschaftlichen Wert zuzuordnen, wobei der Naturschutz im Fokus ist.
Dazu gehört auch die Unterstützung und Weiterentwicklung von Blue-Carbon-Märkten, die Investorinnen und Investoren aufgrund der doppelten Klima- und Biodiversitätsvorteile entsprechender Zertifikate zunehmend anziehen. Die Nachfrage droht das Angebot zu übersteigen - nicht zuletzt aufgrund der Komplexität von Küstenprojekten, ihrer langen Laufzeiten und bestehender Finanzierungslücken. Dennoch gibt es Fortschritte: Immer mehr Forschende und Unternehmen entwickeln neue Technologien zur Quantifizierung von Blue Carbon, ein entscheidender Schritt für die Zertifizierung neuer Zertifikate.
Das grosse Tabuthema in Belém - oder das Thema, das überhaupt nicht stattfand - waren die USA. Erstmals in der Geschichte der COPs entsandten sie keine offizielle Delegation. Während das aktuelle Weisse Haus den Klimawandel weiterhin als "Schwindel" abtut - und die in Brasilien vertretenen Interessenvertreter der fossilen Brennstoffindustrie versuchten, jede Vereinbarung zu verwässern - gab es anderswo positive Anzeichen für eine Beschleunigung der Energiewende hin zu erneuerbaren Energien.
Entscheidend ist: Die Welt hat im vergangenen Jahr einen neuen Wendepunkt erreicht. Laut einem Bericht der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien sind Onshore-Windkraft, Solarenergie und neue Wasserkraftanlagen inzwischen die drei günstigsten Stromquellen weltweit. Solarenergie ist heute 41 %, Windenergie sogar 53 % günstiger als der billigste fossile Energieträger.
Allein das Kostenargument zeigt Wirkung: Laut einem anderen UN-Bericht entfielen 2024 74 % des weltweiten Wachstums der Stromerzeugung auf Wind, Solar und andere erneuerbare Quellen. Darüber hinaus stammten 92.5 % aller neuen Stromkapazitäten, die 2024 weltweit ins Netz eingespeist wurden, aus erneuerbaren Energien. Am symbolträchtigsten ist, dass erneuerbare Energien laut Daten des Energie-Thinktanks Ember in den ersten beiden Quartalen 2025 erstmals Kohle als weltweit führende Stromquelle abgelöst haben.
"Ich denke, dass all dies eine weitere grosse Transformationswelle im globalen Süden auslösen wird", sagt Chong. Zugleich beobachtet er eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Volkswirtschaften, um die Energiewende schneller und breiter umzusetzen. Singapur kündigte im Oktober beispielsweise Pläne für ein 2000-Megawatt-Offshore-Windprojekt an, das das Land mit Malaysia und Vietnam verbinden soll. Die erste Phase soll bis 2034 abgeschlossen sein.
Im Rahmen dieser Vereinbarung würden Singapur und Malaysia umfangreiche Investitionen in die Windenergieinfrastruktur entlang der bislang weitgehend unerschlossenen vietnamesischen Küsten unterstützen. Dies würde Vietnam helfen, sein Stromnetz zu dekarbonisieren, während gleichzeitig Energie und Emissionszertifikate exportiert werden könnten. "Ich rechne mit einer zunehmenden Zahl von Projekten, die auf diesem Geschäftsmodell oder auf staatlicher Zusammenarbeit basieren", so Chong.
Chong hat einige der gravierendsten Folgen des Klimawandels selbst erlebt, darunter eine Serie verheerender Wirbelstürme, die in den letzten Monaten 2025 Süd- und Südostasien heimsuchte. Wissenschaftler führen deren Intensität auf menschengemachten Klimawandel zurück. Solche Ereignisse, so seine Hoffnung, könnten den politischen Fokus schärfen, wenn Brasilien den Staffelstab an die Türkei als Gastgeberin der COP31 übergibt.
"Ich hoffe, dass diese Themen bereits vor der COP31 auf regionaler Ebene intensiv diskutiert werden", sagt Chong. "Und ich hoffe sehr, dass der private Sektor mit innovativeren Finanzierungsansätzen eine Schlüsselrolle übernehmen kann."