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Fake Fleisch, echter Trend

20. April 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Andrew Genung, Gastautor

Fleischersatz vegan food investments beyond impossible

Fleischersatz ist en vogue – nicht nur auf unserem Teller, sondern auch in unseren Portfolios. Und die öffentlichen Märkte folgen dem Hype. Die grössten Trends und Akteure, die man kennen muss.

Am Vorabend seines Börsengangs an der Nasdaq Anfang 2019 machte eine Ankündigung von Beyond Meat die Runde: Das auf realistische Fleischersatzprodukte spezialisiertes US-Unternehmen werde seine Aktienperspektive nach oben korrigieren und damit gleichzeitig fast eine Million zusätzliche Aktien freigeben. Ausserdem setzte Beyond seinen Aktienkurs um 20% höher als zuvor geplant fest. Durch diesen Schritt wurde die Marktkapitalisierung von Beyond von USD 1,21 Mrd. auf USD 1,49 Mrd. angehoben – und das nur zwei Tage vor Börsengang.

Investoren haben nicht gezögert. Die Aktie, deren Preis schliesslich auf USD 25 pro Anteil festgelegt war, wurde anfänglich für USD 46 gehandelt. Danach ging es nur noch bergauf. Sie erreichte ihren Höchststand bei USD 73 und beendete ihren ersten Tag bei USD 67,75. Aktionäre, die bis nach Geschäftsschluss durchhielten, erlebten einen weiteren Anstieg von 4%, zusätzlich zu dem Anstieg von 163% am ersten Tag. Laut MarketWatch war dies seit dem Jahr 2000 der grösste Einzeltagesgewinn bei einem Börsengang, der mehr als USD 200 Millionen einbrachte.

Mit ihren innovativen Versuchen, vegetarische Hamburger mit Geschmack und Textur von echtem Fleisch zu produzieren, hatten Beyond und sein nächster Konkurrent, Impossible Foods, bereits vor dem Börsengang das Interesse der Medien auf sich gezogen. Erst dieser Börsengang war der Beweis, dass die öffentlichen Märkte dem Hype Glauben schenkten. "Alternatives Eiweiss", "Fleisch auf pflanzlicher Basis", "fleischloses Fleisch", Impossible, Beyond – wie auch immer Sie es nennen wollen – waren offiziell angekommen.

Private Märkte haben es kommen sehen

Private Märkte haben das natürlich schon lange kommen sehen. Vinod Khoslas Khosla Ventures finanzierte Impossible Foods im Jahr 2011 mit einer Serie A im Wert von USD 9 Millionen, gefolgt von Bill Gates mit einer Serie B im Wert von USD 25 Millionen und, nach sieben weiteren Kapitalspritzen aus verschiedenen Fonds, einer mit Prominenten gefüllten Serie E Runde im Wert von USD 300 Millionen, die im vergangenen Jahr von Horizon Ventures aus Hongkong und Temasek Holdings aus Singapur angeführt wurde. Serena Williams, Jay Z und Katy Perry gehören zu den berühmten Namen, die sich daran beteiligten. Das Unternehmen, das sich nach wie vor in Privatbesitz befindet und erklärt hat, dass es keinen Börsengang plant, will Berichten zufolge demnächst eine ähnliche Runde auf den Weg bringen und seine Bewertung laut Reuters zwischen USD 3 und 5 Milliarden festlegen.

Während Zahlen wie diese immer noch einen Bruchteil der Marktobergrenzen einiger traditioneller Fleischkonkurrenten von Impossible ausmachen, sind dies eindeutig weltweite Boomzeiten für den Ersatz von Tierprodukten auf pflanzlicher Basis.

Fleischersatz vegan Forschung Labor
Auf der Suche nach Fleischersatz wird fleissig geforscht.

Im Milchsektor konnte nach Jahren der Marktdominanz von hauptsächlich auf Soja und Nüssen basierenden "Milchprodukten" die schwedische Hafermilchmarke Oatly zwischen 2017 und 2018 einen jährlichen Umsatzanstieg von USD 68 Mio. auf USD 110 Mio. verzeichnen. Sie plante laut Bloomberg, bis Ende letzten Jahres USD 230 Mio. zu erreichen. Um die Nachfrage zu befriedigen, baut das Unternehmen neue Fabriken und bringt neue Produkte auf den Markt – wie beispielsweise Linien für Hafer-Milcheiscreme.

An der Geflügelfront hat sich die internationale Fast-Food-Megamarke KFC kürzlich mit Beyond zusammengetan, um "falsche Brathähnchen" zu testen, und der auf Mungobohnen basierende Eiersatz "Just Egg" von Eat JUST Inc. ist jetzt in einigen der beliebtesten vornehmen Lebensmittelgeschäften Amerikas erhältlich – sowohl in den Regalen als auch in den Abteilungen für Fertiggerichte. Auch lokale Start-ups machen von sich reden, zum Beispiel in der Schweiz.

3D-gedrucktes Fleisch

In China, wo Sorgen um das Klima, die Lebensmittelsicherheit und die Schweinegrippe das Bewusstsein für Schweinefleischalternativen gefördert haben, versuchen Startups, Impossible Foods auf dem grössten Schweinefleischmarkt der Welt zu schlagen. Zu ihnen gehören das in Peking ansässige Unternehmen Zhenmeat und Produkte wie Omnipork aus dem frühen Unternehmen Green Monday des Beyond Meat-Investors David Yeung.

Chance Fleischalternative?

Was die Suche nach Fleischalternativen für Anleger bedeutet, beleuchtet Stefan Hofer (LGT) in seinem Beitrag "Die nächste Revolution".

Um den Konsumenten entgegenzukommen, die über die Auswirkungen des Verzehrs von Meeresfrüchten besorgt sind, entwickeln Unternehmen wie Good Catch, Sophie's Kitchen und Ocean Hugger Foods Fischalternativen: Roma-Tomaten (roher Thunfisch), Auberginen (Aal) und Konjakwurzel (geräucherter Lachs).

NovaMeat
Der 3D-Drucker der spanischen Firma NovaMeat.

Aktuell gibt es so viele Akteure, die um einen Teil des Marktes für neue alternative Proteine wetteifern, der bis 2030 laut UBS Wealth Management und anderen Quellen schätzungsweise USD 85 Milliarden betragen könnte, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Weitere neuartige Fleischersatztechnologien kommen noch hinzu, wie das 3D-Druckverfahren der spanischen Firma NovaMeat, das den ganzen Rindfleischmuskel nachahmen will – im Gegensatz zum leichter produzierten "Hackfleisch", das für Burger verkauft wird. Und dann gibt es noch die möglicherweise weniger vegan-freundlichen "Labor-gewachsenen", zellkultivierten Fleischtechnologie-Unternehmen, die sich zumeist noch in den Kinderschuhen der Forschung und Entwicklung (ganz zu schweigen von regulatorischen Vorschriften) befinden. 

Traditionelle Fleischunternehmen haben von diesen Entwicklungen Kenntnis genommen. Nach ersten Investitionen in Beyond verkaufte Tyson Foods, eines der grössten Fleischverarbeitungsunternehmen der Welt, Anfang letzten Jahres seine 6.5 prozentige Beteiligung und kündigte an, dass es eine eigene Linie von pflanzlichem Fleisch auf den Markt bringen werde. Weiter unten in der Lieferkette hat der amerikanische Agrargigant Cargill USD 100 Millionen in Puris investiert, das Unternehmen, das Beyond mit dem für sein Endprodukt wichtigen Erbsenprotein beliefert.

Gewinner und Verlierer

Die Möglichkeiten scheinen endlos, aber die meisten dieser Unternehmen und Investitionen sind noch in den Kinderschuhen. Während eine Pressemitteilung nach der anderen wichtige Innovationen, Blockbuster-Finanzierungsrunden und lukrative Unternehmenspartnerschaften anpreist, darf nicht vergessen werden, dass es hier nicht nur Verlierer geben wird, sondern dass die langfristigen Gewinner vielleicht noch gar nicht existieren.

Der Start von Beyond an der Nasdaq mag den Beginn einer langen Reihe erfolgreicher Exits markiert haben, aber Investoren täten gut daran, sich zu erinnern, was geschah, nachdem der letzte vergleichbare Börsengang am ersten Tag um über 150% gestiegen war. Das war als Palm Inc., der Hersteller von einem "Personal Digital Assistant", einem Vorläufer der Smartphones, Anfang 2000 erstmals an die Börse ging. Sieben Jahre später kam das erste iPhone auf den Markt, und drei Jahre danach war Palm Geschichte.

Bilder: Keystone, Cristina Pedrazzini und NovaMeat

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