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"Als Anleger hat man einen grossen Hebel"

5. Februar 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Sidi Staub, LGT

Andrea Ferch, Experting für nachhaltige Anlagen im Private Banking der LGT.

Wie Anleger die soziale und ökologische Transformation der Wirtschaft unterstützen können, erläutert Andrea Ferch, Verantwortliche für nachhaltige Anlagen im Private Banking der LGT. 

Frau Ferch, können Anleger den Klimakollaps verhindern oder gar die Welt retten?

Andrea Ferch: Alleine können sie das sicher nicht. Aber jeder Anleger kann einen Beitrag leisten, indem er sein Vermögen klimafreundlicher ausrichtet. Wenn ich beispielsweise aufhöre, in kohlefördernde Unternehmen zu investieren, und stattdessen Unternehmen berücksichtige, die den Ausbau erneuerbarer Energiequellen vorantreiben, dann leiste ich bereits einen wichtigen Beitrag. Und wenn viele Anleger das Gleiche machen, inklusive die institutionellen Grossanleger, kann dies die überaus wichtige Energiewende massgeblich unterstützen. Mit der Geldanlage hat man einen grossen Hebel und kann viel bewirken, auch dass sich die Wirtschaft nachhaltiger ausrichtet. Das ist vielen Anlegern gar nicht so bewusst.

Einige Klimaaktivisten fordern von Banken und Anlegern den sofortigen Ausstieg aus Erdöl, Gas und Kohle. Ist das realistisch?

Was Kohle angeht, positionieren wir uns als LGT ähnlich:  Seit diesem Februar schliessen wir Unternehmen, die Kohle fördern oder aus Kohle Energie gewinnen, aus unseren Anlagen aus. Dies, weil Kohle die CO2-intensivste Energiequelle ist. Gleichzeitig denke ich, dass wir realistisch betrachtet noch nicht vollständig auf fossile Energieträger verzichten können, weil der weltweite Energiebedarf derzeit nicht alleine aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden kann. Deshalb ist es aus meiner Sicht nicht sinnvoll, per sofort auf Erdöl und -gas zu verzichten und Investitionen in Unternehmen auszuschliessen, die in diesem Geschäft tätig sind. Stattdessen sollten wir gezielt, wie gerade erwähnt, in diejenigen Unternehmen in diesem Sektor investieren, die führend bei der Umstellung auf alternative Energieträger sind und die so wichtige Energiewende damit eingeläutet haben. Als Anleger können wir damit den Wandel unterstützen.

Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen sind sehr oft in zukunfts- und damit gewinnträchtigen Branchen tätig.

Gibt es nebst dem Wunsch, zu einer besseren Welt beizutragen, weitere Gründe, warum Anleger sich nachhaltig ausrichten sollten?

Ja, wenn man nachhaltiger anlegt, tut man ja nicht nur etwas Gutes für die Umwelt und für die kommenden Generationen, sondern auch für sein Vermögen. Durch nachhaltiges Anlegen kann man bestimmte Risiken vermeiden. Ein Beispiel unter vielen: Wird in Europa eine CO2-Abgabe eingeführt, werden die Gewinne und damit die Aktienkurse der nachhaltig aufgestellten Unternehmen – also derjenigen, die ihren Energiebedarf bereits reduziert haben und auf erneuerbare Energien umgestiegen sind – weit weniger belastet. Das Gleiche gilt natürlich für ein entsprechend ausgerichtetes Aktienportfolio. Zudem sind nachhaltig ausgerichtete Unternehmen ja sehr oft innovative Unternehmen in zukunfts- und damit gewinnträchtigen Branchen.

Trotzdem befürchten viele Anleger, dass sie mit nachhaltigen Anlagen eine schlechtere Rendite erzielen. Was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu?

Es gibt zu diesem Thema seit Jahrzehnten zahlreiche Auswertungen und Studien. Verglichen werden dabei meist breit diversifizierte Aktienportfolios, wovon die eine Gruppe jeweils nur in die bezüglich Nachhaltigkeit besten Firmen innerhalb einer Branche investiert, während die andere Gruppe sich nicht an Nachhaltigkeit orientiert. In den meisten Studien hat sich gezeigt, dass die nachhaltigen Portfolios mindestens gleich gut abschneiden wie die traditionellen Portfolios. In einigen Fällen hatten die nachhaltigen Portfolios sogar die Nase vorn. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dieser Trend angesichts der zunehmenden Umweltrisiken und der politischen Reaktionen hierauf – beispielsweise durch Einführung einer CO2-Steuer – noch stärker ausprägen wird. Allerdings muss man differenzieren: Wenn ein Anleger strikt vorgeht und viele Branchen ausschliesst und sehr fokussiert in kleinere Firmen investiert, die beispielsweise innovative Technologien zur Lösung von Wasserknappheit oder Abfallvermeidung entwickeln, dann kann dies eine positive ökologische Wirkung erzielen, allerdings wird sein Portfolio auch ein deutlich erhöhtes Investitionsrisiko bergen, im Vergleich zu einem traditionellen breit diversifizierten Portfolio. In unserer kürzlich lancierten nachhaltig ausgerichteten Vermögensverwaltungslösung spielen Firmen, die innovative Lösungen bereitstellen, auf jeden Fall eine Rolle, aber als Beimischung. Wir verfolgen eine breite Diversifikation bezüglich Regionen und Anlageklassen, achten bei der Auswahl der Investments aber selbstverständlich auf eine entsprechend gute Nachhaltigkeitsqualität.

Gemäss der Wissenschaft schneiden nachhaltige Portfolios mindestens gleich gut ab wie traditionelle Portfolios.
Gemäss der Wissenschaft schneiden nachhaltige Portfolios mindestens gleich gut ab wie traditionelle Portfolios.

Was sind denn die Ziele der LGT im Bereich nachhaltige Anlagen?

Unser primäres Ziel ist es, eine deutliche Steigerung des Anteils nachhaltiger Anlagen in den Portfolios unserer Private-Banking-Kunden zu erreichen und damit wesentlich zu einer nachhaltigeren Allokation von Kapital beizutragen. Wir sind überzeugt, dass dies zur Lösung der grossen ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit beitragen kann.

Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?

Es muss uns gelingen, unsere Kunden und Kundenberater vom nachhaltigen Anlegen zu überzeugen und sie dafür zu begeistern. Nur dann werden sie auch entsprechend investieren. Als Erstes haben wir deshalb mehr Transparenz geschaffen. Mit unserem Nachhaltigkeitsrating sind wir heute in der Lage, unseren Kunden auf sehr einfache Weise aufzuzeigen, wo ihr Portfolio bezüglich Nachhaltigkeit steht. Dieses Rating werden wir konsequent weiterentwickeln. Zusätzlich werden wir auch unser Angebot an attraktiven nachhaltigen Anlagelösungen ausbauen.

Die LGT hat ja vor Kurzem neue Vermögensverwaltungslösungen mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit lanciert. Was sind die nächsten Schritte?

Die äusserst positive Resonanz zeigt uns, dass ein echtes Bedürfnis seitens der Anleger besteht, ihre gesamte Vermögensanlage nachhaltig auszurichten und nicht nur einzelne nachhaltige Anlageprodukte in ihr bestehendes Portfolio zu integrieren. Wir möchten deshalb in Kürze auch mit einem entsprechenden Advisory-Angebot für unsere Beratungskunden auf den Markt kommen. Ebenso möchten wir Fonds evaluieren, mit denen unsere Kunden auf verschiedene Nachhaltigkeitsthemen setzen können, beispielsweise im Bereich der Smart Mobility oder Ernährung.

Bilder: Nadia Schärli

Nachhaltig engagiert

Andrea Ferch arbeitet seit 2007 bei der LGT und leitet das Team für den Bereich nachhaltiges Investieren. Bevor sie zur LGT stiess, war sie während vieler Jahre für die Entwicklung und das Life-Cycle-Management von Investmentfonds bei der schwedischen SEB Asset Management AG in Frankfurt verantwortlich. Die Themen Nachhaltigkeit und nachhaltiges Investieren liegen ihr sehr am Herzen. Bereits seit Ende der 90er-Jahre gehörte dieser Bereich zu ihrem Beschäftigungsgebiet, und sie konnte in diesen zwei Jahrzehnten grosse Expertise aufbauen. Die engagierte Naturliebhaberin ist begeisterte Gärtnerin und engagiert sich in einem Gemeinschaftsgarten in Zürich für den Erhalt der Biodiversität.

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